„To crow“ kann als „jubeln“ oder „frohlocken“ übersetzt werden – und genau das frage ich mich bei dem Salewa Crow Gore-Tex® Wanderschuh für Damen: Werde ich am Ende jubeln? Salewa bewirbt ihn mit seinem 3F‑System für besseren Halt im Fersen‑ und Knöchelbereich, dem Climbing Lacing für eine präzise, individuelle Anpassung und einer anatomisch geformten Verstärkung für mehr Komfort beim Abstieg.
Salwea verspricht sogar eine „100 % blasenfrei“-Garantie in ihrer Beschreibung. Deshalb ist für mich der Anspruch hoch: Das wären die ersten Wanderschuhe, bei denen ich keine Blasen am großen Zeh bekomme. Und das, obwohl ich meine letzten Schuhe sogar beim Schuhmacher anpassen ließ. Mal sehen, ob mich der Crow Gore‑Tex® wirklich überzeugt.
Facts
| Thema | Info |
|---|---|
| Material | Innensohle: Steif: Nylon + 27 % Fiberglas Obermaterial : 360° Vollgummi-Ummantelung 1,6 mm Veloursleder Extrem verschleißfestes Material 3F-System mit Stahlschnüren |
| Größen | 35 – 43 |
| Farben | Premium Navy/Ethernal Blue |
| Gewicht | 570 g |
| Drop | 12 mm |
| Preis | 270,00 |
Erster Eindruck und Verarbeitung
Der Crow wirkt sofort sehr starr – wie man es von einem Wanderschuh erwartet. Die Kategorie wird nicht angegeben, aber da er steigeisenkompatibel (für halbautomatische Steigeisen) ist und die Sohle sich nicht biegen lässt, würde ich ihn klar in Richtung Kategorie C einordnen. Die Vibram-Mulaz-Sohle hat ein tiefes Profil, das für Geröll, steile Pfade und anspruchsvolle Böden gemacht ist.
Trotz dieser Stabilität fühlt sich der Schuh beim ersten Reinschlüpfen erstaunlich angenehm an. Das liegt vor allem am flexiblen Schaft hinten an der Achillessehne, der den Einstieg weich macht und beim Gehen ein wenig Beweglichkeit zulässt. Die Seiten hingegen sind sehr fest, was starken Halt verspricht. Diese Kombination aus starrer Sohle und flexiblem Fersenbereich sorgt dafür, dass sich der Schuh trotz seiner alpinen Ausrichtung überraschend gut läuft.
Die Zunge spüre ich vorne leicht am Zehennagel des großen Zehs – ich bin gespannt, ob sich das einläuft oder später stört.
Optisch ist der Schuh unauffällig, aber die petrolfarbenen Highlights an der Sohle und die hübschen Schnürsenkel machen ihn zu einem kleinen Hingucker. Das Design ist funktional, aber mit einem feinen Farbakzent, der mir gut gefällt.
Interessant ist die Konstruktion an der unteren Öse: Dort verläuft ein Stahlseil hinter der Ferse entlang zur anderen Seite. Ich frage mich, ob das nur ein optisches Detail ist oder ob es Teil des 3F‑Systems ist und zusätzlichen Halt gibt.
Praxistest
Die Crow sind steigeisenkompatibel, und zwar für Riemen‑ oder Kombi‑Steigeisen und damit grundsätzlich für alpine Einsätze ausgelegt weshalb sie deutlich stabiler als klassische Wander- oder Zustiegsschuhe sind.
Nach einer kurzen Einlaufphase ging es dann ab in die Berge.
Die Vibram‑Mulaz‑Sohle hat mich hier auf Wander‑, Wiesen‑ und Waldwegen beeindruckt: Das tief ausgearbeitete, durchgehende Profil verzahnt sich präzise mit dem Untergrund und bietet selbst auf losem Geröll, steilen Passagen und nassen, rutschigen Abschnitten eine bemerkenswerte Trittsicherheit. Gerade in Momenten, in denen ich mein Kind an der Hand führen musste, hat mir diese Sohle spürbar Sicherheit gegeben – dieses Gefühl, dass der Schuh den Untergrund zuverlässig kontrolliert, während man selbst nur noch vertrauen muss.
Anfänglich störte mich die Zunge etwas am Zehennagel des großen Zehs – dieses Gefühl hat sich mit den richtigen Wandersocken ein paar Schritten beim Einlaufen direkt eingestellt 😊
Der erste Wandertag war eine Kindertour: rund 7 km und etwa 500 hm. Und tatsächlich: Am großen Zeh gab es diesmal keine Blasen. Das ist für mich ein kleines Wunder, denn dort bekomme ich sonst immer Probleme.
Leider kamen die Blasen an einer anderen Stelle: an der Ferse, und das direkt am ersten Tag. Diese Blasen haben mich den ganzen Urlaub begleitet und ich konnte die Schuhe in dieser Woche leider nicht mehr tragen – obwohl ich sie vorher eingelaufen hatte. Vielleicht war es etwas zu wenig, vielleicht braucht der Schuh mehr Zeit, vielleicht ist es einfach wieder „mein Fußproblem“ mit meinen schmalen Füßen..?
Ich sehe den Crow sehr oft auf Wanderwegen und habe deshalb zwei Wanderinnen angesprochen, die das Modell tragen. Beide waren zufrieden, aber eine meinte ebenfalls, dass sie den Schuh sehr gut einlaufen musste, weil sie anfangs Blasen hatte. Das deckt sich mit meiner Erfahrung.
Die Stabilität ist hervorragend, der Halt im Knöchelbereich ist wirklich gut, und die Sohle ist für Geröll und steile Passagen perfekt. Aber: Wie alle Wanderschuhe, die ich bisher hatte, ist er für mich leider einfach unbequem.
Ich wollte jubeln – aber am Ende bleibt es ein Schuh, der technisch beeindruckend ist, aber für meine Füße leider nicht funktioniert.




























Pro/Contra
Pro:
- Sehr stabile
- Steigeisenkompatibel
- angenehmer Einstieg
- griffige Sohle
Contra:
- Blasenbildung im Fersenbereich
Fazit
Der Salewa Crow Gore‑Tex® ist ein hochwertiger, stabiler und alpiner Schuh mit vielen cleveren Features. Er bietet Halt, Präzision und Robustheit – und viele Wanderer sind sehr zufrieden damit.
Für mich persönlich bleibt es nun noch etwas an den Socken oder der Bindetechnik zu arbeiten, damit weitere Blasen an den Fersen verhindert werden. Immerhin hat er mich am großen Zeh positiv überrascht, was für mich ein echter Fortschritt ist.
Jubeln werde ich mit diesem Modell zwar nicht, aber ich verstehe, warum viele Wanderinnen den Crow GTX schätzen – er ist technisch stark, nur leider nicht der Schuh für meine Füße.
Alle Praxistests auf Outdoortest.info werden gemäß dem Outdoor Blogger Codex durchgeführt und sollen dem Benutzer sowohl die positiven aber auch negativen Aspekte des Produktes aufzeigen.
