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Garmin ist als Hersteller von Sportuhren seit Jahren nahezu unschlagbar. Die Uhren zeichnen sich mit langen Akkulaufzeiten, hervorragendem GPS und jeder Menge Sport- und Gesundheitsfunktionen aus. Neben den High-End Produkten wie der Epix oder Fenix hat Garmin nun auch in der Forerunner-Serie einen richtigen „Kracher“ mit komplett neuen Funktionen nachgelegt. Die zwar hochpreisige, aber auch mit vielen grandiosen Funktionen ausgestattete Forerunner 970 ist vor allem für ambitionierte Sportler sehr interessant. Wir hatten die Uhr im Test und haben uns das Modell mal genauer für euch angeschaut.
Facts
| Thema | Info |
|---|---|
| Material | Armband aus Silikon, Uhrglas aus Saphirglas, Lünette aus Titanium |
| Größen | Einheitsgröße 47 x 47 x 12,9 (mm) |
| Farben | schwarz/carbongrau (Testprodukt), Steinweiß / Titanium Titan, Gray/Softgold Titanium |
| Gewicht | 56g |
| Preis | 749,99€ |
Erster Eindruck und Verarbeitung
Die Forerunner 970 kommt optisch in dem klassischen Style der Forerunner-Serie daher – sportlich, praktisch, nicht schick, aber trotzdem eine schöne Erscheinung. Die Uhr ist sowohl mit einem gut funktionierenden Touch-Display als auch mit Knöpfen ausgestattet – letzteres finde ich persönlich bei Sportuhren sehr wichtig. Ebenfalls wichtig ist mir das Tragegefühl. Hier überzeugt die Uhr mich definitiv, trotz der für ein Frauenhandgelenk stattlichen Größe ist die Uhr mit 56 Gramm leicht und angenehm zu tragen. Auch nachts oder bei sportlichen Aktivitäten störte mich die Uhr überhaupt nicht, wogegen ich mich damals beim Test des Fenix Modell doch am Tragegefühl gestört hatte. Die Forerunner 970 ist im Vergleich zur Fenix aber sowohl flacher als auch leichter und der Messsensor an der Rückseite der Uhr ist ebenfalls flacher gestaltet.
Das Amoled Display der Uhr ist wirklich eine Wucht – gestochen scharf und hell könnte man quasi einen Film darauf anschauen. Alle Anzeigen sind klar erkennbar, sowohl bei Sonne als auch in der Dunkelheit. Das Display selbst lässt sich selbst gestalten, mit eigenen Fotos oder mit vorgefertigten Designs (teils kostenpflichtig) auf der Garmin IQ-App oder den vorgefertigten die auf der Uhr vorhanden sind. Durch nette Designideen der Uhr (beim Morgen und Abendbericht erscheint die aktuelle Wetterlage in Form von Sonne, Regenstrahlen, Morgenröte, Abenddämmerung etc.) kommt das Display mehrfach zur Geltung. Wichtig finde ich vor allem die gute Lesbarkeit bei den Aktivitäten, hier überzeugt das Display ebenfalls auf ganzer Linie – die Karten sind gestochen scharf, jeder kleine Weg ist gut erkennbar, die Lesbarkeit der aktuellen Pace, Distanz ist auch bei hohem Tempo gut möglich und die Herzfrequenz ist sogar noch mit farbigen Balken hinterlegt, sodass sofort erkennbar ist, in welcher Herzfrequenzzone ich mich aktuell befinde.
Praxistest
Da die Uhr mit unzähligen Funktionen ausgestattet ist und viele davon bei Garmin Standard sind, werde ich nicht auf alles und auf manches nicht im Detail eingehen. Harte Daten und Fakten sind auf der Garmin Seite gut nachvollziehbar. Bei dem Testmodell hatte ich immer mal wieder Probleme mit der Synchronisation der App, was zum Teil nur nach mehrfachen versuchen gelang und mir so bei meinen anderen Modellen nicht geläufig war. Es kann natürlich hier aber auch nur ein Zufall sein, dass die App über den Testzeitraum Probleme hatte.
