Hundetauglich Radfahren

Erlebnisbericht Alpe-Adria-Radweg mit dem eBike

Erlebnisbericht Alpe-Adria-Radweg mit dem eBikeAnfang Juli 2020 kam im WDR die Reisesendung „Wunderschön“.
Zunächst schaute ich sie beiläufig, weil Radfahren für mich nicht so weit oben steht auf der Urlaubsaktivitätsliste. Aber die Aufnahmen waren wirklich schön und Berge sind für mich ja immer ein Sehnsuchtsmagnet.
Je länger ich die Sendung sah umso eher konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, die Berge einmal auf diese Weise zu erkunden. Und das Ziel – das Meer – ist natürlich ein Hammer-Ziel.
Nach wenigen Tagen war der Gedanke zu einem Entschluss geworden und es hatten sich auch 2 ebenso verrückte Mitstreiter gefunden.

Die Umsetzung

Als der Entschluss gefallen war und klar war, dass dafür nur eine Woche im August aus urlaubsplanerischen Gründen in Frage kam, hatten wir also genau 3 Wochen um alles auf die Beine zu stellen. Das war einiges, zumal keiner bislang so eine Radreise unternommen hatte.
Wir waren uns gleich einig, dass wir alles selbst organisieren wollten. Da gab es einiges zu tun. Vor allem, weil für mich klar war, dass meine Fellnase Malou mit uns reisen, ich korrigiere, radeln wird.
Das bedeutete sowohl im Vorfeld als auch auf der Reise einiges an Mehraufwand. Aber das war es wert.

Wir, 3 Erwachsene, teilten uns auf und so wurde mit dem Tourismusverband Salzburg Kontakt aufgenommen, ob die Tour mit Radanhänger überhaupt machbar, also überall passierbar ist. Nachdem die Antwort positiv ausfiel, ging es Schlag auf Schlag weiter.
Es wurden alle Unterkünfte in Pensionen oder einfacheren Hotels mit Frühstück gebucht. Zum einen, weil wir alle gerne ein festes Etappenziel haben wollten, wenn wir den ganzen Tag unterwegs sind. Zum anderen empfiehlt es sich mit Hund schon, im Vorfeld eine Unterkunft zu haben, wenn man nicht abends dann länger suchen möchte.
Anfragen, wie es mit der Tauernschleuse mit Anhänger, Rädern und Hund ist wurden ebenfalls positiv beantwortet. Überraschenderweise kosteten Anhänger und Wautz keinen Aufpreis.
Der Rücktransport stellte uns zunächst auch vor eine Aufgabe. Es stellte sich aber schnell heraus, dass die Region auf Radler eingestellt ist und es einige Shuttle-Angebote gibt, die einen von Grado wieder an den Startpunkt bringen.

Die Ausrüstung

Wir haben uns alle drei für Touren-eBikes entschieden, die wir alle privat ausgeliehen haben. An dieser Stelle erstmal ein dickes Dankeschön an Wolfgang, Diana und Jens.
Dazu nahm jeder zwei Hinterradgepäcktaschen, einen Packsack bzw. eine Gepäckträgertasche und eine Lenkertasche. Für den Hund gab es noch einen Packsack mit dem Nötigsten (Futter portioniert abgepackt, Leckerlis, 1 Hundehandtuch, Bürste, 1 Spielzeug, Hundekottütchen).
Wir haben versucht uns mit den mitgeführten Sachen zu beschränken. Ein zweites Paar Schuhe, Kleidung für den Abend, alles einmal in Warm und einmal für Kalt und dann einmal Ersatz für alles. Dazu noch etwas Proviant, Sonnencreme, Werkzeug, Reparaturset, Erste-Hilfe-Päckchen, Waschzeug, etc.)

Die Anfahrt

Wir sind hier im Stuttgarter Raum um 13 Uhr am Dienstag, 04.08.2020 gestartet und eigentlich hatten wir uns noch auf einen chilligen Spätnachmittag in Salzburg gefreut. Wir hatten uns extra eine schöne Unterkunft mit Biergarten außerhalb von Salzburg gesucht, damit wir auch noch schön mit dem Hund gehen können. Leider dauerte die Anfahrt 10 Stunden (!), weil die A8 wegen Hochwasser gesperrt war. Anstatt Biergarten und Schloss Hellbrunn wartete auf uns um 22.30 Uhr in Elsbethen nur noch das Bett.
Das fängt ja gut an.

