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#11 Tigerexped Planar 2D für Rudi

Wer im Winter Campen möchte sollte sich bei der Planung einer einer entsprechenden Isolierung des Kastenwagens auch die Heizmöglichkeit im Fahrzeug mit einbeziehen.
Auf dem Markt gibt es hierzu unterschiedliche Modelle von diversen Herstellern.
Auch in Sachen Brennstoff, gibt es viele Ansätze. Diese reichen von Gas, über Diesel bzw. Benzin bis hin zum Holz.
Im Grunde dürfte hier für jeden etwas dabei sein.


Allerdings sollte man sich im Vorfeld schon genau Gedanken darüber machen, was man benötigt bzw. wie man es gerne hätte.
Eine Gasheizung zum Beispiel verlangt eine fachmännische Installation, von der ich persönlich die Finger lassen würde. Zudem muss man daran denken, dass dann auch eine jährliche Gasprüfung anstehen kann, die dann wieder laufende Kosten hervorruft.
Ein weiterer Trend sind sogenannte Holzöfen direkt im Fahrzeug. Natürlich ist es schon genial, ein prasselndes Kaminfeuer im Camper zu haben und vor allem hat dies auch nicht jeder.
Aber ehrlich gesagt, wäre es mir irgendwie zu riskant und bei mir im Camper Rudi wäre auch kein geeigneter Platz vorhanden. Man darf hier halt nicht vergessen, dass man mit offenem Feuer hantiert.

Dann gibt es noch die bekannten Diesel-, bzw Benzinstandheizungen. Ganz zum Schluss seien hier noch Heizlüfter oder gar Infrarotheizungen erwähnt, die jedoch auf Strom angewiesen sind und sich für autarkes Stehen wohl nur bedingt eignen.
Letztendlich muss hier also jeder für sich entscheiden, mit was er seinen Kasten aufwärmt.

Oftmals sind ja in den Kastenwägen bereits Standheizungen eingebaut. Dies war auch bei Rudi der Fall. Allerdings handelte es sich hierbei um eine sogenannte Wasserheizung welche den Zweck hat, den Motor im Winter vorzuwärmen damit dieser beim Start mit Minusgraden bereits erwärmt ist. Natürlich wird auch der Innenraum mit aufgewärmt so dass die Scheiben frei sind.
Diese Heizungen sind allerdings eher dafür ausgelegt den Fahrerraum zu beheizen da in den meisten Kastenwägen ja eine Trennwand verbaut ist. Entfernt man diese beim Ausbau schafft die Standheizung das Aufheizen bzw überhaupt das Heizen des kompletten Raumes nicht oder nicht ausreichend.
Ein weiteres Problem ist dass diese Wasserheizungen auch nicht unbedingt für den Dauerbetrieb ausgelegt sind und entsprechend Strom verbrauchen.
Daher bietet es sich immer an eine sogenannte Luftheizung nachträglich einzubauen. Hierbei handelt es sich um nichts anderes wie ein Heißluftgebläse welches die Innenluft ansaugt, über einen Brenner aufwärmt und auf der gegenüberliegenden Seite dann wieder in den Innenraum abgibt.
Diese Luftheizungen haben allerdings den Vorteil dass sie zum einen für den Dauerbetrieb geeignet sind und zum anderen wenig Strom verbrauchen.

Die Wahl der Heizung

Die Wahl fiel letztendlich auf die Luftheizung Planar 2D. Die Planar 2D ist zum einen günstig in der Anschaffung, man kann diese mit handwerklichem Geschick selber verbauen kann und es gibt eine große Community gibt, die mit Rat und Tat zur Seite steht.
Tigerexped bietet in deren Shop das sogenannte “99% Camper Heizungskit*” an. Der Vorteil an dem Set ist, dass das Heizungskit für 99% aller Camper geeignet ist und alles was man für den Einbau und den Betrieb benötigt, in diesem enthalten ist.
Also Heizung, Einbaumaterial für (fast) jede Situation, Warmluftverteilung inkl. Höhenkit, getestet auf 3440 Metern (näheres hierzu später)

Für alle die es eine Nummer größer benötigen, gibt es noch die 44d welch eine Leistung von 4 kW besitzt. Allerdings im kommt es auch hier sehr auf die Größe des Innenraumes an. Bei einem Fahrzeug der Größe L2 H2 ist eine 4 kW Heizung sicherlich überdimensioniert.
Es ist laut Auskunft von tigerexped immer besser, die Heizung auf einer gewissen Last laufen zu lassen, als dass eine überdimensionierte Heizung auf kleinster Stufe vor sich hindümpelt. Hierdurch verrust die Brennkammer sehr schnell und die Heizung kann Schaden nehmen.
Sollte man die Brennkammer mal freibrennen müssen, dann am besten auf den Powermodus gehen und die Heizung 2-3 Stunden auf Vollgas laufen lassen.

