Ich koche unterwegs gerne frisch, und für zwei Personen ist das mit den meisten Kochsystemen auch noch relativ problemlos möglich. Sobald allerdings drei oder mehr Erwachsene mitessen wird es bei vielen Kochsets schnell eng. Dann braucht man entweder ein zweites Kochsystem oder eine richtige Campingküche, und damit wird das Ganze deutlich größer und sperriger. Muss das sein? Nein. 😉
Genau hier setzt das Jetboil Genesis Basecamp System an. Zusammengepackt ist es ziemlich kompakt. Gleichzeitig bietet es mit zwei Brennern, einem 5-Liter-Topf und einer große Pfanne ausreichend Kapazität für mehrere Personen.
Ob das in der Praxis tatsächlich ausreicht und wie gut sich das kompakte System dabei schlägt haben wir ausprobiert.
Facts
| Thema | Info |
|---|---|
| Material | Material Kocher: Aluminium und Edelstahl Material Pfanne: Aluminium mit Keramikbeschichtung Material Topf: hartanodisiertem Aluminium (Harteloxierung) Deckel und Windschutz: Kunststoff |
| Größen | Verpackt: 21cm x 28,5cm (HxD) Grundfläche m Einsatz: 21cm x 28,5cm (HxD) |
| Farben | Orange, Overland Grey |
| Gewicht | 4468g |
| Maße | Pfanne: 2L 5cm x 25cm (HxD) Topf: 5L 11cm x 25cm (HxB) |
| Leistung | 2 × 10.000 BTU/h = 3 kW |
| Preis | 499€ |
Erster Eindruck und Verarbeitung

Beim Auspacken fällt mir auf, dass das Jetboil Genesis Basecamp System nichts ist, was man zum Wandern mal eben in den Rucksack packt. Die 4,5 kg machen sich sofort bemerkbar. Aber wie der Name schon sagt, ist es auch dafür gedacht, am Basecamp zu kochen.
Wenn man dann die Tasche öffnet, merkt man schnell, dass es eigentlich nur eine Art gibt, das Basecamp zu verpacken. Jeder Millimeter ist durchdacht ausgefüllt und der Platz nicht großzügig aufgeteilt.


Das Erste, was man herausnehmen kann, ist die Pfanne. Da diese von innen beschichtet ist, muss man darauf achten, dass sie nicht mit Metall in Berührung kommt. Jetboil hat das clever gelöst: Zwischen Topf und Pfanne liegt ein Kunststoffdeckel. Dadurch kann beim Transport der Brenner nicht direkt gegen die Beschichtung der Pfanne rutschen. Gleichzeitig hält der Deckel beide Teile zentriert übereinander, da Topf und Pfanne den gleichen Durchmesser haben. Das bedeutet auch, dass der Deckel sowohl für den Topf als auch für die Pfanne verwendet werden kann.



Wenn man beide Teile wegnimmt, sieht man schon das Herzstück, den Brenner. Dieser hat auf beiden Seiten einen extra Griff zum Herausnehmen. Dadurch muss man beim Einpacken nicht wirklich aufpassen, sondern kann den Brenner einfach so in den Topf legen, wie man ihn gerade in der Hand hält. Die Griffe dienen quasi als Abstandshalter. Am Brenner fällt auch auf, dass die äußersten Teile, die den Topf berühren, aus Kunststoff sind. Auch wenn der Topf keine Antihaftbeschichtung hat, ist die Oberfläche durch die Eloxierung zwar veredelt aber dadurch trotzdem kratzempfindlich. Außerdem klappert es so nicht. Man stellt sich mal vor, das Basecamp läge unter dem ganzen restlichen Krempel im Kofferraum und klappere während der ganzen Fahrt vor sich hin.
Mit zwei Gummibändern werden beide Hälften zusammengehalten. Leider und zum Glück kann man die Gummibänder nur auf einer Seite lösen. Leider, weil ich finde, dass sie mich optisch etwas stören, wenn das Genesis aufgebaut ist. Zum Glück, weil man sie so nicht verlieren kann. Ist das Gerät aufgeklappt, hat man eigentlich zwei große Herdplatten wie daheim. Der Brenner hat außerdem je Brenner eine Piezo-Zündung, die durch ein Hebel ausgelösst wird.



