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Kleiner Leitfaden zum Kauf von Outdoorschuhen

Das Thema Sportschuhkauf ist generell nicht ganz einfach. Man kennt das z.B. von der Auswahl eines geeigneten Laufschuhs. Da spielen nicht nur der Schuh, sondern der individuelle Laufstil, die Laufdistanz, das Körpergewicht und auch anatomische Gegebenheiten wie z.B. ein Senkspreizfuß eine Rolle.
Bei Sportschuhen im Outdoor- bzw. Bergsport kommt auch eine Vielzahl an möglichen Verwendungsmöglichkeiten hinzu. Möchte ich eine Runde nach der Arbeit Spazieren gehen? Steht ein anspruchsvoller Trailrun auf dem Plan? Soll es auf einen Klettersteig gehen? Möchte ich eine moderate Wanderung machen oder soll es sogar eine Hochtour werden?

Kleiner Leitfaden zum Kauf von Outdoorschuhen
Dieser Artikel soll eine kleine Hilfestellung beim nächsten Gang zum Händler des Vertrauens sein, um im Dschungel der Marktangebotes nicht sofort erschlagen zu werden. Hierbei möchte ich mich eher darauf konzentrieren, dass ihr die für Euch passende Schuhkategorie und die richtige Größe findet. Es würde den Rahmen sprengen noch über Membranen, Stützsysteme, Sohlen und Materialien zu sprechen. Holt Euch am besten im Vorfeld Infos, auf welche Merkmale es in der jeweiligen Schuhart ankommt.
Etwas Hintergrundwissen ermöglicht Euch, besser mit dem Verkäufer kommunizieren zu können. Generell sei gesagt, dass ihr in einem Fachgeschäft wie z.B. Globetrotter in Sachen Beratung in der Regel besser aufgehoben seid, wie bei den großen Ketten. Das bezieht sich auch auf das Produktportfolio.

Gängige Schuharten und Begrifflichkeiten

Im Bergsportbereich gibt es zunächst Schuhe ohne (hohen) Schaft und Stiefel mit unterschiedlichen Schafthöhen. Sie unterscheiden sich in Material, Sohle, Steifigkeit und der Möglichkeit z.B. Steigeisen einsetzen zu können.
Häufig hört ihr in dem Zusammenhang den nicht näher eingegrenzten Begriff der Wanderschuhe. Wichtig ist hier zu wissen, dass es keine allgemeingültige Normierung gibt. Es gibt jedoch sinnvolle und mittlerweile weitgehend anerkannte Einteilungen die ich Euch weiter unten vorstelle.
Begriffe wie Trekking- oder Bergstiefel geben schon mal eine Richtung vor in die es gehen soll, aber auch hier gilt. Es gibt keine ganz klare Definition.

Für den Winter gibt es zudem Modelle die besonders warm sind und über stark rutschhemmende Sohlen verfügen, oder aufgrund ihrer Konstruktion gut geeignet zum Schneeschuhlaufen sind.

Aus dem Laufsport bekannt sind klassische Laufschuhe mit diversen Dämpfungselementen und Stützsystemen. Trailrunningschuhe befinden sich in der Schnittmenge zwischen Lauf- und Bergsport und unterscheiden sich vor allem durch ein ausgeprägteres Profil.

Nicht zu vergessen sind noch die Schuhe aus dem Klettersport. Hier finden sich zum einen Kletterschuhe an sich (wie sie aus der Kletterhalle bekannt sind), festere Stiefel für (Kletter-)steige und sogenannte Approach Schuhe um zum Ausgangspunkt der Klettertour, bzw. an den Spot zu gelangen.

Schritt für Schritt zum Ziel:

1. Wie vermesse ich meine Füße

Welcher Schuhe es auch immer sein soll, Ihr tut Euch leichter, wenn Ihr Eure Füße kennt. Einen Fachmann erkennt ihr daran, dass er zuerst eure Füße vermessen wird. Leider ist das heute nicht immer der Fall.

Deshalb behelfen wir uns im Vorfeld diesbezüglich selbst. Nehmt zuhause einfach ein weißes Din A4 Blatt und stellt Euch mit einem Fuß darauf. Zeichnet nun mit einem Stift eure Fußkonturen nach. Vergesst nicht ob es sich um den linken oder rechten Fuß handelt und kennzeichnet das Blatt entsprechend. Das ganze nun bitte auch mit dem anderen Fuß. Wichtig hierbei zu wissen ist, dass linker und rechter Fuß nie exakt gleich groß sind. Die spätere Schuhgröße richtet sich deshalb nach dem größeren Fuß.

Messt nun die maximale Länge des Fußes, von der Zehenspitze bis zur Ferse. Dies ist eure tatsächliche Fußlänge. Anhand eures „Fußabdruckes“ könnt ihr auch schon mal sehen ob ihr einen eher schmalen oder breiten Fuß habt.

2. Zeitpunkt zum Schuhkauf

Es bietet sich an den Schuhkauf unter der Woche und eher in die Nachmittags- bis Abendstunden zu legen. Der Grund hierfür ist simpel. Eure Füße haben sich durch die Tagesbelastung etwas ausgedehnt. Ihr kauft die Schuhe dadurch nicht zu klein.
Unter der Woche habt ihr eher die Chance auf eine ruhige und entspannte Verkaufsatmosphäre als im Getümmel am Wochenende.

