Getestet habe ich die Beta AR Jacke und die Beta AR Hose vom Hersteller Arc’teryx – hochwertige Outdoor-Bekleidung für anspruchsvolle Berg- und Wetterbedingungen. Die Produkte versprechen Wetterschutz, Bewegungsfreiheit und langlebige Materialien. Im folgenden Testbericht zeige ich, wie sich Jacke und Hose in der Praxis bewähren.
Facts
| Thema | Info |
|---|---|
| Material | Jacke: GORE-TEX PRO ePE 3‑Lagen-Laminat (100D) mit recyceltem Material in Leinwandbindung, 135 g/m², FC0-DWR-Imprägnierung – 100 % Nylon mit ePE- und PU-Membran, Innenseite 100 % Nylon Hose: GORE-TEX ePE 3‑Lagen-Laminat (80D) mit recyceltem Nylon in Leinwandbindung und Innenseite aus C-KNIT™, FC0-DWR-Imprägnierung – 100 % Nylon mit ePE- und PU-Membran |
| Größen | XXS-XXL |
| Farben | Jacke: Tatsu / Olive Moss, Nightscape / Glacial, Schwarz, Glacial, Arctic Silk / Solitude Hose: Schwarz |
| Gewicht | Jacke: 395g Hose: 276g |
| Preis | Jacke: 650€ Hose: 300€ |
Erster Eindruck und Verarbeitung
Die Beta AR Jacke und die Beta AR Hose von arc’teryx hinterlassen direkt einen hochwertigen Eindruck. Besonders auffällig sind die gut verschweißten Nähte, die maximale Wasserdichtigkeit garantieren sollen, sowie das strapazierfähige GORE-TEX Pro-Material, das wind- und wasserfest ist.
Weitere Details an der Jacke wie eine verstellbare Sturmkapuze, Belüftungsreißverschlüsse und bei der Hose vorgeformte Knie und ein ergonomischer Schnitt zeigen die technische Raffinesse des Sets. Es verspricht Langlebigkeit durch hochwertiges Material und eine präzise, wertige Verarbeitung, allerdings wirkt der Stoff zunächst etwas steif.
Die Jacke setzt auf eine klassische 3‑Lagen-Hardshellkonstruktion. Dabei handelt es sich nicht um drei übereinanderliegende Jacken, sondern um drei extrem dünne Materialien, die dauerhaft miteinander laminiert sind. Nur als Verbund funktioniert das System zuverlässig.
Eine Außenschicht aus robusten Nylon mit DWR-Imprägnierung. Sie schützt die Membran vor Abrieb, Schmutz und UV-Strahlung und sorgt dafür, dass Wasser sauber abperlt. Dann die Membran (GORE‑TEX Pro), sie ist das funktionale Herzstück: wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv. Ihre Poren sind kleiner als Wassertropfen, lassen aber Wasserdampf entweichen. Nun noch die Innenschicht aus dünnem, laminierten Nylon. Sie schützt die Membran von innen und sorgt für angenehmen Tragekomfort. Arc’teryx beschreibt ihn als „leichtes, strapazierfähiges Futter“.
Das gleiche 3‑Lagen-Prinzip kommt auch bei der hier getesteten Hose zum Einsatz.
Praxistest
Die letzten Jahre meiner Pilgerwanderungen war ich bisher mit einem Regenponcho unterwegs, suche jedoch seit geraumer Zeit nach einer Alternative, da beim Poncho, wenn es windig ist, die Hosenbeine teils freiliegen und mit der Zeit nass werden. Zudem nässen auch die Ärmel durch, da ich gerne mit Stöcken laufe und das unter dem Poncho etwas mühselig ist. Deshalb bin ich bei diesem Produkt angekommen. Ich habe die Beta AR Jacke und die Beta AR Hose von arc’teryx für meine mehrtägigen Pilgerwanderungen, bei Regen, Wind und kühlen Temperaturen getestet.
Die Jacke ist recht dünn. Sie dient nur als Schutz vor Nässe und Wind. Darunter trage ich meine übliche Wanderbekleidung. Der Stoff mit abgedichteten Nähten und DWR-Beschichtung wirkt etwas steif, doch hält er zuverlässig Wind und Wetter ab. Die gut gängigen verschweissten Reissverschlüsse halten mit. Der Hersteller verspricht durch den GORE-TEX-Pro-Stoff Langlebigkeit des Materials und bisher konnte ich im stark beanspruchten Bereich der Rucksackträger keine nennenswerte Abschabung oder Materialundichtigkeit feststellen. Da die Jacke eine gewisse Steifigkeit und Gewicht aufweisst, ist sie nicht gut komprimierbar und relativ schwer für ein minimalistisches Rucksackpacken.
