Als Bushcraft-Fan stehe ich auf minimalistische Shelter-Lösungen. Ein Tarp ist dabei immer schnell und unkompliziert aufgebaut. Doch ein Tarp-Shelter, bei dem alle Seiten geschlossen sind, das Platz für vier Personen bietet und sich trotzdem zügig aufbauen lässt, hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt. Umso größer war meine Begeisterung, als MSR mir zugesagt hat, dass ich das Front Range™ 4-Person Ultralight Tarp Shelter testen darf.
Facts
| Thema | Info |
|---|---|
| Material | Hauptstoff: 20 D Ripstop-Nylon Beschichtung: MSR Xtreme Shield™ (Innenseite mit Polyurethan, Außenseite mit Silikon) |
| Wassersäule | 1200mm |
| Größen | 4 Personnen (4 sehr eng 3 super) |
| Farben | orange, grün |
| Gewicht | 861g + 72g Zusatzheringe |
| Maße | Fläche: 274cm x 274cm Höhe: 165cm |
| Preis | ca. 350€ |
Erster Eindruck und Verarbeitung
Ich möchte gleich von vornherein klarstellen, dass ich das Front Range™ 4-Person Ultralight Tarp Shelter von MSR nicht als Notfall-Shelter nutzen werde, sondern als Tarp- bzw. Zelt-Ersatz.
Meine Abenteuer sind zwar kein Glamping, aber niemals grob fahrlässig. Außerdem weiß ich nicht, ob ich für einen reinen Notfall dauerhaft 861g zusätzlich mit mir herumtragen würde. Sicherlich kann ein solches Shelter im Ernstfall den Unterschied machen, doch ein 4-Personen-Biwaksack ist deutlich kleiner, leichter sowie wind- und wasserdicht. Vier Personen, eng beieinander, profitieren zudem wesentlich stärker von der gegenseitigen Körperwärme, und auch das zu erwärmende Luftvolumen ist erheblich kleiner.
Das Front Range™ ist in zwei Farben erhältlich: Orange und Grün. Nach meiner Einleitung dürfte klar sein, für welche Farbe ich mich entschieden habe. Als Notfall-Shelter in der Arktis ist Orange sicherlich ein Muss, doch bei einem Overnighter im heimischen Wald oder in den Bergen möchte ich mit meiner Umgebung verschmelzen.
Da ich unterwegs mit der klaren Absicht bin, irgendwo zu schlafen, habe ich ohnehin Isomatte und Schlafsack dabei – damit wird das Front Range™ für mich zu einem nahezu perfekten Unterschlupf.
Im Lieferumfang sind allerdings nur sechs Heringe enthalten. Zehn wären sinnvoller, vor allem wenn man die Seitenwände jeweils mittig zusätzlich abspannen möchte. Das ist zwar kein großes Problem – Heringe kosten nicht viel – aber bei einem Preis von rund 350 € könnten sie ruhig dabei sein.
Zusätzlich liegen noch zwei Riemen mit Kunststoffschnallen bei, um die Wanderstöcke miteinander zu verbinden, sowie ein Packsack, der bei beiden Farbvarianten in Orange gehalten ist. So habe ich im Notfall zumindest etwas dabei, um auf mich aufmerksam zu machen.
Riesen vorteil von Front Range™ 4-Person Ultralight Tarp sind das alle vier Wände geschlossen sind. Auf meinen Paddeltouren habe ich meist ein Tarp dabei, und wenn man sich darin umzieht oder mit einer Gruppe unterwegs ist, kann das unter Umständen unangenehm sein. Das Front Range™ hat hier einen klaren Vorteil: alle Seiten können geschlossen werden, sodass man Privatsphäre hat. Außerdem hatte ich schon auf Campingplätzen die Situation, dass wir als Gruppe in die nächste Stadt oder das nächste Dorf mussten – alles offen liegen zu lassen, fühlte sich befremdlich an.
Klar, die 20 Denier dicke Zeltwand des Front Range™ ist kein Hochsicherheits-Bunker, aber es liegt nicht alles offen herum und ist nicht sofort einsehbar. Das erhöht das Gefühl von Privatsphäre erheblich.
Praxistest
Um nicht gleich in den Bergen damit zu starten, habe ich die erste Nacht bei mir ums Eck im heimischen Wald verbracht. Ich habe mir vorab nicht im Detail angeschaut, was alles im Lieferumfang enthalten ist, und auch keinen Probeaufbau gemacht – zum einen aus Zeitmangel, zum anderen, um den Aufbau unter realistischen Bedingungen zu erleben.
Der Aufbau bei -8 °C im Dunkeln hat sich dann aber als extrem simpel erwiesen.
Zuerst werden die vier Ecken zu einem Quadrat abgespannt. Dabei ist gefrorener Boden eher das Problem – im Schnee sind 20 cm Aluheringe ebenfalls nur so lala.
Anschließend verbindet man die beiden Wanderstöcke mit den mitgelieferten Kunststoffschnallen. In der Beschreibung wird eine Höhe von 165 cm angegeben. Je nach Bodenbeschaffenheit – oder auch je nachdem, wie fest man die Stöcke mit der etwas fummeligen Lasche und eventuell kalten Händen fixiert bekommt – ist das aber nicht immer exakt einzustellen.
