Ich gebe es ungern zu, aber die besten Jahre meiner sportlichen Form sind schon ein bisschen her. Aber nach einigen Jahren Kinderzeit, Kantinenessen und Schreibtischarbeit hat mich der Ehrgeiz gepackt. Ein 5-Kilometer-Stadtlauf steht an, und ich möchte gesund ins Ziel kommen. Das Zauberwort für mich heißt „Pulskontrolle“, um mich nicht gleich bei den ersten Workouts vollkommen zu überlasten. Dafür habe ich mir die Suunto Run ausgesucht.
Facts
| Thema | Info |
|---|---|
| Material | Kunststoffgehäuse und -display, wahlweise Silikon- oder Textilarmband (getestet) |
| Farben | Black, Gray, Lime (getestet), Orange |
| Gewicht | 37 Gramm mit Textilarmband |
| Maße | Durchmesser ca. 45mm, Höhe ca. 11mm |
| Akkulaufzeit | Über eine Woche im Normalbetrieb, ca. 20 Stunden im GPS-Betrieb |
| Preis | ca. 200 EUR |
Erster Eindruck und Verarbeitung
Beim Auspacken fällt sofort auf: Suunto ist skandinavisch-schlicht und wirkt nicht prollig. Damit es nicht ganz so langweilig wird, habe ich als Gegenpol die knallige Farbe „lime“ im Test. Das Gehäuse ist robust verarbeitet und hat zwei Knöpfe und ein Rädchen. Da die Uhr symmetrisch ist, kann man sie sowohl links als auch rechts tragen. Das Armband muss erst noch passend montiert werden (bei mir waren zwei Größen zur Auswahl im Paket). Die Montageanleitung habe ich zwar nicht kapiert, aber im Internet finden sich genügend Videos zur Erklärung. Das weiche Stoffband mit Klettverschluss schmiegt sich gut an. Die Einrichtung der Uhr klappt intuitiv, und schon nach wenigen Sekunden ist die Uhr einsatzbereit. Etwas ungewohnt für mich war am Anfang, dass das Display immer dunkel ist und erst dann für ein paar Sekunden aktiviert wird, wenn man den Arm hebt. Aber das spart natürlich Energie. Der Bildschirm ist ein Touchscreen, und was dort angezeigt wird, lässt sich konfigurieren.
Auf dem Handy habe ich dazu die Suunto-App installiert, für die ich einen Account bei Suunto anlegen musste. Zum Glück lässt sich die App problemlos auf meinem auch schon etwas betagten Android-Handy installieren.
Praxistest
Laufen
Früher bin ich mehrere Halbmarathons pro Jahr gelaufen, habe die Basics noch im Kopf und auch noch ein gutes Köpergefühl. Mein Trainingsplan startet aber bescheiden mit kurzen Einheiten, um den Puls im richtigen Bereich zu halten.
Toll finde ich, wie robust die optische Pulsmessung am Handgelenk funktioniert. Dazu sind auf der Unterseite der Uhr ein paar LED-Sender und Empfänger Die Erkennung beginnt sofort beim Loslaufen (eigentlich misst die Uhr dauerhaft) und bricht auch nicht ab, wenn mal der Schweiß fließt oder es viel wackelt. Kein Vergleich mit meiner alten Uhr mit Brustgurt.
Auch für mich ein neues Feature: Die GPS-Erfassung der Strecke. Diese ist bereits nach wenigen Sekunden da und zeichnete meine Runden auf. Bei jedem geschafften Kilometer vibriert die Uhr kurz und zeigt die Zwischenzeit.
Schwimmen
Wasser war schon immer meine Leidenschaft. Im Schwimmbad zähle ich meine Runden sonst im Kopf, aber auch hier hilft mir jetzt die Suunto Run. Die Uhr ist völlig wasserdicht und zählt im Becken Züge und Bahnen, sowohl bei Brust als auch bei Kraul. Auch der Puls wird im Wasser gemessen. Schlauerweise wird im Wasser der Touchscreen abgeschaltet, so dass es nicht zu Fehlbedienungen kommt. Am Beckenrand kann man mit den Knöpfen wieder auf den normalen Modus zurückkommen. Da lässt sich die Uhr auch gut mit feuchten Fingern bedienen.