Daher wurde nach Rücksprache mit der Firma tigerexped entschieden, eine 2 KW Variante in Rudi zu verbauen.

Grundsätzlich macht es immer Sinn sich vorab zu informieren und auch bei dem Hersteller nachzufragen welche Empfehlungen dieser ausspricht. So bietet es sich z.b. an, wenn man gerade eine Planar verbauen möchte dass man sich auf der dortigen Facebook-Gruppe anmeldet welche von tigerexped geleitet wird.
Hier stehen die Inhaber auch mit Rat und Tat zur Seite.
Natürlich kann man bei tigerexped auch direkt anrufen um sich über entsprechende Modelle, Einbauvarianten oder auch sonstiges zu informieren. Die von uns verbaute Planar 2D wurde mit dem sogenannten Höhenkit ausgeliefert. Hierzu gibt tigerexped folgendes an.

Das bedeutet, dass die Heizung selbstständig und abhängig vom Umgebungsluftdruck die Einspritzmenge reduziert, damit bei fallendem Luftsauerstoffgehalt ein Verrußen der Brennkammer verhindert bzw. drastisch reduziert werden kann. Proportional zu der Menge des Sauerstoffs in der Luft sinkt auch die entsprechend erreichbare Maximaleistung der Heizung! Über den Daumen: Ab 2000m verliert man pro 500m Höhe ca. 5% an Leistung.

Wenn man also so wie wir oft in den Bergen unterwegs ist und auch ein Wintercamping in den Bergen geplant ist, sollte man dies berücksichtigen.

Der Einbau an sich

Schaut man sich in der Facebook-Gruppe um, so stellt man relativ schnell fest dass der Einbau der Planar 2D grundsätzlich nicht allzu große Probleme macht. Wenn man sowieso schon den kompletten Kastenwagen ausgebaut hat und sich auch ein wenig technisch auskennt dürfte dies vor jedem ohne Probleme möglich sein.
Wir haben für den Einbau mit zwei Personen etwa einen Arbeitstag benötigt. Dies lag allerdings daran dass es für uns der erste Einbau einer Standheizung war und man bei solchen Dingen dann grundsätzlich immer ein wenig vorsichtig oder skeptisch an die Sache rangeht, was ja nicht immer schlecht sein muss.

Für den Einbau liefert tigerexped in dem Paket einen Einbauflansch mit welcher grundsätzlich zu empfehlen ist.
Dieser Flansch hat den Vorteil dass man im Fahrzeugboden oder an der gewünschten Stelle lediglich ein rechteckiges Loch aussägen muss. Der Flansch wird dann sowohl eingeklebt als auch eingeschraubt und auf diesem dann die komplette Heizung montiert. Dies hat den Vorteil dass die entsprechenden Löcher für Zuleitungen, Abgasleitungen und Zuluft bereits vorhanden sind und man diese nicht separat in den Fahrzeugboden bohren muss.

Die eigentlich größte Herausforderung war die Entnahme des Tankeinsatzes beim Fiat Ducato. Praktischerweise sitzt der Tank zwischen Fahrer und Beifahrersitz so dass mann vom Innenraum über einen Deckel oben an den Tank sehr gut herankommt.
Hier müssen dann die vorhandenen Leitungen und Stecker abgezogen werden. Dann muss man die große Überwurfmutter lösen, was nicht ganz so einfach ist. Mit einem Schraubendreher und ein paar beherzten Hammerschlägen lies sich die Plastikmutter dann aber lösen und öffnen. Aber bitte aufpassen. Es handelt sich um einen Plastikring, der auch schnell kaputt gehen kann. So wurde es zumindest in diversen Foren und Facebookgruppen berichtet.

Beim Herausziehen des Einsatzes sollte man sehr vorsichtig sein. In dem Einsatz am Boden befindet sich eine Art Schüssel, welche voll mit Diesel ist. Diesen kann man leider beim herausnehmen nicht in den Tank abkippen, weil kein Platz vorhanden ist. Daher den kompletten Einsatz senkrecht nach oben vorsichtig herausziehen und vorsichtig aus dem Fahrzeug heben. Vor dem Fahrzeug, kann man den Einsatz dann entleeren.
Nun muss oben am Deckel ein Loch für die Kraftstoffentnahme der Planar gebohrt werden. Dies ist im Grunde relativ einfach da das Oberteil aus Kunststoff besteht. Dann wird der Tankentnehmer mit dem Entnahmerohr eingesetzt und verschraubt. Dies gestaltet sich allerdings ein wenig schwierig da man das Entnahmerohr etwas biegen muss um es unten in den Behälter zu bekommen.
Im Anschluss daran wird der Tank Einsatz wieder in den Tank eingeführt, verschraubt und die Leitungen und Stecker wieder angeschlossen.
Die Dieselleitung für die Standheizung kann man dann am Tank an der Seite entlang nach unten durchführen.