Unter Regenkleidung kommt man bei Wanderungen gerne ins Schwitzen. Hierbei wird Abhilfe geschaffen, mittels eines ca. 30 cm langen Zwei-Wege-Reißverschlusses, welcher von der Flanke des Oberkörpers bis Oberarmunterkante geöffnet werden kann. Somit ist spürbar und ausreichend Luftaustausch gewährleistet.
Die Beta AR Jacke bietet neben den beiden Reißverschlusstaschen an der Vorderseite noch eine Tasche an der Innenseite. Sollte der Wind einmal zu stark sein, kann die Jacke im unteren Bereich durch ein Zugband enger geschnürt werden. Ebenfalls kann die Kapuze durch Zugbänder enger gestellt werden, bzw. ein vertikales Zugband nimmt die geräumige Kapuze auch soweit zurück, dass das Mützenschild nicht ganz so tief in das Gesicht reicht. Die Kapuze würde auch genügend Raum bieten um einen Helm darunter zu tragen. So ist diese Jacke ebenfalls für Radfahrer sehr gut geeignet.
Der Kragen schließt sehr hoch, die Kapuze kann tief in das Gesicht gezogen werden um so bei stärkerem Regen und Wind das Gesicht zu schützen. Der Kragen hat an der Innenseite kein Fleece o.ä. eingenäht, sondern liegt direkt mit dem Gore-Tex direkt auf der Haut. Das ist im ersten Moment etwas kühl und „hart“, kann aber durch einen Schlauchschal oder das Schließen der darunter liegenden Wanderjacke umgangen werden. Lediglich im Nacken und zur Reissverschlussabdeckung wurde ein weicherer Stoff übergenäht. Die Ärmel sind lang genug um auch die Hände darin einzuziehen. Die Armabschlüsse können mittels Klettband enger fixiert werden. So ist auch hier dem Eindringen von Wind und Nässe Einhalt geboten.
Die weiße Farbe der Jacke könnte ein Thema werden bzgl. Verschmutzungen. Jedoch habe ich bisher alle Verschmutzungen nahezu rückstandsfrei wieder entfernen können.












Die Beta AR Hose empfinde ich vom Stoff her nicht ganz so steif wie die Jacke, obwohl diese ebenfalls aus langlebigem GORE-TEX-Pro-Stoff gefertigt ist. Die Hose hat außen im unteren Bereich der Beine verstärkte Abriebzonen, die die Langlebigkeit unterstützen. Nicht zu unterschätzen, da hier u. U. die Hosenbeine häufig aneinander reiben. Seitliche Belüftungszips an der Oberschenkelaußenseite unterstützen bei Bedarf die Temperaturregulierung. Jedoch Vorsicht bei starkem Regen: es dringt Wasser ein, da kein Unterstoff vorhanden ist. Diese Reißverschlüsse sind daher eher als Unterstützung zu sehen, wenn man unterwegs die Hose über die Wanderschuhe anziehen möchte. So kann das Hosenbein von oben bis zu den Knien beiseitig komplett seitlich geschlitzt werden. Wenn man nun noch am unteren Hosenbein die Reißverschlüsse (ca. 20 cm) öffnet, steigt man mit etwas Geschick ganz gut auch mit Schuhen in die Hose ein, ohne viel Verschmutzung an den Innenseiten der Regenhose.
Die am seitlichen unteren Hosenbein ca. 20 cm langen Reißverschlüsse dienen auch der Weitenregulierung um den Stiefel herum. Hier ist Unterstoff vernäht, somit bleibt dieser Bereich regendicht. Am Beinabschluss kann mittels Zugband die Weite reguliert werden, um so z. B. weiter „abzudichten“ und enger stellen, was den Wasser- und Windeintritt noch etwas mehr reduzieren kann.
Wer mag, trägt die Hose mit den schmalen Hosenträgern. So ist ein Verrutschen und u. U. ständiges Hosehochziehen unterbunden. Die Hosenträger sind in der Länge verstellbar und können bei „nichtgefallen“ auch komplett entfernt werden, da diese nur eingehakt sind. An der Taille kann die Hose durch ein bereiteres Zugband bei Bedarf in der Weite reguliert werden.
