Ich bin mittlerweile seit über einem Jahr komplett auf Barfußschuhe umgestiegen. Angefangen hat alles mit dem Test des Tracker Leather AT von Vivobarefoot. Was soll ich sagen? Vivobarefoot hat sich seitdem zu einem meiner Lieblingsschuhhersteller entwickelt.
Mir gefällt besonders das futuristische Design – wobei das natürlich immer Geschmackssache ist.
Noch wichtiger finde ich jedoch die technische Seite. Die Schuhe von Vivobarefoot sind so konstruiert, dass sie optimal auf den Untergrund und die natürliche Bewegung des Fußes abgestimmt sind.
Umso mehr freue ich mich, nun auch den Motus Strength II von Vivobarefoot testen zu dürfen. Dieser Barfußschuh wurde speziell für das Training entwickelt und eignet sich sowohl für das Gym als auch für Calisthenics. Egal ob mit schweren Gewichten oder beim Training mit dem eigenen Körpergewicht – der Motus Strength II verspricht maximale Stabilität, Bewegungsfreiheit, verbesserte Flexibilität und optimale Luftzirkulation.

Facts
| Thema | Info |
|---|---|
| Material | Obermaterial: 100 % recyceltes Polyester (RPET) Futter: 100 % recyceltes Polyester (RPET) Schnürsenkel: 100 % recyceltes Polyester (RPET) Innensohle: (Ortholite-Einlegesohle) 98 % recycelter Polyurethan-Schaum (rPU) + 2% wasserbasierter Klebstoff Laufsohle: 58 % synthetischer Kautschuk, 22 % Naturkautschuk, 20 % Zusatzstoffe |
| Größen | EU 40–49 |
| Farben | Arctic Wolf (hellgrau/weiß) Eclipse (schwarz) Dark Olive (olivgrün) Skyway (blau) |
| Gewicht | 332g (pro Schuh Größe 44) |
| Preis | 190€ |
Erster Eindruck und Verarbeitung
Beim Auspacken beziehungsweise beim ersten Mal in die Hand nehmen ist mir sofort aufgefallen, dass der Motus Strength II für einen Barfußschuh relativ schwer ausfällt. Natürlich ist er deutlich leichter als der Tracker, aber dennoch schwerer als beispielsweise der Primus Trail Flow Mid – und das, obwohl dieser ein halbhoher Wanderschuh ist.
Obwohl die Sohle mit insgesamt nur 3,5 Millimetern Aufbau die dünnste ist, die ich bisher getragen habe, fühlt sie sich überraschenderweise etwas dicker an. Der Schuh wirkt dabei keineswegs steif oder unflexibel, vermittelt aber ein anderes Laufgefühl als viele andere Modelle von Vivobarefoot.
Ich vermute, dass dies an der besonderen Konstruktion der Außensohle liegt. Die charakteristischen Polygon-Stollen, aus denen auch das Vivobarefoot-Logo besteht, bedecken wie gewohnt die gesamte Sohlenfläche. Im Gegensatz zu anderen Modellen liegen sie jedoch deutlich dichter beieinander. Dadurch wird der Druck beim Auftreten gleichmäßiger über die gesamte Fußsohle verteilt.

Die Sohle hat, wie bei allen Vivos, verschiedene Zonen für die unterschiedlichen Anforderungen des Fußes. Am wichtigsten ist dabei sicherlich der vordefinierte Knick im Vorfußbereich, der optimal an die Zehen angepasst ist. Dadurch werden beim Abrollen alle Zehen in die Bewegung einbezogen und können aktiv mitarbeiten.
Im vorderen Bereich, direkt unter dem großen Zeh, gibt es eine weitere Besonderheit. Dort sind die typischen Polygone teilweise zu zwei oder drei Einheiten zusammengefasst. Das sorgt für mehr Reibung und damit für zusätzlichen Grip. Gerade beim Abstoßen macht sich das bemerkbar, denn der Schuh bietet bis zum Schluss ordentlich Haftung und unterstützt eine saubere Kraftübertragung auf den Untergrund.
Außerdem ist die Sohle weit abgerundet und verfügt sogar im Fersenbereich über zusätzliche Stollen für besseren Grip – zum Beispiel beim Klettern am Seil oder an Stangen, bei seitlichen Ausfallschritten oder bei Übungen, bei denen nur die Ferse auf dem Boden ist, wie etwa Dips oder umgekehrtes Bankdrücken mit gestreckten Beinen.
Durch diese abgerundete Sohlenform und die zusätzlichen Stollen im Fersenbereich rutscht der Fuß deutlich weniger weg. Die Bewegungen können dadurch gleichmäßiger ausgeführt werden, ohne dass man das Gefühl hat, über eine harte Kante zu kippen.