Ich habe die Uhr auch im Badesee und sogar im Salzwasser getragen, hierfür gibt es den Modus „Freiwasserschwimmen“. Dabei wird die Distanz über GPS gemessen statt über den Bahnenzähler.
Schlafanalyse
Da ich noch nie einen Schlaf-Tracker hatte, war ich darauf besonders gespannt. Ich habe die Uhr für den zweimonatigen Test nachts durchgehend getragen. Am Anfang etwas ungewohnt, denn eigentlich schlafe ich gern genau auf dem Arm. Das habe ich mir aber schnell abgewöhnt, und nach zwei bis drei Nächten waren Uhr und ich eins. Jeden Morgen kurz nach dem Aufstehen liefert die Suunto eine spannende Analyse der Schlafphasen. Für mich besonders interessant waren die Einschlafzeiten. Manchmal liegt man ja gefühlt stundenlang wach, doch die Uhr zeigt, ob es wirklich so lange war oder doch viel weniger. Beides kam bei mir vor.
Die Uhr liefert auch eine Einschätzung der Schlafqualität. Damit war ich tatsächlich nicht zufrieden. Ich hatte durchschwitzte Nächte im unklimatisierten Hotelzimmer oder auch mal eine schlechte Nacht nach zu viel Alkohol fühlte mich morgens überhaupt nicht gut. Trotzdem begrüßte mich die Uhr mit „Du bist bestens erholt“. Das passierte leider öfters im Test. Ich glaube, die Sprüche sind eher Motivation zum Sporttreiben als ein echter Messwert.
Sonstiges
Natürlich hat die Uhr noch viele weitere Features. Wenn man sich durch die Menüs schlängelt, wird man erschlagen von den 35 Sportarten (vom „Vertical Running“ bis zum Alpinskifahren) und von den Analysemöglichkeiten wie Blutsauerstoff und Trainingszustand. Manches davon habe ich ausprobiert, aber für mich war aber tatsächlich der Puls das wichtigste, und auch den Schrittzähler habe ich gern genutzt.
Sehr überraschend fand ich nach einigen Tagen Test auch noch die Batterielaufzeit: Tatsächlich hält die Uhr locker über eine Woche durch (laut Hersteller bis zu 12 Tage), ohne nachgeladen werden zu müssen. Und wenn dann doch der Akkuzustand niedrig wird, lässt sie sich in etwa einer Stunde am magnetischen USB-Ladegerät wieder vollladen.
Kurztest der Suunto App
Die Begleit-App auf dem Smartphone ist schnörkellos aufgebaut. Die Synchronisation der Daten klappt per Bluetooth im Hintergrund und blitzschnell. Die Auswertungen zu den Trainingseinheiten und dem Erholungszustand sind leicht verständlich aufbereitet. Hier kann man sich auch seine Laufstrecken übersichtlich auf einer Karte anzeigen lassen. Ich habe die App selten genutzt, muss ich gestehen.


















Pro/Contra
Pro:
- Sehr viele unterstütze Sportarten
- Präzise Messung vom Puls
- Schnelle GPS-Erkennung
- Recht kompakte Größe und niedriges Gewicht
Contra:
- Komplexe Menüstruktur
- Armband liegt zur Pulsmessung eng am Handgelenk an
Fazit
Die Suunto Run ist kein Lifestyle-Gadget, sondern eher Werkzeug. Für mich als Wiedereinsteiger mit dem konkreten Ziel „5km-Stadtlauf“ war sie genau richtig. Sie schützte mich vor Selbstüberschätzung beim Laufen, lieferte verlässliche Daten misst auch noch die Schlafdauer und die Schritte jeden Tag. Und dazu entdecke ich auch nach mehreren Wochen immer wieder noch weitere Features.
PS: Leider wurde der Stadtlauf hitzebedingt abgesagt. Aber eine schöne und sinnvolle Trainingszeit hatte ich trotzdem 🙂
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