Position der Heizung

Man sollte sich für die Positionierung der Standheizung vorab auch Gedanken machen wo man diese platzieren möchte. Der Hersteller empfiehlt das man so wenig wie möglich Bögen oder Biegungen an der Zu-, und Abluft verbaut. Jeder 90° Bogen schluckt entsprechend Leistung und vermindert dadurch die Wärmeleistung.
Beim Camper Rudi wurde die Standheizung in das Podest hinter dem Fahrersitz verbaut. Die Zuluft sollte zunächst aus dem Kasten unter der Sitzbank mit einem Schlauch entnommen werden. Letztendlich wurde der Schlauch aber komplett weggelassen und der Kasten des Podestes entsprechend so neu gebaut dass hier ein großer Raum entsteht aus welchem die Standheizung die komplette Ansaugluft ziehen kann.

Ausströmer

Der Ausgang der Luftzufuhr sollte im Podest selber sein was bei uns jedoch das Problem war, da im Rudi eine beleuchtete Plexiglasblende verbaut ist.
Die üblichen Ausströmer sind alle rund meist in schwarz und vom Aussehen daher nicht so gut geeignet. Daher war die Entscheidung schnell gefällt, dass ein eigener Ausströmer gebaut werden muss.
Dieser wurde an die Rundung des Podestes von innen angepasst. Gefertigt wurde der Ausströmer aus Glasfasermatten welche mit Epoxidharz bestrichen wurden.
Als Anschlussstück diente ein 60 mm Übergangsstück für die Rohrleitungen. Dies hat insoweit auch alles gut funktioniert und optisch sieht man jetzt in der Blende einen 2 cm hohen Schlitz im Podest aus welchem die Warmluft ausströmt.

Strom und Steuerleitung

Das dazugehörige Bedienelement PU-27 mit einem OLED Display wurde hinter der Sitzbank an dem dortigen Holm befestigt, so dass man es gut bedienen kann. Ein entsprechendes Verlängerungskabel für die Datenleitung lag dem Paket bei.
Die Anschlüsse an der Standheizung selber können nicht vertauscht werden da im Grunde jedes Kabel einen anderen Stecker hat. So kann man beim Anschluss von Strom, Bedienungselement oder auch von einem GSM-Modem welches optional erhältlich ist, nichts falsch machen.
Die Stromzufuhr kann man direkt an der Batterie anschließen, da in der dazugehörigen Stromleitung eine extra Sicherungen mit eingebaut ist.

Zuluft – Abluftanschlüsse

Die Anschlüsse für Verbrennungsluft sowie Abgase und Dieselzufuhr an der Heizung selber sind im Grunde auch nicht so kompliziert. Die entsprechenden Schläuche und Rohre werden am Unterboden an der Planar 2D aufgesteckt und mit Rohrschellen fixiert. Ein wenig eng ist es bei der Dieselleitung bzw. dem zuschrauben der Schelle. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Platz zum Arbeiten gewünscht.

In die Dieselleitung sollte man noch einen entsprechenden Dieselfilter mit einbauen, welcher auch dem Set beiliegt.
Bezüglich der Dieselpumpe empfiehlt es sich diese nicht mit dem Fahrzeug direkt zu verbinden, also diese nicht am Unterboden zu befestigen. Bei der Dieselpumpe handelt es sich um eine sogenannte Magnetpumpe welche pro Minute ca. 80 Mal klickt. Dieses Klickgeräusch kann unter Umständen im Innenraum sehr störend sein wenn man die Dieselpumpe direkt mit dem Fahrzeug verbindet. Das Geklicke überträgt sich dann auf die Karosse des Fahrzeuges.
Daher empfiehlt es sich einfach die Dieselpumpe freihängend zu montieren sodass keine direkte Verbindung zum Fahrzeug vorhanden ist. Es ist natürlich unterschiedlich in der Wahrnehmung ob einen das Klicken bzw. das Gebläse der Heizung stört. Ich persönlich finde sowohl das Klicken welches man noch ganz ganz leise hört noch das Gebläse störend. Wenn man zu Bett geht, dreht man die Leistung der Heizung üblicherweise runter und dann ist das Gebläse auch nicht mehr so laut.
Zudem darf man nicht vergessen dass auch eine Gasheizung nicht ganz geräuschlos ist, da diese auch über ein Gebläse verfügt.