Im Schuh befindet sich außerdem eine herausnehmbare Ortholite-Einlegesohle. Diese besteht fast vollständig aus recyceltem Polyurethan-Schaum und fällt angenehm dünn aus. Sie sorgt für etwas zusätzlichen Komfort. Ich bin ehrlich: Meine Frau hat sie in einem Schuh herausgenommen ohne mir zu sagen in Welchen, sodass ich den Unterschied bewusst und ihn im direkten Vergleich testen konnte. Trotzdem konnte ich keinen wirklich spürbaren Unterschied feststellen. Allerdings hat die Einlegesohle noch eine zweite Funktion, die durchaus von Vorteil sein kann.
Die Einlegesohle besteht aus einem Ortholite-Schaum, der Feuchtigkeit nicht stark speichert. Das Material ist offenporig, sodass Schweiß nicht wie in einem Schwamm „nur aufgenommen“ wird. Die Feuchtigkeit kann sich innerhalb der Struktur verteilen und wird durch die Luftzirkulation im Schuh sowie über das Obermaterial nach außen abgegeben. Dadurch bleibt die Sohle weniger dauerhaft nass und trocknet insgesamt schneller.
Wenn wir gerade bei Schweißfüßen sind: Das Obermaterial besteht zum größten Teil aus einem Mesh-Gewebe, was den gesamten Schuh extrem atmungsaktiv macht.