Es geht los (ich habe die Tagesetappen mit der App komoot aufgezeichnet. Für die Kilometer und Höhenangaben aus der App gibt es keine Gewähr auf Richtigkeit).

1. Etappe Salzburg-Werfen 56 km und 870 Hm im Aufstieg

Am Mittwoch starteten wir nach einem guten und gemütlichen Frühstück um 09.30 Uhr endlich. Es war bewölkt und noch etwas kühl, aber immerhin war es trocken.
Wir brauchten ein wenig, bis das Equipment verstaut war, war ja auch das erste Mal, aber dann ging es los entlang der Salzach. Diese war schmutzig grau wegen des Hochwassers und sie führte viel Treibholz mit sich. Gerade an den Wehranlagen waren das beeindruckende Wassermassen.
Es war kaum Betrieb auf dem Radweg. Er war gut beschildert. Leider in grün mit weißer Schrift, ebenso wie in Österreich innerorts die Hinweisschilder für Ärzte, Apotheken, etc. Das machte es manchmal etwas anstrengender, die Schilder an Kreuzungen zu entdecken. Ansonsten ist der Alpe-Adria wirklich sehr gut beschildert. Auch Radservice-Stellen sind angeschrieben.

Gegen Mittag machten wir einen Stopp in Golling und machten die kleine Wanderung entlang des Wasserfalls. Für Malou war das eine schöne Abwechslung und die Gelegenheit sich die Beine ausgiebig zu vertreten. Wasserfeste Kleidung oder ein robustes Gemüt sind erforderlich, denn die Gischt wabert durch die Luft und auf dem Steg, der über den Wasserfall führt wird man ganz schön nass.

Der erste Tag lief recht gemütlich an. Auf „eco“ fuhren wir immer flussaufwärts entlang der Salzach. Leider entging uns in Golling an der Salzach, dass wir plötzlich dem falschen Fluss folgten und so machten wir gleich am ersten Tag unseren ersten Umweg von 20 km entlang der aber ebenso schönen Lammer. Es sollte nicht der letzte auf dieser Tour sein.

Im Vorfeld hatte ich mir ziemliche Gedanken gemacht wie stressig es werden könnte mit dem Hundeanhänger bei dieser Tour.
Zum einen für den Hund natürlich. Aber da konnte man ja recht individuell mit ausreichend langen und spannenden Pausen Abhilfe schaffen.
Aber auch für mich, wenn die Route immer wieder auf der Straße oder gar durch Ortschaften und Städte führt. Meine Sorgen waren völlig unbegründet. Mein Wautz hat es ganz wundervoll gemacht und den Hänger als sein Nomadenzuhause angesehen. Außerdem war es bei der Hitze der kommenden Tage mit Sicherheit der komfortabelste Platz mit Schatten, weicher Unterlage und feucht gekühlter Fahrtluft.

Durch die Wegführung durch die Orte und auch sonst war die Belastung durch den Straßenverkehr echt gering. Und so gut es ging genossen wir die Fahrten durch die kleinen Orte, die Seitenstraßen und über die vielen Brücken.
Die Berge rückten immer näher. Faszination und auch eine gehörige Portion Respekt waren dabei als sie immer größer wurden. Denn natürlich hatten wir die eBikes dabei. Aber da meine Ladung selbst auf der Ebene kontinuierlich Akkuleistung fraß galt es möglichst Akkuschonend zu fahren und eben viel und locker zu strampeln.