Einrichtung der Uhr:
Wer bereits eine Garmin nutzt ist hier in einer sehr komfortablen Ausgangssituation denn die Uhr kann alle bisherigen Einstellungen einfach übernehmen wenn ihr sie mit der Garmin Connect App und eurem Handy koppelt. Die Einrichtung ist dann innerhalb weniger Minuten abgeschlossen und ihr könnt direkt loslegen. Wenn ihr davor schon ein Modell mit entsprechenden Funktionen (Trainingszustand, HFV-Wert etc.) benutzt habt, werden auch diese Daten sofort übernommen und die Uhr braucht nicht wie bei neuen Nutzern mehrere aufgezeichnete Aktivitäten oder das Tragen bei Nacht um die Daten zu erfassen und anzuzeigen.
Wenn man neu auf Garmin umsteigt ist die Einrichtung ebenfalls simpel. Die Uhr führt einen direkt durch ein Menü und erklärt einem die Einrichtung. Auf dem Handy muss die Garmin Connect App heruntergeladen werden. Wird diese mit dem Gerät gekoppelt bekommt man direkt eine kleine Einweisung durch die Möglichkeiten und Bedieneinheiten der Forerunner 970.
Akkulaufzeit:
Ich habe die Uhr Tag und Nacht getragen und im Schnitt alle 1-2 Tage eine Aktivität aufgezeichnet, dabei war meist eine Outdoor Aktivität mit GPS dabei. Geladen habe ich die Uhr nach 7-8 Tagen, wobei sie nicht vollständig entleert war. Innerhalb weniger als einer Stunde war die Uhr auch direkt wieder vollgeladen. Tageswanderungen mit GPS und Karte haben die Akkukapazität jedoch stark beansprucht. So habe ich einmal bei einem 64km Marsch teilgenommen, bei dem ich die Karte auf die Uhr geladen hatte und natürlich mit einem vollen Akku die Uhr startete. Diese lief auch mit entsprechender Navigation stetig mit, da ich mich im Wettkampf nicht verlaufen wollte. Nach ca. 10 Stunden warnte mich die Uhr dann, dass die Batterieleistung nur noch sehr niedrig ist. Ich habe daraufhin die Karte nicht mehr anzeigen lassen und bin auf die Stromsparendste Anzeigevariante gegangen, um noch die letzten zwei Stunden mit der Uhr zu überstehen. Angekommen im Ziel bin ich schließlich mit noch 3% Restakku und (eingefleischte Garmin Nutzer werden mich verstehen) ich war heilfroh meine Aktivität noch speichern zu können, nicht dass mir die Uhr noch einen ruhigen Tag nachsagt ;-).
Normale 5-7 Stunden Wanderungen waren aber auch mit Navigation und Kartenansicht kein Problem, nach einem solchen Tag muss die Uhr dann aber geladen werden.
Navigation:
Ein absolutes Highlight der Uhr ist die tolle Navigationsmöglichkeit. Man kann sowohl Touren von Komoot auf die Uhr laden und sich navigieren lassen als auch durch die Garmin Karten selbst. Da ich beruflich oft an unterschiedlichen Orten unterwegs bin, an denen ich mich nicht auskenne habe ich die Funktion wirklich oft genutzt. Entweder habe ich eine schöne Tour bei Komoot ausgesucht, sie mit zwei Klicks auf meine Uhr geladen und mich dort leiten lassen, oder ich bin einfach mit gestarteter Aktivität losgelaufen und habe irgendwann auf der Uhr eingestellt dass sie mich einfach wieder zurück zum Ausgangspunkt leiten soll. Vor allem für Menschen mit einem nicht ganz so ausgeprägten Orientierungssinn ist diese Funktion klasse. Durch das gut Display ist gut erkennbar, wo man hin muss und die Uhr weißt vor jeder Abbiegemöglichkeit kurz darauf hin dass man z.B. in 50 Meter rechts muss.
