Beim Bikepacking ist das Zelt fast immer der größte Brocken im Gepäck – und genau deshalb wird jedes Gramm und jeder Zentimeter Packmaß zur Entscheidung. Das Vango F10 Nexus UL 2 ist ein ultraleichtes 2-Personen-Kuppelzelt für drei Jahreszeiten, das mit 1850 Gramm zu den Leichtgewichten seiner Klasse gehört. Auf dem Papier klingt das nach dem idealen Begleiter für Mehrtagestouren mit dem Rad.
Ich habe es auf mehreren Graveltouren dabei gehabt – mit allem, was so eine Tour mitbringt: wechselndes Wetter, Nächte unter 10 Grad und der ewige Kampf ums kleine Packmaß. Vorweg: Das Zelt kann viel, hat aber ein paar Eigenheiten, die man vor dem Kauf kennen sollte.

Facts
| Thema | Info |
|---|---|
| Material | Außenzelt: 100% Polyamid Boden: 100% Polyamid |
| Materialbehandlung | silikonbeschichtet |
| Wassersäule | Außen: 3.000 mm Boden: 6.000 mm |
| Jahreszeiten | Dreijahreszeiten |
| Gewicht | 1850 g |
| Maße | Abmessungen (außen): L215 x B200 x H105cm Abmessungen (innen): L215 x B130 x H95cm |
| Packmaß | 37 x 13cm |
| Eingänge | 2 |
| Preis | 409,95€ |
Erster Eindruck und Verarbeitung
Was beim Auspacken sofort positiv auffällt: das Packmaß. Mit nur 37 cm Länge geht das Nexus richtig klein zusammen – und das schafft längst nicht jedes Zelt. Gerade beim Bikepacking, wo der Platz an Lenker, Sattel und im Rahmen begrenzt ist, macht dieser eine Wert oft den Unterschied, ob ein Zelt überhaupt sinnvoll ans Rad passt. Wer das Zelt – so wie ich – zusätzlich in seine Einzelteile zerlegt, kann es noch cleverer im Gepäck verteilen. Vor allem die Stangenlänge ist top, die passt nicht nur in den Packsack, sondern sogar in die Rahmentasche. Wer es lieber am Stück transportiert, ist auch nicht verloren: Das Zelt hat eine eigene Befestigungsmöglichkeit, um es als Sack ans Rad zu schnallen.
Schon hier merkt man, dass beim Nexus mitgedacht wurde, wenn es um den Transport geht. Genau das ist beim Bikepacking ja oft die halbe Miete.
Praxistest
Aufbau
Eine Aufbauanleitung liegt bei und ist in Einzelschritten beschrieben – farblich markiert, sodass man weiß, wo welche Stange hingehört. Grundsätzlich ist der Aufbau normal und gut machbar. Das Zelt hält seine Form schon recht gut von allein, sollte zur Stabilität aber abgespannt werden – die mitgelieferten Abspannleinen sichern es bei Wind und Wetter.


Spannend wird es bei den zwei Aufbauvarianten: Entweder lässt man Außen- und Innenzelt zusammen – das vergrößert das Packmaß, geht dafür beim Aufbau schneller. Oder man trennt beides und clipst das Innenzelt separat ein. Bei einer Tour hatten wir Regen, und da spielt die getrennte Variante ihren großen Vorteil aus: Man stellt zuerst das Außenzelt auf, schiebt alles ins Trockene und baut in Ruhe darunter weiter.
Ganz ehrlich bin ich kein großer Fan vom Stangen-Einfädeln – das geht bei manch anderem Zelt intuitiver und schneller. So ist man mit anderen Modellen teils trotzdem flotter unterwegs, was den Zeitvorteil wieder relativiert.
Das Morgen-Problem
Der größte Kritikpunkt zeigt sich morgens. Wenn das Zelt nachts von innen und außen feucht geworden ist, kommt man nicht einfach ans Außenzelt heran, um es separat trocknen zu lassen – so wie man es von vielen anderen Zelten kennt. Hier verhindern die Clips das getrennte Abbauen. Stattdessen müsste man das komplette Zelt abbauen, und genau dabei kommt man an die nasse Plane und macht alles nur noch nässer. Wer viel bei wechselhaftem Wetter unterwegs ist, sollte das im Hinterkopf behalten.
Die Gummiverbinder
Ein zweiter Punkt, der mich gestört hat: die Verbindung zwischen Außen- und Innenzelt. Hier treffen Plastikhaken auf der einen und Gummiringe auf der anderen Seite aufeinander – beim Ein- und Aushängen ein ziemliches Gefummel. Über die Zeit ist das eine spürbare Belastung fürs Material, und man kann sich gut vorstellen, dass die Gummis nach ein paar Jahren reißen. Gerade wenn man das Zelt – wie ich fürs kleine Packmaß – ständig getrennt transportiert, ist das ein berechtigtes Bedenken.
Die mitgelieferten Heringe dagegen waren gut und gaben keinen Anlass zur Kritik.
Innenraum und Klima
Aufgebaut bietet das Nexus zwei Personen ordentlich Platz, und auch alle Taschen finden noch ihren Platz im Inneren. Die zwei Eingänge sind ein echter Pluspunkt, ebenso die Netztaschen zum Verstauen von Kleinkram.