Kurz nach unserem Verfahrer ging es dann auch das erste mal richtig bergauf auf den Pass Lueg. Ich hatte die dicken Steigungspfeile auf der Karte wohl nicht so ganz wahrgenommen, denn ich war einigermaßen verblüfft, wie lang und am Ende auch richtig steil mit 14% es da hoch ging.
Das hatte schon was richtig alpines! Links und rechts ragten die ersten Berge in unmittelbarer Nähe auf und wir mitten drin und selbst hoch gefahren. Das ist schon etwas ganz anderes als mit dem Auto.
Die anschließende Abfahrt war schön und wir genossen es sehr. Selbst wenn die Strecke direkt auf der Bundesstraße verlief gab es einen Radstreifen. Dieser war zumindest so breit, dass ich mit dem Anhänger gerade so drauf passte und die Autos ungehindert vorbei fahren konnten.
Das nahm mir zumindest einiges an Anspannung weg. Außerdem hatten wir uns darauf geeinigt, dass ich mit dem Anhänger tempoangebend voraus fahre. Das hatte gerade auf den Straßen auch den Vorteil, dass ich als breitestes Gefährt nicht ganz hinten fuhr und die Autos so nach und nach genug Abstand hielten. Das hat sich sehr bewährt.

Zu Burg Hohenwerfen ging es dann nochmal wenn auch nicht steil aber anhaltend bergauf. Unsere Unterkunft lag direkt am Radweg und der Salzach und war sehr gut eingerichtet. Die Gastgeber waren unheimlich freundlich und unsere Räder und wir bekamen ein gutes Plätzchen.
Leider hatte von A. der Computer des eBikes nach der Burg Hohenwerfen ausgesetzt, so dass sie keine Unterstützung mehr hatte. Mit 12 kg Gepäck selbst auf der Ebene oder bergab kein Vergnügen.
Beim Versuch das Problem zu beheben, tat es wieder von selbst. Das Problem begleitete uns aber täglich immer mal wieder, meist tat der Computer nach wenigen Minuten wieder. Vermutlich war ein Kontakt verschmutzt oder feucht und so erkannte der Computer nicht dass wir fuhren und schaltete ab. Ist halt Elektronik. Mitgehangen-mitgefangen.
Ich hatte am ersten Tag Probleme mit einschlafenden Fingern und der untere Rücken schmerzte ziemlich. Zudem hatte es in der Halswirbelsäule „gebitzelt“, die unfallbedingt vorgeschädigt ist. Das konnte ja heiter werden die nächsten Tage. Aber gut einschmieren und ein wenig massieren half recht gut.
Unseren Gesäßen und Oberschenkeln ging es gut. Abgesehen vom Pass und Burg Hohenwerfen war es ein munteres auf und ab entlang der Salzach ohne nennenswerte Steigungen. Wir konnten uns ein sehr leckeres Essen in der Gaststube und legten uns dann zu unserer ersten Nacht nieder.