Neuheiten:
Die absoluten Neuheiten der Forerunner 970 und von Garmin sind die Funktionen „Running Economy“ und „Running Tolerance“. Gerade der Bereich Running Economy war das, was mich am meisten gereizt und interessiert hat, weshalb ich diese Uhr auch testen wollte. Nun kommt aber der Punkt hinzu, an dem man das Kleingedruckte lesen muss: Es werden für diese Funktion Daten wie Geschwindigkeit, Herzfrequenz und weiteren Running Dynamics herangezogen. Grundsätzlich misst die Uhr am Handgelenk die Schrittfrequenz, Schrittlänge, Vertikales Verhältnis und Bewegung sowie die Bodenkontaktzeit. Daten über die Running Economy bekomme ich aber nur in Verbindung mit dem Garmin HRM 600 Brustgurt, der die Metrik des Geschwindigkeitsverlustes misst. Dieser Gurt kostet 169,99€ und war mir jetzt leider zu teuer um ihn mir extra für den Test der Uhr zuzulegen. Insgesamt finde ich es sehr schade, da die Uhr selbst ja schon einige wichtige Parameter erfasst und man diese Funktion dann vielleicht auch ohne Brustgurt hinbekommen hätte können oder zumindest einen groben Wert davon erfassen könnte, mit dem Hinweis dass es mit dem Gurt noch genauer gehen würde.
Zumindest die Running Tolerance ist ohne zusätzlichen Zubehör nutzbar. Sie zeigt an, wie gut der Körper die Auswirkungen des Laufens verkraftet und zieht hierfür die akkumulierte biomechanische Belastung heran. Die biomechanische Belastung berücksichtigt hierbei verschiedene Faktoren eines Laufs und die daraus entstandene Belastung. Höheres Tempo oder schwierigere Untergründe / Strecken erhöhen die Belastung. Das ganze gibt natürlich nur einen groben Wert und ich finde es schade, dass andere Belastungen nicht mit berücksichtigt werden. Hierbei finde ich sollten grundsätzlich die täglichen Schritte oder eine anspruchsvolle Wanderung (was sich ja ebenfalls auf die selben Muskeln, Sehnen, Gelenke usw. auswirkt) ebenfalls berücksichtigt werden. Ich habe oftmals durch meine Alltäglichen Tätigkeiten am Tag um die 30 000 Schritte, starte aber nicht für all meine Schritte eine Aktivität – folglich werden diese Schritte zwar aufgezeichnet, aber nicht berücksichtigt.
Ebenfalls eine Neuheit ist der „Abendbericht“. Fast alle Garmin Uhren haben mittlerweile einen Morgenbericht indem kurz zusammengefasst wird wie man geschlafen hat, was heute für eine Trainingseinheit ansteht, anstehende Termine etc. In diesem Stil gibt es nun auch einen Abendbericht, der einem ein kurzes Update gibt wie anstrengend der Tag für den Körper war und was morgen ansteht. Ich finde das ganze eigentlich ganz nett, weil man sich gerade bei den Trainingsvorschlägen dann so ein bisschen danach richten kann, wenn man es am Abend vorher schon weiß.
Die LED Taschenlampe wurde bei der Forerunner 970 auch nochmal deutlich verbessert, weshalb ich sie unter den Neuheiten aufzähle – die Lampe ist wirklich genial. Mit einer Taste eingeschaltet erhellt sie einen ganzen Raum, ich konnte damit im dunkeln über einen Campingplatz zum Klo laufen ohne eine weitere Lichtquelle zu benötigen. Da man die Uhr ja eh immer dabei und „am Mann oder der Frau“ hat ist das wirklich super praktisch.
Sportprofile und Sportwerte:
Die Uhr ist mit einer Vielzahl von Sportprofilen ausgestattet und lässt vor allem im Laufbereich kaum Wünsch offen. Nachdem Hyrox immer mehr Sportler begeistert würde ich mir hier für die Zukunft noch das ein oder andere zusätzliche Profil wünschen, wie z.B. für das Ski Ergometer.
