Wenn die Wochenumfänge steigen und die Einheiten länger werden, rückt ein Thema ganz automatisch in den Vordergrund: Beinfreundlichkeit. Genau hier setzt der neue The North Face Altamesa 500 V2 an. Aber schafft ein Maximal-Dämpfer den Übergang von der gemütlichen Hausrunde auf felsige Pfade, ohne wie ein träger Klotz am Bein zu hängen? Ich habe den Schuh über Wochen durch heimische Wälder, den Bregenzerwald und die alpinen Trails rund um Meran gejagt – mit überraschenden Erkenntnissen.
Facts
| Thema | Info |
|---|---|
| Material | Nahtlos konstruiertes, leichtes Obermaterial mit zonalen Verstärkungen Durchgehende ultraleichte Dream-Stickstoff-TPU-Schaumstoff-Zwischensohle / Surface CTRL™ SC2 Gummilaufsohle |
| Größen | 35 1/3 – 43 1/3 |
| Passform | Normal |
| Gewicht | 255 g (Größe 40) |
| Sprengung | 6 mm |
| Stollen | 4 mm |
| Preis | 150 EUR |
Erster Eindruck und Verarbeitung
Der Altamesa 500 V2 ist als vielseitiger Alltags-Trailrunning-Schuh konzipiert, der Läuferinnen jedes Niveaus ansprechen soll – vom Einsteiger bis zur erfahrenen Ultraläuferin. Beim ersten Blick auf das Damenmodell fällt sofort die wuchtige Sohle ins Auge, die eine hohe Langlebigkeit und maximale Protektion verspricht. Trotz der spürbaren Materialfülle bringt der Schuh dank seines ultraleichten Dämpfungsschaums eine absolut praxistaugliche Masse auf die Waage. Seine Passform im Vorfußbereich fällt eher breit aus, vermittelt aber dennoch einen spürbar sicheren und bequemen Sitz.
Das Obermaterial setzt auf ein nahtlos konstruiertes, leichtes Mesh mit gezielten zonalen Verstärkungen. Um dem Mittelfuß spürbaren Halt zu geben, arbeitet The North Face mit zweifachen Verstärkungen aus Gurtband. Der gepolsterte Schuhkragen schmiegt sich an die Ferse an, während eine leichte, verstärkte Zehenbox im Vorfußbereich Schutz vor Wurzeln und Steinen bietet.
Die Zunge ist flach und über integrierte, festsitzende Zungenflügel direkt in die innere Staubschutzschicht eingebunden – so bleibt der Innenraum frei von Dreck und die Zunge an Ort und Stelle. Bei der Schnürung kommen spezielle Rennschnürsenkel mit gezahnten Kanten zum Einsatz, die sich im Gewebe festbeißen und ungewolltes Lockern verhindern.
Das Herzstück der Sohlenkonstruktion ist der innovative DREAM-Schaumstoff: ein mit Stickstoff injiziertes TPU-Material, das leicht, weich und widerstandsfähig ist und ein reaktionsfreudiges Abrollverhalten bietet. Die Sohle misst 36 Millimeter an der Ferse bei einer moderaten Sprengung von 6 Millimetern. Um bei dieser Bauhöhe die nötige Standfestigkeit zu garantieren, setzt die Unterfußplattform auf eine spezielle Geometrie mit einer breiten Basis. Diese Konstruktion erzeugt eine natürliche Stabilität, ohne den Bewegungsablauf künstlich zu erzwingen.
Für den Bodenkontakt sorgt die Surface CTRL SC2 Gummilaufsohle. Diese aus Biomaterial gefertigte Mischung ist auf hohe Haltbarkeit und Abriebfestigkeit ausgelegt. Mit ihren 4 Millimeter tiefen Stollen liefert sie vielseitigen Halt auf wechselnden und gemischten Untergründen.