Erlebnisbericht Alpe-Adria-Radweg mit dem eBike

2. Etappe Werfen-Bad Gastein 52 km 970 hm

Nach einer erholsamen Nacht und einem sehr guten und reichhaltigen Frühstück starteten wir heute bereits bei Sonnenschein am Morgen.
Eigentlich hatten wir auf dem Plan gehabt, Kaiserschmarrn auf der Alm „Aussicht“ zu genießen. Aber es war ein wenig ungünstig. Direkt nach dem Frühstück zum Kaiserschmarrnessen zu starten erschien uns zu schade für den Kaiserschmarrn. Außerdem war das Ziel einige Höhenmeter höher und wir wollten nicht mit so einem Zeitverzug gleich zu Beginn starten. Also ließen wir ihn sausen und machten uns auf unsere Route.
Es ging entspannt und gut gelaunt weiter an der Scharzach entlang. Auf einer großen Kiesbank machten wir Pause. Malou hatte riesigen Spass über diesen vom Hochwasser aufgeweichten Kies zu flitzen und konnte sich richtig auspowern.
Die Wegführung zwang uns ab und zu zum Anhalten um einen Blick auf die Karte zu werfen, aber insgesamt war auch dieser Tag gut beschildert.
In Schwarzach im Pongau mussten wir dann die Entscheidung treffen, ob wir mit den Rädern durch den Klammtunnel fahren wollen oder nicht. Im Radführer ist er als verkehrsreich und sehr laut beschrieben. Mit Anhänger und Hund bei einer Länge von gut einem Kilometer waren wir uns unsicher. Aber da wir sowohl auf dem Radweg als auch auf den Straßen bislang kaum Verkehr hatten wagten wir es. Vor lauter Tunnel ist uns auch heute entgangen, dass davor zahlreiche Steigungspfeile unsere Route zierten. Immerhin in beide Richtungen.
Es ging ca. 200 hm am Stück den Berg hinauf bis zu einem Ausgleichsbecken. Jetzt waren wir mitten auf den Almen und die Aussicht, vor allem wenn selbst erstrampelt, war genial!
Den Großteil der Steigung strampelte ich auf Eco weiter, erst gegen Ende nahm ich dann doch kurz Trail dazu, weil der Anhänger gefühlt ein Loch in den Boden zog.
Egal, wunderschöne grüne saftige Wiesen und Weiden vor strahlend blauem Himmel und dazu. Und die Abfahrt danach hinunter nach Klamm war bei dem Panorama ein wahres Vergnügen. Da wollten wir vor lauter Staunen und Genießen gar nicht schnell fahren.
Vor dem Klammtunnel machten wir nochmals eine Pause und vertraten uns die Beine ein wenig entlang des gesperrten Klammsteigs. Dann ging es in den Tunnel. Es war halb so wild. Der Rad- und Fußweg ist leicht erhöht und mit einer kleinen Betonmauer und Geländer von der Fahrbahn getrennt. Wir waren also nicht Teil des fließenden Verkehrs. Allerdings war es doch gewaltig laut vor allem als LKWs und ein Baustellenfahrzeug an uns vorbei rauschten.

In Hofgastein hielten wir nochmal an, weil ich etwas Bedenken hatte, dass mein Akku bei den 18% Steigung zu unserem Tagesziel in Bad Gastein nicht reichen könnte. Wir durften in einem Hotel unsere Akkus laden und saßen solange gemütlich in der Lounge.
Dann ging es bergauf. Aber hallo! Nicht nur kurz, sondern ganz schön lange und steil. E-Bike hin oder her wir haben ordentlich geschnauft und waren richtig froh, als wir endlich am Wasserfall und dann in unserer Unterkunft ankamen. Da es ganz schön spät war konnten wir unser Highlight – den Flying Fox über den Wasserfall – nicht mehr machen. Das war wirklich schade. Und da er morgens so spät öffnete war das keine Alternative.
Leider war Bad Gastein, ein ehemals elitärer Urlaubsort der Reichen in allen Belangen für uns ein Reinfall. Unsere Unterkunft war eine Katastrophe. Alt, runtergekommen und vor allem ungepflegt und stinkig. Nach einer kurzen Dusche wollten wir unser wohlverdientes Abendessen in einem Lokal einnehmen, aber auch hier hatten wir kein Glück. Teils gut, teils furchtbar in geschmacklosem Ambiente und auch hier war der Geruch…naja. Egal. Wir waren satt und überstanden auch diese Nacht irgendwie.

Erlebnisbericht Alpe-Adria-Radweg mit dem eBike

3. Etappe Bad Gastein-Spittal 70 km 750 hm

Auch dieser Tag begrüßte uns mit zarten Schleierwolken und Sonnenschein. Wir waren froh, dass wir diesen Ort verlassen konnten und auch, dass wir den steilen und langen Anstieg bereits gestern hinter uns gebracht hatten.
Bevor wir aber unsere Tagesetappe antraten gönnten wir uns einen Ausflug auf den Stubnerkogel. Das Gepäck konnten wir freundlicherweise noch in der Unterkunft lassen und so fuhren wir mit der Gondel auf den 2246 m hohen Stubnerkogel.
Malou durfte bei Einhaltung des Mindestabstands ohne Maulkorb mitfahren. Da waren wir echt froh. Oben angelangt konnten wir einen herrlichen Rundumblick unter anderem auf den Großklockner genießen. Zudem wartet dort oben eine 140 m lange Hängebrücke auf den Besucher. Natürlich wackelte ich mit Malou darüber, d.h. ich wackelte ziemlich, weil ich den Wautz wegen des Gitterbodens auf dem Arm hatte.