Außerdem ist der Motus Strength II an der Ferse etwas anders aufgebaut als gewöhnliche Schuhe. Man könnte es so erklären: Das Fersenteil wirkt fast so, als wäre einfach ein Socken mit einer Sohle verklebt worden. Da das allein natürlich nicht stabil genug wäre, gibt es zusätzlich eine Kunststofflasche, die die Ferse umfasst und hallt gibt, so das man nicht einfach aus dem „Socken“ rausrutschen kann.
Die Kunststofflasche ist jedoch nicht direkt mit dem „Socken“-Teil verbunden, sondern nur mit der Sohle. Dadurch bleibt der Fuß im Fersenbereich sehr frei beweglich und kann sich natürlich im Schuh bewegen.
Praxistest
In der Praxis war für mich anfangs vor allem die außergewöhnliche Fersenkonstruktion gewöhnungsbedürftig. Ich hatte immer das Gefühl, der Schuh würde nicht richtig sitzen oder sei zu locker geschnürt. Deshalb habe ich die Schnürung mehrfach neu gebunden und nachgezogen.
An dieser Stelle muss ich allerdings die Schnürung loben. Die Schnürsenkel halten extrem gut in den dafür vorgesehenen Ösen. Man kann sie von unten nach oben nachziehen, ohne dass man den Schnürsenkel ständig festhalten muss. Das ist beim Zuziehen sehr praktisch, beim Öffnen umständlicher.
Zurück zur Ferse: Obwohl man zunächst das Gefühl hat, der Schuh sei zu locker, merkt man bei genauerem Hinsehen schnell, dass eigentlich alles dort sitzt, wo es soll. Das Ungewohnte ist vielmehr, dass die Kunststofflasche an der Ferse nicht direkt mit dem „Socken“-Teil verbunden ist. Dadurch bewegt sich der Fuß innerhalb dieser Konstruktion leicht hin und her. Es ist nur eine minimale Bewegung, aber ausreichend, um in den ersten Trainingseinheiten ungewohnt zu wirken.
Sobald dieses ungewohnte Gefühl verschwunden ist, merkt man schnell, dass der Motus Strength II kein Schuh zum Herumschlendern ist. Rumschlurfen ist nicht – oder führt gefühlt direkt zum nächsten Ausfallschritt. 🙂
Sowohl auf dem Teppich in meinem Home-Gym als auch im Calisthenics-Park bei mir vor der Haustür hatte ich bei keiner Übung das Gefühl, dass meine Füße durch den Schuh stabilisiert werden. Bitte nicht falsch verstehen: Ich trainiere nun schon seit vielen Jahren, und viele Übungen, die viel Gleichgewicht erfordern, lassen sich mit klassischen Turnschuhen zunächst einfacher ausführen. „Einfacher“, weil der Fuß durch den Schuh stabilisiert wird und die Auflagefläche durch die Sohle größer ist als der Fuß selbst.
Genau deshalb habe ich für mich irgendwann entschieden barfuß zu trainieren. Erst dann merkt man, wie aktiv das Sprunggelenk tatsächlich arbeitet und wie sich der große Zeh in den Boden drückt, um die Balance zu halten. Der große Vorteil dabei ist, dass man ganz nebenbei die gesamte Mikro- und Stabilisationsmuskulatur trainiert.
Um es auf den Punkt zu bringen: Im Motus Strength II ist der Unterschied zum Barfußtraining erstaunlich gering. In manchen Situationen fühlt es sich sogar besser an, weil der Schuh spürbar mehr Grip bietet als die nackte Fußsohle. Besonders bei Zugübungen, bei denen die Füße links und rechts einer Stange stehen und man sich mit dem gesamten Körper nach hinten lehnt. Hier vermittelt der Motus Strength II ein sehr sicheres Gefühl und sorgt für hervorragenden Halt auf dem Untergrund.
Was die Flexibilität angeht, gehe ich davon aus, dass der Motus Strength II definitiv flexibler ist als meine alten Knochen und Sehnen. Es gibt keine Übung, Position oder Dehnung, die durch den Schuh begrenzt wurde. Er macht jede Bewegung problemlos mit und sieht dabei auch noch gut aus.
Ich war mit ihm sogar Tischtennis spielen, mit vielen schnellen Richtungswechseln und flinken Bewegungen – alles kein Problem. Auch Laufen, Sprinten und Springen funktionieren hervorragend. Mein Trainingsplan beinhaltet regelmäßig Squats mit Explosivsprüngen, und es war weder beim Absprung noch bei der Landung ein Problem.
Wer neben seinem eigentlichen Training auch seine Füße, Waden und die gesamte Körperhaltung wieder stärker fordern möchte, sollte sich meiner Meinung nach einmal mit Barfußschuhen beschäftigen. Die Nullsprengung fördert eine natürlichere Haltung und einen natürlicheren Bewegungsablauf. Der Motus Strength II ist dafür auf jeden Fall eine gute Wahl, insbesondere wenn der Fokus auf Kraft-Training, funktioneller Fitness oder Calisthenics liegt.
















































Pro/Contra
Pro:
- Hervorragender Grip, auch im Fersenbereich
- Breite Zehenbox
- Sehr atmungsaktives Mesh-Obermaterial
- Vegan
Contra:
- -/-
Fazit
Der Vivobarefoot Motus Strength II hat mich im Test überzeugt. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit an die ungewöhnliche Fersenkonstruktion bietet er ein sehr natürliches Lauf- und Trainingsgefühl. Der Schuh ist extrem flexibel, bietet hervorragenden Grip und schränkt die natürliche Bewegung des Fußes in keiner Weise ein.
Egal ob Kraft-Training, Sprünge, Sprints oder Mobility-Training – der Motus Strength II macht alles problemlos mit. Wer einen Trainingsschuh sucht, der dem Barfußlaufen so nahe wie möglich kommt und dabei Schutz sowie Halt bietet, sollte ihn definitiv in Betracht ziehen.
Alle Praxistests auf Outdoortest.info werden gemäß dem Outdoor Blogger Codex durchgeführt und sollen dem Benutzer sowohl die positiven aber auch negativen Aspekte des Produktes aufzeigen.