Praxistest
Theorie und Datenblatt klingen immer verlockend, aber am Ende entscheidet der Trail. Um herauszufinden, ob der Schuh hält, was The North Face verspricht, durfte mich der Altamesa 500 V2 in den vergangenen Wochen auf verschiedenen Terrain-Profilen begleiten. Der Schwerpunkt lag dabei überwiegend auf trockenen Bedingungen, von ausgedehnten Einheiten in heimischen Mittelgebirgen und schattigen Wäldern über die abwechslungsreichen Pfade im Bregenzerwald bis hin zu steileren, alpineren Strecken in den Bergen rund um Meran.
Schon nach den ersten Kilometern auf den Waldwegen überzeugt die Dämpfung: Der stickstoffinjizierte DREAM-Schaum fängt Stöße bei 36 mm Bauhöhe butterweich ab. Gerade auf langen Schotter- und Waldpassagen schont das die Gelenke enorm. Hier zeigt sich auch schnell der Charakter des Schuhs: Er ist kein spritziger Wettkampf-Racer für schnelle Intervalleinheiten oder Temposprints. Seine Stärke liegt eindeutig im gleichmäßigen, ausdauernden Dahingleiten auf langen Distanzen, bei denen maximaler Komfort und Ermüdungsschutz zählen.
Da der Test primär bei trockener Witterung stattfand, konnte die Surface CTRL Gummilaufsohle mit ihren 4-mm-Stollen auf verschiedensten Untergründen zeigen, was in ihr steckt. Auf staubigen, leicht sandigen Wegen griffen die Stollen ohne Rutschen zuverlässig zu und vermittelten von Anfang an volle Kontrolle. Auch auf den felsigeren Trails rund um Meran bot die Gummimischung hervorragenden Halt auf trockenem Stein, sodass der Bodenkontakt selbst bei zügigeren Bergab-Passagen konstant und berechenbar blieb. Auf typischen Almwiesen im Bregenzerwald überzeugte der Grip beim Bergauflaufen ebenso wie in den Kehren bergab, während die Sohle auf leicht rutschigem Waldboden unter schattigem Blätterdach problemlos zupackte.
In Sachen Passform und Tragekomfort erweist sich der Vorfußbereich auch im Dauereinsatz als angenehm geräumig. Das gibt den Zehen selbst nach vielen Stunden auf den Beinen wohltuenden Freiraum, während der Mittelfuß fest und sicher umschlossen bleibt. Ein besonderes Plus ist die flache Zunge mit den integrierten Flügeln, die selbst bei langen Läufen nicht verrutscht und kleine Steinchen zuverlässig draußen hält. Auf eine klassische Verstau-Tasche (Lace Pocket) an der Zunge verzichtet The North Face beim Altamesa 500 V2 zwar, gleicht das aber clever durch die gezahnten Rennschnürsenkel aus. Durch die raue Textur verbeißen sich die Bänder im Knoten fest ineinander: Einmal gebunden, hält die Schleife bombenfest und lockert sich selbst auf ruppigen Trailpassagen nicht von allein.
















Pro/Contra
Pro:
- Gelenkschonend
- Sehr gute Passform für breitere Füße
- Hohe Stabilität
- Zuverlässiger Grip
- Hervorragender Langstrecken-Komfort
- Funktionale Zunge & Schnürung
Contra:
- Kein direktes Trail-Feedback
- Kein Sprinter
Fazit
Der The North Face Altamesa 500 V2 ist die Geheimwaffe für die Momenten, in denen die Trails lang werden und die Beine anfangen zu brennen. Der Dämpfungsschaum verzeiht auch nach vielen Stunden auf den Beinen unsauberes Auftreten, während die breite Basis verhindert, dass man auf technischem Untergrund wegknickt. Die Sohle packt auf Fels, Schotter und Waldboden verlässlich zu, und die Zick-Zack-Schnürung hält ohne Nachbessern durch.
Wer maximale Rückmeldung vom Boden braucht, greift zu einem flacheren Modell. Wer aber ein zuverlässiges, hochkomfortables Produkt für lange Einheiten und Ultras sucht, findet im Altamesa 500 V2 einen treuen Partner.
Alle Praxistests auf Outdoortest.info werden gemäß dem Outdoor Blogger Codex durchgeführt und sollen dem Benutzer sowohl die positiven aber auch negativen Aspekte des Produktes aufzeigen.