Beim Material hat mich das Zelt überrascht. Für ein Ultralight-Zelt ist die Stoffstärke angenehm hoch – und das macht sich vor allem bei Temperaturen unter 10 Grad bemerkbar. Da bleibt es deutlich wärmer als manch anderes Leichtzelt, das schnell auskühlt. Die Kehrseite zeigt sich bei der Belüftung: Die Lüftungsschlitze sind ziemlich klein, und im direkten Vergleich zu anderen Zelten kommt einfach wenig Durchluft zustande. Es wird dadurch schnell warm im Inneren, und die Wärme bleibt auch drin. Bei kalten Nächten ist das ein Segen, an milderen Abenden oder zu zweit muss man dagegen mit Wärmestau und entsprechend wenig Frischluft rechnen. Das sollte man vor dem Kauf wissen, gerade wer empfindlich auf stickige Luft im Zelt reagiert.
Ein weiterer Punkt, den man einplanen sollte: Das Zelt hat sehr wenig Vorzelt. Alles, was trocken bleiben muss, nimmt man besser mit ins Innere – selbst schmale „Arschraketen“, also Satteltaschen, haben bei mir nicht ganz unter das Vordach gepasst.
Verarbeitung und Qualität
Die Materialqualität überzeugt. Das wind- und wasserdichte Außenzelt mit 3.000 mm Wassersäule und der robuste Boden mit 6.000 mm haben auch nassen Nächten standgehalten. Die Stoffstärke ist für ein Zelt dieser Gewichtsklasse bemerkenswert und sorgt für ein wertiges, haltbares Gefühl. Einziger Schwachpunkt im Langzeitblick bleiben die Gummiverbinder, die ich als die kritischste Stelle in puncto Haltbarkeit sehe.






























Pro/Contra
Pro:
- Sehr kleines Packmaß von nur 37 cm Länge – das schafft nicht jedes Zelt
- Leicht (ca. 1.700 g) und für Ultralight angenehm robuster Stoff
- Teilbares Packsystem – Stangen passen sogar in die Rahmentasche beim Bikepacken
- Eigene Befestigung, um es als Sack ans Rad zu schnallen
- Getrennter Aufbau erlaubt trockenes Aufstellen bei Regen
- Zwei Eingänge und praktische Netztaschen
- Hält Wärme gut – Vorteil bei Nächten unter 10 Grad
- Gute mitgelieferte Heringe
- Hohe Wassersäule (außen 3.000 mm, Boden 6.000 mm)
Contra:
- Geringe Belüftung, im Vergleich zu anderen Zelten wenig Durchluft – Wärmestau an milden Abenden
- Außenzelt morgens nicht separat trockenbar – alles wird beim Abbau nässer
- Fummelige Plastik-/Gummiverbinder, fraglich auf lange Sicht
- Sehr wenig Vorzelt, kaum Stauraum draußen
- Stangen-Einfädeln weniger intuitiv als bei manchen anderen Zelten
Fazit
Das Vango F10 Nexus UL 2 ist ein leichtes, gut durchdachtes Bikepacking-Zelt mit klaren Stärken – und ein paar Eigenheiten, die man kennen muss. Sein größter Trumpf ist das winzige Packmaß: Mit nur 37 cm Länge geht es so klein zusammen, wie es längst nicht jedes Zelt schafft, und genau das macht es fürs Rad so interessant. Dazu kommen das teilbare Packsystem, die zwei Eingänge und die für Ultralight-Verhältnisse angenehme Stoffstärke, die bei kühleren Nächten klar punktet.
Auf der anderen Seite stehen die schwache Belüftung mit spürbar wenig Durchluft im Vergleich zu anderen Zelten, das fummelige Verbindersystem, das knappe Vorzelt und das Handling bei Nässe am Morgen.
Für wen geeignet? Für Bikepacker und Trekkingfans, die maximalen Wert auf geringes, teilbares Packmaß legen und oft bei kühleren Temperaturen unterwegs sind.
Für wen eher nicht? Für alle, die viel bei wechselhaftem, feuchtem Wetter zelten, auf gute Durchlüftung angewiesen sind oder viel Vorzelt-Stauraum brauchen.
Würde ich es wieder nutzen? Ja – mit Abstrichen. Für kühle Touren mit Fokus aufs Packmaß ist es eine gute Wahl, solange man mit den Eigenheiten beim Auf- und Abbau und der knappen Belüftung leben kann.
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