Der erste Test

Hat man dann alles angeschlossen empfiehlt es sich für den ersten Test, die Zu-, und Abluftschläuche an der Heizung selber wegzulassen. Dadurch kann die Heizug erstmal gut durchstarten um die Leistung zu überprüfen.
Beim ersten Start wird es vermutlich wie bei mir, erst mal eine Fehlermeldung ausgeben. Dies liegt meist daran dass erst die Dieselleitung entsprechend gefühlt werden muss. Hier kann es sein, dass man die Heizung zwei bis drei Mal starten muss, bis sie funktioniert.
Bei mir hat es beim zweiten Anlauf gleich geklappt.

Der Support wird getestet

Eigentlich will man ja nicht immer gleich den Support in Anspruch nehmen, aber davor ist man leider nie sicher. Da es zu Beginn Probleme mit der Heizung gab, will ich an diesem Punkt auf den Support von tigerexped eingehen.
Das Problem bei der Planar 2D war, dass diese zwar auf Volllast gelaufen ist, aber es kam im Grunde nur lauwarme Luft aus der Heizung heraus. Eigentlich sollten es an die 90°C direkt am Ausgang sein, es kamen aber nach Messungen gerade mal knappe 60°C heraus.
Zunächst wurde dann in der entsprechenden Facebook-Gruppe das Problem erläutert und von den Inhabern von tigerexped abgefragt, was alles probiert wurde.
Da alle Versuche fehlschlugen wurde dann die komplette Heizung inkl. Bedienteil und Dieselpumpe an tigerexped übersandt.
Die erste Vermutung dass es an der Dieselpumpe lag bewahrheitete sich nicht. Er stellte sich heraus dass die Platine in der Heizung selber einen Schaden hatte. Nach Austausch dieser und Rücksendung, wurde die Heizung wieder eingebaut und siehe da sie funktioniert seitdem wunderbar.
An dieser Stelle möchte ich den engagierten Einsatz und den sehr guten Support von tigerexped hervorheben. Man bekam immer sofort oder zeitnah eine Antwort und die Reparatur war auch sehr schnell und kompetent erledigt.
So sieht für mich ein guter Service aus. Den Kunden mit einbinden und auf dem Laufenden halten.

Test der Heizung und Bedienung

Im Set dabei war das digitale Bedienelement PU-27, was ganz praktisch ist. Es wurde bei Rudi an der Säule hinter dem Gurtbock angebracht, so dass es zentral im Fahrzeug zu erreichen ist.
Dies macht auch daher Sinn, da in dem Bedienelement ein Temperartursensor verbaut ist und man es daher nicht zu nach an den Ausströmern der Heizung platzieren sollte.

Wir waren um die Osterzeit auf einem Campingplatz im Schwarzwald. Auch hier hatten wir Nachts teilweise einstellige Temperaturen, so dass die Heizung mal zeigen konnte, was in ihr steckt.
Vorab aber kurz eine Übersicht über die möglichen Einstellungen in Sachen Temperaturregelung am Bedienelement.

Modus Beschreibung
By T heater Hier wird „Solltemperatur“ des im Heizgerät eingebauten Temperaturgebers verwendet.
By T panel Temperaturregelmodus: Erlaubt die Vorgabe einer Wunschtemperatur, welche die Heizung
versucht, einzuregeln. Ist das Fahrzeug zu klein oder das Wetter zu gut, kann die Temperatur
trotzdem über die Wunschtemperatur steigen, denn die Heizung schaltet nicht ab, sondern
fährt minimal auf kleinste Leistung herunter.
Dieser Modus ist für die Lebensdauer der Heizung
der Beste.
By T air Hier wird über einen Zusatzsensor (optional) die „Solltemperatur“ des außen installierten Temperaturgebers verwendet.
By power Im Powermodus wird fest eine Heizleistungsstufe vorgegeben und die Heizung bleibt dort – egal wie warm oder kalt ist wird.

Bei Rudi ist der Modus “By T panel” eingestellt, da sich dieser als praktikabel erwiesen hat und man dadurch die Temperatur gut automatisiert regeln lassen kann.
Es ist am Anfang natürlich noch Einstellungssache und es kommt auch auf die Außentemperatur an bzw. wie kuschelig man es im Inneren haben möchte.
Bei unserem Test im Schwarzwald hatten wir Nachts gute 18°C bei ca. 5°C Außentemperatur. Die Temperatur war in der Nacht auf 20°C eingestellt und tagsüber auf 23°C.

Ein Wintertest steht noch bevor, aber ich würde jetzt schon die Prognose wagen und sagen, dass die Planar 2D für den Ducato mit den Maßen L2H2 völlig ausreicht.

* = affiliate-Link


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