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Viking Anaconda Light Boa GTX

Seit meinem letzten Schuhtest von Viking, bei dem ich den Viking Medvind M für den Trailrunningbereich testen durfte, wollte ich unbedingt wieder ein Paar der norwegischen Outdoor-Schuhe testen.
Die Firma hatte mich mit dem letzten Produkt echt überzeugt und ich war gespannt, was sie sonst noch zu bieten hatten. Diesmal durfte ich den Viking Anaconda Light Boa GTX testen.
Der Schuh machte zunächst einen guten Eindruck, doch leider wurden meine Erwartungen diesmal etwas enttäuscht. Aber lest selbst…

Viking Anaconda Light Boa GTX

Facts

Thema Info
Material Obermaterial: Textil/Synthetik
Futter: Textil/Gore-Tex® Extended Comfort
Sohle/Zwischensohle: Gummi/EVA/UGC®/Michelin®
Größen 36-47
Farben Black/Silver, Huntingreen, Mid blue, Coral/Plum
Gewicht Bei Größe 36/41 300g/360g
Preis UVP: 209,95 €
HerstellerbeschreibungGefertigt aus speziellem Textil-Material und vollgepackt mit modernsten Technologien, ist der ANACONDA LIGHT ein vielseitiger, robuster und leichter Schuh.
Der komfortable Leisten und die Passform des Oberschuhs wurden speziell so entworfen, dass die Füße bei jeder Aktivität komfortabel und zugleich mit optimalen Halt im Schuh verpackt sind. Dank des verbesserten BOA® Verschlusssystems schmiegt sich der Schuh hervorragend um den Fuß und sorgt so für einen unschlagbar bequemen sowie perfekten Fit. Die Position des Verschlussrädchens wurde auf der Schuhzunge extra so gewählt, dass unangenehme Druckstellen ausgeschlossen sind.
Als eines der ersten Modelle aus Vikings Kollektion ist dieser Performance-Profi mit einem komplett neuen Sohlensystem ausgestattet und präsentiert das Ultimate Grip Concept 2.0 (UGC® 2.0) auf dem Markt. Dabei wurde das von Viking Footwear eigens entwickelte Konzept gemeinsam mit dem Gummispezialisten Michelin weiterentwickelt und optimiert.

Verarbeitung

Wie gesagt, macht der Schuh zunächst einen soliden, gut verarbeiteten Eindruck. Das Obermaterial besteht aus einem Materialmix welches sich aus Neopren (an der Fußspitze, im Fersenbereich und am unteren Bereich des Innen- wie Außenristes) und einem Kunststoffgitternetz, durch das die vom Hersteller beschriebene reflektierende Beschichtung leicht durchschimmert, zusammensetzt.
Des Weiteren ist im Schuh Gore-Tex® verarbeitet, welches ihn wasserabweisend macht (mehr dazu im Praxistest). Die Zunge besteht ebenfalls aus Neopren. Das Innenleben besteht aus einem weichen Textilgewebe, welches leider auf Fersenhöhe von einer Naht durchzogen ist, die sich von einer Seite des Schuhs bis zur anderen horizontal durchzieht. Diese Naht sollte im Praxistest Schwierigkeiten bereiten.
Die Innensohle besteht aus dem bei Sportschuhen üblichen Materialmix von Textil an der Oberseite und einem weichen Kunststoff an der Unterseite, damit der Fuß schön gepolstert ist. Zudem ist bei dem Schuh eine spezielle EVA Zwischensohle eingearbeitet, die Schläge an der Fußsohle absorbieren soll. Im Bereich der Knöchel außen prangt ein reflektierender Viking-Schriftzug.
Außen an der Ferse ist noch eine Lasche angebracht, um den Schuh schneller anziehen zu können. Das ganze haftet durch die grobstollige, robuste Michelin-Sohle gut am Boden. Bei der Sohle ist auch deutlich die Anlehnung an das Profil von Mountainbikereifen erkennbar.
Besonders erwähnenswert ist natürlich das namensgebende Verschlusssystem „Boa“, welches den Fuß durch einfaches Herunterdrücken und Drehen des Verschlussknopfes schnell sicheren Halt im Schuh gibt. Zum Öffnen muss man dann nur an dem Knopf ziehen und der feine Drahtzug löst sich sogleich.
Die verarbeiteten Materialien rechtfertigen auf jeden Fall den Preis.

Praxistest

Ich hatte den Schuh über mehrere Monate im Praxistest. Ich habe ihn sowohl bei Minusgraden als auch im Hochsommer getragen. Er wurde im Alltag, also im Büro, beim Spielen mit den Kindern und bei Waldspaziergängen und auch im Hochseilgarten getestet.
Genauso wurde er auf Wanderpfaden in Korsika und in Tirol getestet, wo er auch eine kleine Klettersteigeinlage mitgemacht hat.
Zunächst muss man sagen, dass der Schuh in jedem Fall ein absoluter „Hingucker“ ist. Ich durfte den Schuh in der Farbe „Mid blue“ testen. Das leuchtende blau mit der roten Sohle sowie das reflektierenden Material, dass die Schuhe je nach Lichteinfall zum Leuchten bringt, haben mit sehr gefallen.

