Ich bin vor etwa einem Jahr komplett auf Barfußschuhe umgestiegen. Der einzige Schuh, der meine Zehen danach wieder eingeengt hat, war ausgerechnet der bei der Arbeit.
Dabei ist klar: Ich will, sollte und muss in bestimmten Situationen Sicherheitsschuhe tragen.Ich bin allerdings ein pragmatischer – und zugegeben auch etwas fauler – Mensch.
Deshalb habe ich schon vor Jahren entschieden, meine Sicherheitsschuhe direkt zu Hause anzuziehen und erst wieder auszuziehen, wenn ich zurückkomme. So muss ich auf der Arbeit nicht ständig überlegen: „Brauche ich sie hier? Hätte ich sie da gebraucht? Mist, vergessen.“ Das Thema ist einfach erledigt. Zwischenzeitlich habe ich sogar angefangen, trotz meines Kodex Barfußschuhe bei der Arbeit zu tragen und je nach Situation zu wechseln. Bis mich ein Leser unter meinem Tracker Leather At Mens von Vivobarefoot Beitrag auf Baak aufmerksam gemacht hat.
Wenn du 5 von 9 Stunden draußen unterwegs bist, dann ist dein Sicherheitsschuh faktisch ein Outdoor-Schuh. Nur eben unter anderen Rahmenbedingungen (Normen, Schutzklassen etc.). Gerade beim Ansatz – viel Bewegung, draußen, Pausen im Freien – verschwimmt die Grenze zwischen Outdoor vs. Arbeit komplett.
Facts
| Thema | Info |
|---|---|
| Material | Obermaterial: Mikrofaser-Textil mit TPU-Verstärkungen (50% recycelt) Innenfutter: Atmungsaktives Sandwich-Mesh (100 % recycelt) Sohle: EVA-Zwischensohle + Gummi-Laufsohle (rutschhemmend, flexibel) Durchtrittschutz: Textil (Baak NeoShield, flexibel) (100 % recycelt) Zehenschutzkappe: Aluminium |
| Größen | 36 – 48 |
| Farben | nur so wie auf den Bildern (schwarz/grün) |
| Gewicht | 530g pro Schuh bei Größe 44 |
| Zertifiziert nach | EN ISO 20345:2024 S1PS FO HRO SR ESD |
| Sprengung | 0 mm, mit mitgelieferter Einlegesohle 7mm |
| Preis | 139,95 € |
Erster Eindruck und Verarbeitung
Ich hatte schon öfter nach Barfuß-Sicherheitsschuhen gesucht, bin aber nie wirklich fündig geworden. Der Baak Pan S1PS ist aktuell einer der wenigen echten Barfuß-Sicherheitsschuhe mit moderner Norm. Wenn man genau so etwas sucht, ist er fast konkurrenzlos. Außerdem ist der Schuh vegan, was mich besonders freut, und besteht zum großen Teil aus recycelten Materialien. Baak ist ein deutsches Unternehmen, die Entwicklung erfolgt hierzulande. Gefertigt wird der Schuh jedoch – wie in der Branche üblich – über internationale Produktionspartner.
Beim Auspacken und ersten Reischlüpfen, muss ich gestehen, war ich zunächst etwas enttäuscht. Wahrscheinlich hatte ich erwartet, dass sich der Schuh genauso anfühlt wie meine anderen Barfußschuhe.
Was bei Barfußschuhen normalerweise sofort auffällt – zumindest dem Träger – ist die sehr dünne Sohle. Man spürt Unebenheiten, kleine Steinchen oder Kanten direkt unter dem Fuß.
Beim Baak Pan ist das allerdings anders. Die Sohle ist deutlich dicker, sodass dieses typische Barfußgefühl kaum vorhanden ist. Im ersten Moment fühlt sich der Schuh dadurch gar nicht so anders an als ein herkömmlicher Sicherheitsschuh.
Das liegt vermutlich an den Sicherheitsanforderungen, die erfüllt werden müssen. Durchtrittschutz, Zehenschutzkappe und die gesamte Konstruktion bringen zwangsläufig mehr Material mit sich – und damit auch weniger direkten Bodenkontakt.
Im letzten Jahr habe ich – vor allem am eigenen Körper – gemerkt, dass ein Barfußschuh mehr ist als nur eine dünne Sohle. Genau die ist zwar das, was ich am meisten liebe, aber entscheidend sind auch andere Faktoren.