Der Anschluss am Brenner sieht zunächst etwas ungewohnt aus, auch deutlich anders als bei den meisten Campingkochern, die ich bisher benutzt habe. Er hat einen langen Stift, der in den Schraubverschluss eingeführt wird. Hier setzt Jetboil wohl auf einen eigenen Anschluss.
Während man auf der Kartuschenseite einen überdimensionierten, aber genormten Anschluss für gängige Schraubgaskartuschen hat, finde ich nichts im Internet über diesen Anschluss. Auf der Oberseite sind allerdings eine halbe Sonne und ein halbes Eiskristall abgebildet. Ich gehe davon aus, dass das eingebaute Ventil den Gasfluss an die Außentemperatur anpasst.
Außerdem finde ich das Teil weder bei den Ersatzteilen auf der Jetboil-Seite noch im Internet oder bei den üblichen Verdächtigen. Auch einen Dichtungssatz, wie ich ihn zum Beispiel von MSR kenne, kann ich nicht finden. Das Einzige, was ich als Ersatzteil finde, ist der „Fuel Regulator – Genesis„. Aber das ist kein flexibler Schlauch den es ersetzen soll sondern eine Stange. Das ist nicht wirklich zufriedenstellend. Dabei schreibt Jetboil ausdrücklich inn den FAQs, dass Ersatzteile erhältlich sind und nennt sogar einen eigenen Bereich für „Genesis & HalfGen Basecamp Spare Parts“. Wenn ein benötigtes Teil dort nicht aufgeführt ist, soll man den Kundenservice kontaktieren.


Beim großen 5-Liter-Topf fällt die Konstruktion an der Unterseite auf: ein FluxRing-Wärmetauscher. Wer über 40 ist, freut sich jetzt schon über den „Flux“-Ring 😄. Diese kenne ich schon von meinem früheren WindBurner® Duo Stove System 1,8L Test. Die Konstruktion hat hier gleich mehrere Vorteile. Durch die vielen Lamellen wird die Wärme besser und vor allem schneller an den Topf übertragen. Die Konstruktion vergrößert die Oberfläche für die Wärmeübertragung und sorgt dafür, dass mehr der erzeugten Wärme tatsächlich im Topf landet, anstatt ungenutzt an die Umgebung abgegeben zu werden. Der untere Rand des Topfes überlappt die Auflagen über dem Brenner genau passend, so dass der Topf sicher auf dem Brenner steht, gerade beim Rühren. Er rastet quasi auf dem Brenner ein und lässt sich dann nicht mehr verschieben.


Oben im Kopfteil der Tasche ist der Anschluss für die Gaskartusche und eine Art Dreibein, damit die Gaskartusche stabiler steht. Unten ist noch ein Kunststoff-Windschutz den man an den Brenner dran Basteln kann, dazu aber mehr im Praxistest.
Die Gaskartusche selbst passt nicht in die Tasche und muss separat mitgeführt werden.
Praxistest
Beim ersten Anmachen kommt einem der Regler endlos vor, ähnlich, wie wenn man eine Schraube herausdreht, die gefühlt kein Ende hat. Aber schnell zeigt sich, dass genau das eine Besonderheit des Jetboil Genesis Basecamp System ist. Man kann den Regler insgesamt viermal herumdrehen. Dadurch lässt sich die Flamme sehr präzise regulieren, ohne sie versehentlich auszumachen. So kann man sein Chili auch bei geringer Hitze sehr lange köcheln lassen.
Wie vermutet ist der FluxRing-Wärmetauscher, außer natürlich für seine eigentliche Aufgabe, auch ein besonders guter Halt für den Topf. Ich konnte ohne Probleme den ganzen Topf Chili umrühren, ohne den Topf dabei festhalten zu müssen. So kann man den Deckel in der Hand halten, umrühren und ihn anschließend wieder aufsetzen – eigentlich wie daheim.
Bei der Pfanne verzichtet Jetboil dagegen auf den FluxRing. Ich glaube, dass das auch gut so ist. Beim Braten ist die Pfanne nicht unbedingt voll und wird nicht wie beim Topf von einer Flüssigkeit gleichmäßig ausgefüllt. Dadurch lässt sich die Hitze gut kontrollieren und die Pfanne reagiert nicht ganz so aggressiv auf eine zu hohe Brennerleistung. Gerade bei der keramischen Beschichtung finde ich das sinnvoll. Wer seine leere Pfanne schon einmal aus Versehen auf die eingeschaltete Herdplatte gestellt hat, ohne etwas darin zu haben, weiß, was ich meine.
Grundsätzlich funktioniert die Pfanne sehr gut. Wir haben viel gebraten, oft z.B. morgens Spiegeleier und bisher sieht man an der Pfanne keinen Kratzer. Natürlich haben wir vorsichtshalber einen etwas weicheren Plastikpfannenwender verwendet.