Ich habe mir daher eine Technik entwickelt, die das Ganze deutlich einfacher macht:
Man stellt den unteren Stock auf maximale Länge und den oberen auf minimale Länge ein und verbindet beide so miteinander, dass die Teleskopfunktion des oberen Stocks weiterhin zugänglich bleibt. Anschließend kann man ins Shelter hineingehen und den Stock direkt in der Mitte des Front Range™ ausfahren, bis die gewünschte Spannung erreicht ist.
So lässt sich die Höhe präzise anpassen, ohne draußen im Kalten nachjustieren zu müssen.
Der Aufbau dauert zu zweit etwa fünf Minuten, und ein Riesen Vorteil sind die vier geschlossen Wände.
Was sofort auffällt: Zu viert wird es richtig kuschelig. Wir waren zu zweit, und klar, zwei weitere Personen passen noch problemlos hinein, liegen dann aber ganz am Rand, direkt an der Tarpwand.
Das Shelter ist in Form einer vierseitigen Pyramide aufgebaut. An den Übergängen, an denen die Seitenflächen aufeinandertreffen, befinden sich jeweils zwei angenähte Stoffschlaufen.
Um dem Platzproblem entgegenzuwirken, haben wir bei der nächsten Übernachtung zu dritt das Front Range™ an den unteren Schlaufen nach oben abgespannt. Dadurch werden die Seitenwände leicht angehoben, und man kann deutlich näher an den Wänden liegen, ohne den Stoff direkt im Gesicht zu haben. Wenn kein Baum in der Nähe ist, lässt sich die Abspannung auch über einen Wanderstock umlenken – hier ist ein wenig Kreativität gefragt. Zum Glück hatte ich das Front Range™ vorausschauend um sechs zusätzliche Heringe erweitert (Gewicht: 72 g, Kosten: 3,30 €). Dann reichte der Platz sogar noch aus, um die Rucksäcke an die Füße zu legen. Ich war tatsächlich erstaunt, wie viel zusätzlicher Raum dadurch entsteht, obwohl die Grundfläche natürlich nicht größer wird.
In der Nacht ist mir außerdem sofort der kalte Luftzug von unten aufgefallen. Das Range™ besitzt oben eine Belüftung, die verhindern soll, dass die Innenwand kondensiert. Gleichzeitig führt diese Konstruktion aber dazu, dass warme Luft nach oben entweicht und kalte Luft von unten unmittelbar nachströmt. Hier zeigt sich auch, wie wichtig es ist, die Seitenwände mittig zusätzlich abzuspannen, um den Spalt zum Boden möglichst klein zu halten. Im Winter würde ich das Shelter zusätzlich abdichten – Schnee ist dafür sicherlich am besten geeignet, wird aber leider auch immer seltener, zur not gehen aber auch Zweige.
Bei der ersten Nacht hatte ich zwei Thermometer dabei und musste beim Ablesen feststellen, dass der Temperaturunterschied zwischen draußen und innen praktisch null war. Klar, bei Wind hätte sich das anders bemerkbar gemacht. Morgens war die Tarpwand komplett mit Eis überzogen. Das Gute daran: Man kann das Eis einfach abschütteln – es fällt wie Schnee herunter, und alles bleibt trocken.
Bei der zweiten Übernachtung in den Bergen, im Februar bei milderen Temperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit, war die Wand dagegen vollständig mit Kondenswassertropfen bedeckt. Solange man die Innenwand nicht berührt, ist das kein Problem. Und wer schon einmal zelten war, weiß, dass sich Kondenswasser im Zelt oder unter einem Tarp kaum vermeiden lässt.






























Pro/Contra
Pro:
- super simpel aufzubauen
- alle Seiten geschlossen
Contra:
- nur 6x Heringe im Lieferumfang
Fazit
Das Front Range™ von MSR ist für mich nicht nur ein klassisches Notfall-Shelter, sondern ein durchdachter Zelt-Ersatz für Minimalisten. Der Aufbau ist selbst bei Kälte und Dunkelheit erstaunlich einfach, das Packmaß moderat und das Gewicht mit 861 g für ein vierseitig geschlossenes Shelter absolut vertretbar.
Zu viert wird es sehr eng, zu zweit ist es komfortabel, zu dritt mit etwas Optimierung gut nutzbar. Die Möglichkeit, alle Seiten zu schließen, bringt ein deutliches Plus an Privatsphäre gegenüber einem offenen Tarp.
Mit zusätzlichen Heringen und etwas Kreativität beim Abspannen lässt sich das Innenvolumen sinnvoll vergrößern. Im Winter sollte man die unteren Spalten möglichst abdichten, um Zugluft zu minimieren.
Unterm Strich ist das Front Range™ von MSR ein durchdachtes, leichtes Gruppen-Shelter für Bushcrafter, Paddler und Overnighter, die Wert auf Minimalismus legen, aber nicht komplett offen schlafen möchten. Wer maximale Wärmeleistung erwartet, ist hier falsch – wer ein vielseitiges, schnell aufgebautes Schutzdach mit Rundumschutz sucht, bekommt eine sehr interessante Lösung.
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