Unten wieder angekommen wurde es höchste Zeit unsere Tour anzutreten. Sie begann nach wenigen Kilometern mit einem weiteren Highlight: der Tauernschleuse.
Das ist eine Zugverbindung durch den Berg, bei dem alles verladen wird, weil es keine Straßenverbindung nach Mallnitz gibt. Wir fuhren vorbei an der PKW-Schlange, kauften unsere Tickets, schoben unsere Karawane über den Bahnsteig und konnten ohne Wartezeiten direkt ebenerdig in den Zug schieben. Da wir das Abteil für uns hatten und wenig los war, konnten wir bei den Rädern und dem abgehängten Anhänger bleiben. So ging es mit der Bahn für ca. 15 Minuten quer durch den Gebirgszug und wir erblickten in Mallnitz wieder die Sonne. Schon cool!
Dann kam die Hammerabfahrt. Leider ist die Alternativroute fern der Straße ab 2020 wegen Bauarbeiten gesperrt. Wir hatten aber Glück – so wie auf der gesamten Reise – und wurden vielleicht von 5 Autos auf der gesamten Abfahrt überholt. Die Aussicht und der warme Fahrtwind im Gesicht waren herrlich! Wegen des Anhängers konnten wir nicht rasen und so genossen wir eben in vollen Zügen die 500 Hm dauernde Abfahrt.

Es war zwischenzeitlich wirklich schon sehr warm. Je tiefer wir kamen umso mehr. Jetzt wurde das Tal breiter und flacher und wir radelten in der Sonne entlang der Möll. Ein munter vor sich hin plätschernder Fluss mit einer schönen Farbe. Wir machten in einer wunderschönen Gartenwirtschaft Mittag und genossen die Pause bei der Hitze.
Die Barbarossaschlucht ließen wir nach den Erfahrungen der letzten Tage, was die Dauer unserer Etappen anbetraf, aus, zumal es wirklich sehr warm war. An einer mietbaren Ackerfläche machten wir nochmals Halt und ich wäre beinahe unverhofft baden gegangen, weil der Boden im Bach komplett sumpfig war.
Wir waren entspannt und dachten, wir hätten abends tatsächlich noch Zeit für einen Ausflug, bis wir genau hinsahen und feststellten, dass unsere Unterkunft ziemlich außerhalb und vor allem oberhalb lag. Es ging also am Ende nochmals einige Kilometer und 250 hm bergauf! Dafür wurden wir mit einem herrlichen Biobauernhof mit toller Aussicht und einer wundervoll friedlichen Stimmung belohnt.
Das Abendessen auf der Terrasse zwischen den Hofkatzen und dem Kräutergarten und alten Bäumen war ein Traum. Bei Kaiserschmarrn und einem Glas Aperol ließen wir den Tag ausklingen. Der Empfehlung des Gastgebers folgend machten wir noch einen Abendspaziergang zum Haussee, dem Egelsee. Das ist ein wunderschön auf der Höhe gelegener Moorsee. In Gesellschaft von Fledermäusen und Mücken ging die Sonne unter und wir fielen wieder bald ins Bett.

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4. Etappe Spittal-Arnoldstein 64 km 550 Hm

Nach einer guten Nacht konnten wir unser Frühstück wieder auf der Terrasse einnehmen. Auch hier waren die Leute so unheimlich nett zu uns.
Ich hatte meinen Morgenspatziergang mit Malou nochmals zum Egelsee gemacht und wurde mit Nebelschwaden über dem schwarzen See belohnt.
Nach einer ziemlichen kühlen Bergabfahrt ging es an der Drau entlang. Diese ist breiter, meist gestaut und grauer als die Möll. Es ging über flache Felder und war noch ein wenig heißer. Selbst hier bei Villach gab es kaum Leute und wir hatten uns schon seit Tagen gefragt, warum so wenig los war, trotz Corona.
Als wir mit einer Seilfähre ohne Motorbetrieb fuhren lüftete sich das Geheimnis über die fehlenden Radler: wir waren an einem antizyklischen Tag gestartet. Da die meisten Radler am Samstag, Sonntag oder Montag starteten und wir am Mittwoch fuhren wir also vor oder hinter den anderen, jedenfalls war es herrlich, den Radweg weitestgehend für sich zu haben!
In Villach hielten wir in der Fußgängerzone und machten dort Mittag. Am Ortsausgang von Villach bogen wir dann ins Gailtal ab. Hier wurde es irgendwie mediterraner. Der Boden sandiger und die Kiefernbestände nahmen zu.
Wir machten Pause an der Gail und konnten die Füße in den ziemlich eisigen Fluss strecken. Da wir in Tarvis keine Unterkunft am Wochenende bekommen haben, war unser Tagesziel bereits in Arnoldstein. Gleich in einer Parallelstraße zur Route war unsere Unterkunft. Eine bereits ganz typische italienische Unterkunft mit Pizzeria. Einfach aber sauber und mega lecker. Leider auch mit typisch italienischer Geselligkeit bis spät in die Nacht.