In der kälteren Jahreszeit (ausgehendes Frühjahr mit teilweise Schnee) gab der Schuh gut warm und das Gore-Tex®-Material hielt den Fuß trocken. Im Alltag, gerade mit Kindern, wo man nicht immer viel Zeit hat die eigenen Schuhe zu schnüren, hat sich der Boa-Verschluss bewährt. Bei sämtlichen Wanderungen hatte ich durch die Michelin-Sohle mit dem Viking Ultimate Grip Concept 2.0 (UGC® 2.0) ständig guten Halt. Auch bei einer kurzen Trailrunningeinlage auf feuchten Bergpfaden rutschte ich nicht weg. Hier wurde der Schuh auch mehr oder weniger versehentlich einem Extrem-Test unterzogen, als ich aufgrund mangelnden Gleichgewichts mitten in einen eiskalten Gebirgsbach stapfte. Zum Glück ging mir das Wasser in der seichten Stelle nicht bis über die Knöchel, weshalb ich komplett trockene Füße behielt. Der Schuh ist also echt wasserundurchlässig.
Auch beim Klettersteig leistete der Schuh gute Dienste. Es handelt sich natürlich nicht um einen ausgesprochenen Kletterschuh, aber die gummierte Frontpartie und die über die Fußspitze weiterlaufende Außensohle gaben im Fels zusätzlichen halt. Auch die EVA Zwischensohle hat mich überzeugt: Schläge durch spitze Steine oder scharfkantige Felsen hat die Sohle „weggeschluckt“.
Die Atmungsaktivität ist ebenfalls ordentlich. An heißen Tagen wurde der Fuß zwar warm, aber ich musste nicht übermäßig schwitzen.

Der Vorteil dieses ausgiebigen Tests in allen Lebenslagen war, dass ich auch das Material über längere Zeit etwas in Anspruch nehmen konnte.
Hier komme ich nun auch zu der Schwachstelle, im wahrsten Sinne des Wortes der „Achillesferse“ des Viking Anaconda Light Boa GTX. Die vorher beschriebenen Nähte beider Schuhe im Fersenbereich lösten sich bereits nach ca. 12 Wochen. Der überstehende Stofflappen nervt und reibt bisweilen an der Ferse. Blasen hatte ich mit dem Schuh keine, aber so etwas sollte bei einem Schuh dieser Preisklasse nicht passieren, zumal die Ferse nicht wie bei Schnürschuhen, wo man doch manchmal zu faul zum Aufschnüren ist, durch Reibung belastet wird. Ich verstehe nicht, wieso hier, wie beim Viking Medvind M, das Innenmaterial vom Einstieg bis zur Sohle aus einem durchgehenden Stoffstück, ohne Naht verarbeitet wurde. Dies würde das Problem aus meiner Sicht auf jeden Fall lösen.
Des Weiteren konnte ich feststellen, dass sich in dem Bereich, wo der Schuh beim Auftreten einen Knick macht (Übergang vom Ballen zum Mittelfuß), die Gummierung bereits etwas löst, wobei dies, soweit ich feststellen konnte bislang noch keine Probleme bei der Dichtigkeit hervorgerufen hat.

Wir haben den Hersteller bzw. dessen Agentur wegen der Nähte im Fersenbereich angeschrieben und haben daraufhin folgende Info erhalten:

Der uns übersandte Schuhe war aus der Vorfertigung, sprich hier hat man der Presse die Schuhe zur Verfügung gestellt, während die regulären Schuhe erst 3 Wochen später in den Handel gewandert sind und dadurch auch einen anderen Produktionszeitraum haben. Hierbei könnte unter Umständen ein Zusammenhang mit der schwachen Naht sein.
Bei bisherigen Langzeittests ist hier bislang keine Beschädigung aufgetaucht.
Allerdings wurde auch bereits von anderen Testern mitgeteilt, dass man an der Ferse etwas herumrutscht. Einige Tester berichteten, dass der Fuß vorne passt, aber die Fersenform wiederum nicht, wodurch man hin und her rutschen kann. Dadurch könnte natürlich im Laufe der Zeit das Material aufscheuern.
Eine mögliche Ursache der Beschädigung könnte also auf eine nicht 100%ig passende Fersenform zurückzuführen sein.

Auch wenn man natürlich vor dem Kauf von Schuhen diese zur Probe anzieht, empfehlen wir es hier bei diesem Modell von Viking besonders, da durch einige Tests bekannt ist, dass man an der Ferse rutschen kann.

Pro / Contra

Die Vielseitigkeit ist ganz klar die Stärke des Anaconda Light, ebenso das Boa-Verschlusssystem, welches selbst unser Zweijähriger mittlerweile spielend beherrscht.
Das Design ist in jedem Fall auch ein Plus für mich, wobei das natürlich Geschmackssache ist.
Die Sohle mit ihrem UGC-Grip und der EVA-Stoßabsorbierung sei hier auch nochmals positiv erwähnt.

Allerdings muss ich dem Schuh eindeutig einen Abzug im Bereich der Verarbeitung des Innenlebens geben. Auch wenn ich die Schuhe sonst klasse fand: Das Fersenproblem sollte eigentlich nicht vorkommen. Auch das Ablösen der Gummierung gibt ein Minus.

Fazit

Der Schuh ist ein echter Allrounder.
Trotz seiner Schwächen liebe ich ihn immer noch (Liebe macht ja bekanntlich blind.) Wenn Viking diese kleine Schwächen noch ausbügeln würde, könnte ich den Schuh ohne weiteres denjenigen empfehlen die einen Outdoor-Schuh für alle Fälle suchen. In diesem Fall wäre der Preis auch gerechtfertigt.

Dieses Produkt wurde uns vom Hersteller zur Verfügung gestellt, was jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt und das Fazit dieses Tests hat. Alle Praxistests auf Outdoortest.info werden gemäß dem Outdoor Blogger Codex durchgeführt und sollen dem Benutzer sowohl die positiven aber auch negativen Aspekte des Produktes aufzeigen.

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