Was den Windschutz angeht, wollte ich eigentlich eher eine Kritik schreiben, musste aber feststellen, dass ich einfach zu doof war, ihn vernünftig anzubringen. Ich bin aber sehr froh, dass ich es doch noch herausgefunden habe.
Ich hätte mir natürlich auch die Gebrauchsanweisung besser anschauen können, aber auch dort kann man es leicht übersehen. Zuerst dachte ich, man stellt die Füße einfach auf die Kunststofflaschen des Windschutzes. Das ist allerdings nicht wirklich clever, da die Laschen dabei immer wieder verrutschen.
In Wirklichkeit gibt es an jedem Fuß einen kleinen Spalt, in den man die Lasche des Windschutzes einschiebt, bis sie einrastet. Dadurch sitzt der Windschutz richtig fest und bleibt auch an seinem Platz. So kann man das Basecamp sogar mitsamt montiertem Windschutz verschieben oder kurz hochheben, ohne dass sich alles wieder löst.
Zum Volumen kann ich nur sagen, dass der Topf z.B. für einen Eintopf für vier Erwachsene und ein paar kleine Kinder gereicht hat. Bei unserem Männerausflug zu dritt hatte ich zum Chili noch Baguette geplant. Dadurch war am Ende sogar noch eine Portion übrig, die dann einer zum Frühstück verdrücken konnte. Auch bei dem Nudelgericht hatten wir noch etwas für das Mittagessen am zweiten Tag übrig. Wenn man einen Topf voll Nudeln und dazu zwei Liter Soße hat, ist das schon eine ordentliche Menge. Die Nudeln im Topf und die Soße in der Pfanne kochen (und zwar gleichzeitig) funktioniert super.














































Pro/Contra
Pro:
- beschichtete Pfanne
- Verhältnis von Packmaß zu Kochvolumen
- feine Dosierung der Flamme möglich
- FluxRing sorgt für sicheren Halt des Topfes
- stabilder Windschutz am Gerät montierbar
Contra:
- eigener Anschluss von Jetboil anm Brenner
- Ersatzteile wie der Schlauch mit Anschlüssen nicht erhältlich, bzw. nur als „Stange“
Fazit
Das Jetboil Genesis Basecamp System hat mich beim Kochen für mehrere Personen überzeugt. Gerade wenn man nicht nur Wasser erhitzen, sondern unterwegs richtig kochen möchte, sind die zwei Brenner, der große 5-Liter-Topf und die große Pfanne ein echter Vorteil. Dabei bleibt das System zusammengeklappt kompakt und lässt sich gut verstauen. Man merkt, dass sich Jetboil Gedanken gemacht hat.
Besonders gut gefallen hat mir der FluxRing. Er sorgt nicht nur für eine gute Wärmeübertragung, sondern gibt dem Topf auch einen sehr sicheren Halt. Aber auch die präzise Regulierung der Brenner hat mich gefallen. Diese macht es möglich, auch bei sehr geringer Hitze lange zu köcheln.
Natürlich hat das Ganze seinen Preis und mit rund 4,5 kg ist das Genesis Basecamp kein Kochsystem für eine Rucksacktour, sondern ganz klar für das Basecamp, oder den Campingplatz.
Was die Ersatzteilversorgung einzelner Komponenten angeht, bin ich allerdings etwas enttäuscht. Gerade das aus meiner Erfahrung anfälligste Teil, der Schlauch mit den Anschlüssen, ist weder bei Jetboil noch im normalen Ersatzteilhandel zu finden. Das finde ich bei einem ansonsten so durchdachten Kochsystem nicht wirklich zufriedenstellend.
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