Erlebnisbericht Alpe-Adria-Radweg mit dem eBike

5. Etappe Arnoldstein-Tricesimo 133 km 1180 Hm

Nach einer etwas kurzen Nacht gab es wieder ein tolles Frühstück. Dann nix wie los, denn heute wartete unsere längste Etappe mit geplanten 98 km bei schon morgens warmen Temperaturen und es sollte heiß werden.
Wir passierten bald wie geplant die italienische Grenze. Man merkte sofort, dass hier die Radwege etwas anders beschildert waren. Nennen wir es spartanischer und an die andere Farbe musste man sich ja auch erst gewöhnen.
In Tarvis wurden es dann auch deutlich mehr Radfahrer. Der Radweg war wie eine kleine Straße mit Seiten- und Mittelstreifen und es war echt viel los. Wenn es jeden Tag so gewesen wäre wie an diesem Sonntag, hätte die Tour nur halb so viel Spass gemacht. Wir fuhren und fuhren, machten noch auf einer Blumenwiese einen Boxenstopp für den Hund und dann blieben wir vor dem Schild „Slowenia“ erstaunt stehen. What????
Davon war im Radführer keine Rede. Wir schauten und waren uns sicher, an einer Kreuzung in Tarvis, an der wir noch diskutierten, dass es merkwürdig beschildert sei, waren wir falsch abgebogen. 25 km Umweg! Mist, und das heute, wo es eh so weit ist. Also zurück.
Dann ging es etwas mürrisch weiter, durch den Radzähler kurz nach Tarvis und dann auf die alte Bahnstrecke. Abfahrt Richtung Udine. Darauf hatten wir uns schon sehr gefreut. Es war wirklich toll!

Entlang des Tagliamento, der eine herrliche helltürkise Farbe hatte ging es abseits der Straße bergab. Immer wieder vorbei an verfallenen Bahnhöfen und über urige rostige Zugbrücken. Wirklich beeindruckend. Es war so heiß, dass einem ständig ein heißer Wind entgegenschlug. Der war so stark, dass wir auch bergab treten mussten, zumal uns dank des Umweges etwas die Zeit davon lief. Egal.
Wirklich witzig und bei der Hitze eine willkommene Abwechslung waren die vielen kleinen Tunnel. Dort war es herrlich kühl, teilweise aber stockdunkel. Das war wirklich schön. Trotz geringer Zugangsmöglichkeiten haben wir es auch geschafft doch noch eine Pause direkt am Tagliamento zu machen. Das Wasser ist herrlich frisch und klar und wir fanden ein Schattenplätzchen am Ufer um Nüsse, Energieriegel, luftgetrocknete Salami etc. zu essen.
Unterwegs hielten wir an dem legendären Cafe am Bahnhof Cuisaforte. Erstens weil es kultig ist und zweitens weil klar war, dass zumindest mein Akku die Tagesetappe nicht übersteht. Also luden wir eine halbe Stunde. Müsste reichen. Also ging es weiter. Da heute nicht nur auf den Radwegen sondern auch auf der Bundesstraße im Tal so einiges los war, waren wir froh, dass wir inzwischen erfahrene und routinierte Straßenradler waren, denn da war schon echt viel Verkehr. In Venzone machten wir trotz der noch bevorstehenden Kilometer Halt. Denn zum einen war es wirklich brütend heiß und einigen von uns ein wenig übel von der Hitze. Und zum anderen wurde Venzone nach zwei großen Erdbeben im vergangenen Jahrhundert anhand von alten Fotografien wieder zusammen gepuzzlet und das wollten wir uns genauer ansehen.
Aber selbst dafür war es zu heiß. Wir setzten uns mit einem super leckeren Gelato in einen ruhigen Hinterhof und genossen unsere Pause. Dann ging es weiter. Irgendwie schien der Tag kein Ende zu nehmen und wir fuhren und fuhren und die Akkukapazität nahm immer mehr ab. Es hätte theoretisch reichen können, aber bei 8% Restakku schaltete er sich aus. Ende der Fahnenstange aber noch 10 km bis zum Ziel.