Die größere Zehenkammer gibt den Zehen mehr Platz. Dadurch können sie wieder besser das tun, wofür sie eigentlich gedacht sind: für Stabilität sorgen und uns einen sicheren Stand geben. Sie gibt den Zehen den Platz zurück, den sie für Stabilität und Balance brauchen. Die 0 mm Sprengung sorgt dafür, dass der Fuß flach im Schuh steht und sich die Haltung oft natürlicher ausrichtet.
Dadurch werden Fuß- und Wadenmuskulatur stärker gefordert, und auch die Sprunggelenke bleiben beweglicher. Das kann sich positiv auf die gesamte Körperhaltung auswirken – von den Füßen bis nach oben.
Abnutzung lässt sich damit nicht verhindern, aber man kann dem Körper wieder mehr natürliche Funktion zurückgeben und dem Verschleiß entgegenwirken – ganz nebenbei im Alltag, ohne extra Stunden für Training einplanen zu müssen. Genau das gefällt mir daran am meisten.
Und genau diese Eigenschaften bringt der Pan S1PS von Baak mit – auch wenn er beim Thema Sohlendicke nicht ganz an klassische Barfußschuhe heranreicht.
Trotzdem ist das kein Freifahrtschein, auf Sport zu verzichten.
Praxistest
Nachdem mich der erste Eindruck wieder etwas auf den Boden der Tatsachen geholt hatte, kam der nächste Morgen – ein Freitag. Und ja, als Handwerker arbeite ich da ganz normal und nicht im Homeoffice. Also rein in die Baaks und los.
Das etwas klobige Gefühl am Fuß war zunächst noch da. Sicherheitsschuhe sind nun mal größer, und die Schutzkappe liegt nicht eng an – was ja auch seinen Sinn hat.
Trotzdem fühlte sich mein Fuß direkt freier an. Die Sohle war flexibler und weicher, als ich es erwartet hatte – und vor allem deutlich angenehmer als bei meinen bisherigen Sicherheitsschuhen.
Nach einem ganzen Tag auf den Beinen, mit etwa 8.000 bis 10.000 Schritten, vielen Treppen und auch Leitern, bin ich abends aus den Schuhen geschlüpft – ohne dieses typische „endlich raus hier“-Gefühl.
Klar, komplett barfuß ist nochmal etwas anderes. Aber ich denke, du weißt, was ich meine.

Was die bessere Flexibilität angeht, kommt das eventuell auch vom patentierten Baak Go&Relax System.
Herkömmliche Sicherheitsschuhe lassen den Fuß konstruktionsbedingt direkt hinter der Schutzkappe abknicken. Dadurch werden die äußeren Zehen nicht richtig in die Abrollbewegung einbezogen und können dadurch ungünstig belastet werden.

Auf dem Bild ist der Unterschied nicht ganz so leicht zu erkennen. Das liegt unter anderem daran, dass das Obermaterial des Baak sehr flexibel ist und das Abrollen deutlich erleichtert. Beim rechten Schuh sieht man dagegen gut, wie sich das steifere Material beim Laufen zwischen Fuß und Schutzkappe schiebt. Dadurch entsteht vorne eine deutlich abruptere Kante, während der Baak insgesamt weicher und natürlicher wirkt.
Das Go&Relax System mit der asymmetrischen Zehenschutzkappe in Verbindung mit den Flexlinien im Vorfußbereich ist so aufgebaut, dass jeder Zeh beim Abrollen in die natürliche Abknicklinie einbezogen wird – denn diese ist nicht gerade, sondern leicht versetzt.
Es gibt noch weitere Details im System, die dafür sorgen, aber diese beiden Punkte sind aus meiner Sicht die wichtigsten.
Ich bin auch längere Zeit direkt im Vergleich mit beiden Schuhen gelaufen und muss ehrlich sagen: Auch wenn der Baak nicht das gleiche Bodengefühl wie klassische Barfußschuhe vermittelt, ist er für einen Sicherheitsschuh extrem bequem.