Die aktuelle Pace finde ich bei den Garmin Uhren im Vergleich zu anderen Herstellern wirklich sehr gut, sie passt sich schnell an und ist präzise, ich hatte ein wenig das Gefühl dass mein Testmodell je nach Strecke ein bisschen länger gebraucht hat um die aktuelle Pace anzupassen, das ist aber natürlich immer schwer zu sagen und hängt ja auch von Wetter und weiteren Faktoren ab. Das selbe gilt für die Herzfrequenz – mit minimalem Verzug zeigt die Uhr diese verlässlich und gut an. Einziges Manko war für mich hier, dass bei Koppelung mit einem Brustgurt die Messung nicht sofort wieder auf die Uhr umspringt wenn der Gurt ausfällt. Ich schwitze sehr wenig beim Laufen und hab dann oft das Problem, dass der Gurt irgendwann nicht mehr misst. Üblicherweise sollte die Uhr dann auf die eigene Messung umspringen, das hat hier leider nicht funktioniert und ich musste die Aktivität beenden, speichern, den Gurt trennen und die Aktivität neu starten.
Die Uhr ist ebenfalls mit den Funktionen „Trainingszustand“, „Trainingsbereitschaft“, „Ausdauerwert“, „Hill Score“ und Erholungszeit ausgestattet. Die Funktionen sind teilweise wirklich „Nice to have“, können einen aber auch einfach stressen, da Garmin keine Rücksicht auf Verletzungen oder sonstige Umstände nimmt, sondern sich lediglich auf die Aktivitätsdaten bezieht. Viele Influencer machen mittlerweile eine Menge „Reals“ über die gnadenlosen Garmin Uhren die einem regelmäßig sagen wie faul, unproduktiv und unsportlich man doch sei und man dringend mal an seinem Schlaf und Leben arbeiten sollte. Zugegeben, es ist dort natürlich überzogen, aber so ein funken Wahrheit steckt schon drin, die Uhr ist manchmal wirklich gnadenlos – ich kam neulich von einem 12km Lauf zurück und sie gab mir danach als Trainingszustand „Erholung“. Na Merci ;-).
Gesundheitsfunktionen:
Die Uhr ist mit einer Vielzahl an Gesundheitsdaten ausgestattet, angefangen von einer sehr genauen Schlafaufzeichnung, Messung des Stresswertes, HFV Wertes, EKG-Funktion zu der sogenannten Body Batterie, die einem sagt wie viel Reserven man nach einem Tag noch hat oder wie viel einen eine Aktivität beansprucht hat. Über die App kann ebenfalls noch der Menstruationszyklus inklusive Symptome und Daten wie Zervixschleim / Ausfluss / Blutung dokumentiert werden. Diese Funktionen stehen bei fast allen und nicht nur den hochpreisigen Garmin Modellen zur Verfügung.






















Pro/Contra
Pro:
- Tolle Uhr mit vielen funktionellen Details und einer Menge an Sportdatenerfassung
- Die Taschenlampe ist super hell und ein wirkliches „Highlight“
- Trotz der Größe ein geringes Gewicht und angenehm zu tragen
- Interessante neue Funktionen
Contra:
- Funktion „Running Economy“ ist nur mit einem kompatiblen Brustgurt möglich
- Die neuen Funktionen sind interessant, ich würde mir die Uhr aber nicht nur dafür holen, dafür sind sie mir nicht Aussagekräftig / nützlich genug
- Ich hatte stellenweise Probleme mit der Synchronisierung des Geräts mit der App
Fazit
Die Garmin Forerunner 970 ist ein absolutes High-End Produkt von Garmin und für alle ambitionierten Sportler, die Daten und Fakten lieben eine geniale Uhr. Durch das angenehme Tragegefühl, das geringere Gewicht und den tollen Funktionen finde ich dieses Modell sogar besser als die preislich noch höher liegenden Fenix oder Epix Modelle. Wenn jemand aber bereits eine (Garmin) Sportuhr besitzt, mit der er zufrieden ist, würde ich mir die Forerunner 970 nicht aufgrund der Neuerungen zulegen.
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