Also hieß es Zähne zusammen beißen und mit Gepäck und Hänger in einem immer wieder etwas hügeligen Gelände die letzten Ortschaften bis zur Unterkunft zurück legen. Alles was ging bin ich gefahren. Am Berg habe ich ohne Hund im Hänger geschoben und einige Steigungen wurde ich von meinen Mitfahrern geschoben, solange deren Akkus noch hielten. Das ist echt nichts was man braucht!
Um 21.30 Uhr kamen wir ziemlich erledigt nach 133 km endlich an! Auch hier haben uns die Gastwirte schon erwartet und umsorgt. Wirklich überall sehr hilfsbereite Menschen.
Die Dusche war genial und wir schafften es sogar noch uns aufzuraffen und im Ort zur Pizzeria zu gehen. Hat sich gelohnt. War echt lecker. Leider funktionierte die Klimaanlage nicht, daher war es eine sehr heiße Nacht.

Erlebnisbericht Alpe-Adria-Radweg mit dem eBike

6. Etappe Tricesimo-Grado 83 km 440 Hm

Der letzte Tag unsere Route begann bei wieder strahlendem Sonnenschein und wir durften unser Frühstück im Freien in einer Art Park vor dem Hotel einnehmen. Eine wirklich sehr coole Kulisse.
Nachdem wir die Berge endgültig hinter uns gelassen und uns einigermaßen von den Strapazen des Vortages erholt hatten starteten wir unsere letzte Etappe.
Eigentlich hätten es nur 50 km sein sollen, aber da wir vor Udine übernachtet hatten, wurde es heute nochmal etwas mehr. Egal. Wir hatten den ganzen Tag dazu Zeit.
Landschaftlich war es im Gegensatz zu den letzten Tagen eher ruhig. Flaches Land, Wiesen, Weinanbau, Bewässerrungskanäle…..wir schielten immer wieder zu den Sprenkelanlagen aber keine lag so, dass wir mit den Rädern geschickt hätten durchfahren und uns erfrischen hätten können.
So langsam wurde auch die Umgebung immer mediterraner: Säulenzypressen und Olivenbaumheine wurden immer häufiger unsere Begleiter. Die Bergketten in unserem Rücken wurden immer kleiner. Und so wurde es trotz geringer Anstiege bei erneut über 30 Grad auch heute wieder etwas anstrengend.

Es ist erstaunlich wie die Radwegeführung einen selbst durch eine so große Stadt wie Udine gut hindurch führt. Hier gibt es zweispurige Radwege mit Mittelstreifen, bei denen man teils entgegen der regulären Fahrtrichtung direkt am Fahrstreifen fährt. Gewöhnungsbedürftig aber es funktioniert gut. Trotz vieler ruhiger Nebenstraßen landeten wir dennoch kurz mitten in der Innenstadt und genossen unser tägliches Gelato am Rathausplatz.