Durch das seitliche Lüftungsmesh ist der Schuh außerdem angenehm atmungsaktiv. Im Sommer ist das definitiv ein Vorteil. Im Winter könnte er dadurch allerdings etwas zu kalt werden. Da ich ohnehin immer zwischen Sommer- und Wintersicherheitsschuhen wechsle, ist das für mich kein großes Problem. Für die kalte Jahreszeit könnte ich mir deshalb gut den Pegasus S3S als Ergänzung vorstellen.
Was die Langlebigkeit angeht, kann ich nach drei Monaten natürlich noch nichts sagen. In meinen 27 Jahren als Handwerker habe ich allerdings schon viele Sicherheitsschuhe verschiedener Hersteller getragen – und alle waren nach etwa 1,5 Jahren durch.
Manche haben außen nachgegeben, was noch zu erwarten ist, aber oft auch innen. Durch Staub, tägliche Belastung und etwa 360 Arbeitstage – also rund 1,5 Jahre effektive Nutzung abzüglich Urlaub – werden die Schuhe stark beansprucht. Dazu kommt viel Laufen, Stehen, Knien, Arbeiten am Boden und häufig auch Lasten tragen.
Deshalb erwarte ich hier kein Wunder. Ich bin einfach froh, dass ich meinen Fuß nicht mehr einengen muss und meinem Körper nebenbei etwas Gutes tue.














Pro/Contra
Alle Angaben beziehen sich auf Sicherheitsschuhe, ich vergleiche keine Birne mit Äpfeln. Natürlich sind Straßenschuhe bzw. Freizeitschuhe leichter, angenehmer usw.
Pro:
- vegan
- trotz Stahlkappe sehr flexibel
- sehr atmungsaktiv
Contra:
- leider zu dicke Sohle im Vergleich zu anderen Barfußschuhen
- nicht wasserdicht
Fazit
Der Baak Pan S1PS ist kein typischer Sicherheitsschuh und auch kein echter Barfußschuh im klassischen Sinn. Er liegt irgendwo dazwischen – und genau das macht ihn interessant.
Im Alltag als Handwerker, mit viel Bewegung draußen, zeigt sich schnell: Der Fuß hat deutlich mehr Freiheit als in herkömmlichen Sicherheitsschuhen, auch wenn die dickere Sohle das reine Barfußgefühl etwas einschränkt. Dafür bringt er Schutz und ein natürlicheres Laufgefühl besser zusammen als viele klassische Modelle.
Das Go&Relax System spielt dabei eine wichtige Rolle und sorgt dafür, dass sich die Bewegung trotz Sicherheitskonstruktion überraschend rund anfühlt.
Nach mehreren Tagen im Einsatz bleibt für mich vor allem eines hängen: Der Schuh verändert nicht alles, aber er verändert genug, um ihn im Alltag wirklich zu merken.
Ob er für jeden passt, hängt stark vom eigenen Anspruch ab – für mich persönlich ist er aber ein Kompromiss, und zwar einer, der es mir ermöglicht, wieder jeden Tag mit Sicherheitsschuhen zur Arbeit zu gehen.
Alle Praxistests auf Outdoortest.info werden gemäß dem Outdoor Blogger Codex durchgeführt und sollen dem Benutzer sowohl die positiven aber auch negativen Aspekte des Produktes aufzeigen.