Bei der Hose, gebe ich zu, hatte ich zu Beginn meine Bedenken bzgl. des Komforts beim Laufen. Ich habe es weitaus steifer und „geräuschvoller“ beim wandern erwartet, aber das hat sich nicht bestätigt. Der Stoff raschelt zwar beim gehen, aber nicht so massiv wie erwartet. Zudem ist die Hose wirklich bequem zu tragen, da der Schnitt ergonomisch gefertigt ist und man im Sitz- und Kniebereich ausreichend Bewegungsfreiheit hat.
Die Hose bietet außerdem an der rechten Oberschenkelvorderseite eine Reißverschlusstasche in Signalrot mit inliegender Schlaufe um Gegenstände z. B. mittels Karabiner sicher zu verstauen.
















Eine Frage die sich mir bei solcher Funktionskleidung stellt, vor allem in diesem Preissegement, ist die Pflege. Hier hat Arc’teryx ein sog. ReBIRD™ Programm. Säulen des Programms: ReCARE™ (Reparatur), ReGEAR™ (Wiederverkauf) und ReCUT™ (Upcycling). Zu finden auf der Firmenhomepage. Das ReBIRD™-Programm zielt darauf ab, die Lebensdauer von Arc’teryx-Produkten zu verlängern und den ökologischen Fußabdruck durch Kreislaufwirtschaft zu reduzieren.
Für die hier getesteten Produkte wird ein regelmäßiges Waschen bei max. 30 Grad mit milder Seife empfohlen, um die Membrane freizuhalten. Keine Weichspüler!
Ein weiterer Hinweis: ich hatte in der Hose, seitlich am Hosenbein festgestellt, dass wie ein kleines Stäbchen mit eingenäht wurde. Auf Nachfrage erhielt ich diese Rückmeldung:
Viele hochwertige Produkte von Arc´teryx sind mit einem RECCO®-Reflektor ausgestattet. Dieser Reflektor ist ein passives Sicherheitsmerkmal, um die Suche nach vermissten Personen in Notlagen (Lawinen, verirrte Personen) zu beschleunigen. Seit 2020 sind alle GORE-TEX Pro-Jacken und -Hosen von Arc’teryx standardmäßig mit dieser Technologie ausgestattet.
Was verbirgt sich dahinter?
- Passiv & Wartungsfrei: Der Reflektor benötigt keine Batterien, muss nicht aktiviert werden und hat eine unbegrenzte Lebensdauer.
- Technologie: Es handelt sich um eine kleine Diode mit Antenne, die ein vom RECCO-Detektor der Bergwacht ausgesandtes Radarsignal reflektiert.
- Ortung: Wenn der Reflektor von einem Detektor (Handgerät oder Hubschrauber) getroffen wird, wird das Signal zurückgestrahlt, was den Rettern hilft, die exakte Position zu bestimmen.
- Ganzjähriger Einsatz: Ursprünglich für die Lawinenrettung entwickelt, wird das System heute auch zur Vermisstensuche im Sommer (im Wald oder felsigen Gelände) eingesetzt, insbesondere in Kombination mit dem RECCO SAR-Hubschrauberdetektor, der 1 km² in 6 Minuten scannen kann.
- Integration bei Arc’teryx: Die Reflektoren sind so in die Kleidung integriert (z.B. im Kragen oder Ärmel), dass sie auch bei schweren Unfällen nicht abreißen.
Pro/Contra
Pro:
- Robustes, zuverlässig wasserdichtes GORE-TEX Pro-Material
- Ergonomischer Schnitt für maximale Bewegungsfreiheit
- Taschen an Jacke und Hose
- Diverse Zugbänder für unterschiedliche Einstellungen
- Kapuze für Helmträger geeignet
- Reflektor ist ein passives Sicherheitsmerkmal
Contra:
- Jacke etwas steif
- Nicht gut komprimierbar und etwas schwer für Minimalisten
Fazit
Die Beta AR Jacke und Beta AR Hose von Arc’teryx überzeugen durch hochwertige Verarbeitung, verschweißte Nähte und technische Raffinesse. Sie bieten sehr gute Bewegungsfreiheit und halten auch bei anhaltendem Regen zuverlässig trocken und winddicht. Besonders positiv fällt das langlebige Material, die ergonomische Schnittführung und die Belüftungsmöglichkeiten auf. Kleine Einschränkungen sind die Steifheit der Jacke und das evtl. etwas höhere Gewicht für sehr gewichtsbewusste Rucksackpacker. Insgesamt ist das Set ideal für ambitionierte Outdoor- und Bergtouren, aber auch für Radfahrer.
Alle Praxistests auf Outdoortest.info werden gemäß dem Outdoor Blogger Codex durchgeführt und sollen dem Benutzer sowohl die positiven aber auch negativen Aspekte des Produktes aufzeigen.