Später kamen wir nach Palmanova. Diese Stadt hat uns aufgrund ihrer Architektur der Stadtmauer und Anordnung der Gebäude fasziniert. Die gesamte Stadt ist als riesiger Stern angelegt.
Die Haupteinfallstraßen, die auch heute noch durch die Stadttore führen, treffen sich in der Mitte auf einem riesigen Platz. Da die Stadttore zu schmal für zweispurigen Verkehr sind gibt es Ampelanlagen und auch als Fußgänger muss man die Ampel betätigen. Witzige Sache. Ganz zentral darauf steht ein Fahnenmast namens „Mario“. Dort machten wir unsere Mittagspause, saßen ganz ruhig und alleine im Schatten des Fundaments. Tatsächlich hatten wir im ersten Moment Probleme wieder das richtige Tor für die Weiterfahrt zu finden, aber ging alles.

Auf den letzten Kilometern bis ans Ziel machten wir noch einen Miniabstecher nach Aquilea, eine alte Römerstadt. Hier begegneten uns bereits Möwen vom Meer und auch die Kanäle zeugten von der Verbindung zum Meer. Es war nicht mehr weit.
Die Basilika, die einen wunderschönen Mosaikboden vorweisen kann, haben wir nicht besichtigt, aber wir haben in ihrer Parkanlage unsere letzte Pause gemacht.
Mit einem großen Aufreger, denn ausgerechnet hier, 10 km vor dem Ziel, wollte der e-Bikecomputer, der ja seit Tagen immer wieder Aussetzer hatte, gar nicht mehr. Das verhagelte natürlich ein wenig die Stimmung aber nach vielen Flüchen und Schlägen auf den Hinterkopf (des Computers), tat er wieder.
Der erste große Moment war der, als wir an den Anfang der 5 km langen Brücke/ Dammes kamen, die das Festland mit Grado verbindet. Wir waren am Meer! Wir hatten es geschafft!!

Die Fahrt über den Damm, teils einfach nur aus verschwenderischem Übermut erstmals auf dieser Reise mit Turbo – wer hat der kann!- war wirklich toll. Und obwohl wir uns so gefreut und den Tag herbei gesehnt hatten, waren wir auch alle etwas wehmütig und es bremste in uns ein wenig, weil damit die abenteuerliche Reise vorbei war.

Der zweite große Augenblick fiel ein wenig ins Wasser. Wir wollten uns in der Abendsonne mit samt unseren Radsachen in die kühlen Fluten stürzen. Aber erstens war das Meer über hunderte von Metern so flach, dass es nicht mal übers Knie reichte und zweitens war es aufgrund der geringen Tiefe so extrem warm, dass es absolut keine Abkühlung war. Aber das Licht war ein Traum und überhaupt…..wir waren am Meer!!!
Obwohl unser letztes Hotel direkt an der Promenade lag, waren die Besitzer sehr nett und kümmerten sich rührend um uns. Wir gönnten uns ein tolles Abendessen und der Abend war leider auch schnell wieder vorbei.

Wir haben uns einen Tag Meer ohne Programm gegönnt. Da ich leider wohl einen Hitzschlag oder etwas ähnliches hatte, ging es mir nicht besonders und so wurde es wirklich ein chilliger Strandtag im Schatten und viel Wassertreten bis das Meer so tief war, dass man schwimmen konnte und dort dann auch erfrischend kühl.

Erlebnisbericht Alpe-Adria-Radweg mit dem eBike

Die Heimfahrt

Wir hatten auch die Heimreise mit einem Shuttle-Bus bereits im Vorfeld organisiert.
Erfreulicherweise kosteten Anhänger und Hund nicht extra. Treffpunkt war in Grado an einem Kreisverkehr. Wir waren um 9 Uhr pünktlich dort und in 5 Stunden mit einer kleinen Tankpause und der Route teilweise entlang unseres Radweges waren wir wieder zurück in Salzburg.
Ein wenig ernüchternd wie schnell es so geht und auffallend wie wenig man im Auto mitbekommt von der sich verändernden Umgebung.
Unser Auto stand unbeschadet noch an Ort und Stelle und wir luden um bzw. ein. Auf der Heimfahrt nach Stuttgart hielten wir am Chiemsee, dieses mal freiwillig und ohne Hochwasser, und genossen nochmals 2 Stunden bei ganz hervorragendem Essen im Garten eines Fischlokals.

Während wir die restlichen Kilometer nach Hause hinter uns brachten, suchten wir im Internet bereits, wohin es denn nächstes Jahr gehen könnte……..

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