3. Meine Schuhgröße

Manche Menschen denken Sie haben eine „bestimmte Schuhgröße“. Genauer wäre es zu sagen, jeder hat einen bestimmten Schuhgrößenbereich. Warum ist das so? Zum einen liegen die tatsächlichen Längen der Hersteller z.B. für Größe EU 43 zum Teil ordentlich auseinander. Zum anderen sind die Leistenform, also ob ein Schuh vorne oder hinten breit oder schmal geschnitten ist, unterschiedlich. Und das sogar bei ein und demselben Hersteller. Wichtig ist auch zu wissen, dass sich die Leistenform auch bei Modelreihen über die Jahre ändern können! Deshalb gilt immer anprobieren.
Einen Sonderfall stellen Einlagen dar. Wenn ihr welche benötigt, nehmt diese zum Anprobieren zwingend mit. Ein Fachmann sollte Euch danach fragen. Die Einlage sollte ohne Probleme in den Schuh passen. Dieser Platz, vor allem zum Spann hin muss berücksichtigt werden.

4. Größenvergleichstabellen

Da wir also nicht wirklich wissen welche Schuhgröße wir bei einem konkreten Modell haben, benötigen wir sogenannte Größenvergleichstabellen. Hier schaut ihr nach eurer Fußlänge (in der Regel in mm). Nun könnt ihr ablesen, welcher Größe in welcher Norm (EU, US, UK, JP, Mondopoint) eurer Fußlänge entspricht.

Wichtig hierbei ist, einen Puffer mit ein zu kalkulieren. Wenn der Fuß abrollt, braucht er ein gewisses Maß an Spiel im Bereich der Zehenbox. Gleichzeitig darf die Ferse nicht zu locker sitzen und muss den Fuß zusammen mit der Schnürung halten.
Faustregel zur Bestimmung dieses Puffers sind etwa eine Daumenbreite, bzw. 1 bis 2 cm Platz zwischen vorderstem Zeh und der Schuhkappe. Wie eng ein Schuh sitzen soll ist zudem persönliche Präferenz und von der Schuhkategorie abhängig. Kletterschuhe werden für das notwendige Gefühl passgenau gekauft, wohingegen Trekkingschuhe und Laufschuhe den oben erwähnten Puffer benötigen. Schuhe für einen Klettersteig benötigen auch ausreichend Platzreserven für die Gehparts. Am Klettersteig möchte ich wiederrum ein eher kompaktes Gefühl der Kontrolle am Fuß haben. Hier gilt also den individuellen Kompromiss zwischen Komfort und Kontrolle zu finden.

Abschließend die Info, dass manche Tabellen den Puffer bereits einrechnen, manche nicht. Dies sollte optimalerweise dabeistehen.
Kleiner Leitfaden zum Kauf von Outdoorschuhen

Einteilungssysteme der Hersteller

Zwei Einteilungssysteme der etablierten Hersteller Meindl (A – D) und Lowa (6 -1) teilen Schuhe in folgende Kategorien ein:

Kategorie Beschreibung
A, 6 Leicht, weich, bequem, rutschhemmende Sohle, sehr hoher Tragekomfort – für Alltag und gute Wege
A/B, 5 Schaft vorhanden, immer noch leicht und recht weich und flexibel, etwas mehr Profil, eventuell Zehen und Fersenkappe, hoher Tragekomfort – für leichte Wanderungen
B, 4 Stabiler Schaft, feste und torsionssteife Sohle, evtl. umlaufender Geröllschutz, deutliches Schuhprofil – guter Kompromiss aus Stabilität und weichem Abrollverhalten für lange Wanderungen, Trekking, moderates Gebirge möglich, Grödeltauglich
B/C, 3 Stabiler und Steifer, Stützend, spürbar schwerer wie ein B – Schuh, bedingt Steigeisentauglich – für Klettersteige, Bergtouren, Trekking mit schwerem Gepäck
C, 2 Steif, biegefeste Sohle, hoher Schaft, Steigeisentauglich – für Hochgebirge und Gletscher
D, 1 Sehr hart und Steif, Steigeisen- und Frontalzackentauglich – Für Extremanwendungen, Hochgebirge, Gletscher, Eis, bzw. kombinierte Bedingungen

Viele werden sich hier vor allem in den Kategorien A/B,5 bis B/C, 3 tummeln. Wer einen Allrounder für viele Gelegenheiten sucht wird in der B,5 Kategorie fündig. Wer auch einen Klettersteig mitnehmen oder in den Fels gehen will schaut im Bereich B/C, 3.

Weitere Begrifflichkeiten

Begriff Erläuterung
Hikingschuhe Zum Wandern und Spazieren gehen, mit mehr oder weniger viel Gepäck
Trekkingstiefel Für längere Strecken und höhere Lasten, z.B. eine mehr Tages Tour mit Zelt
Bergstiefel Für unwegsameres Gelände und Fels
Trailrunningschuh Laufschuhe mit geländetauglichem Profil
GTX Häufiger Zusatz bei Modellbezeichnungen: steht für GoreTex, also für eine wasserabweisende Membran

Bitte beachtet, dass die Übergänge zwischen den Kategorien teils fließend sind. So könnte man Approachschuhe eigentlich in die B/C,3 Kategorie packen, gleichzeitig haben sie aber keinen Schaft.

Trailrunner werden meist nicht in den klassischen Kategorien für Wanderschuhe eingeteilt. Sie würden sich im A,6 bis A/B,5 Bereich befinden.
Am besten ihr nehmt die obige Kategorisierung zumindest mal als grobe Orientierung.

Schuhe richtig anprobieren

Last but not least werdet ihr irgendwann in den ein oder anderen Schuh schlüpfen. Lasst Euch dazu Zeit. Lauft mit den Schuhen rum, steht in Ihnen und macht den Zehencheck (im Stehen) mit euren Fingern ob ihr den notwenigen Puffer zwischen Zehen und Schuhspitze habt.
Vergleicht ein paar Hersteller. Eventuell liegt Euch die Leistenform eines Herstellers eher, die eines anderen weniger. Leitsatz sollte sein – der Fuß fühlt sich zuhause. Sprich der Schuh muss vor allem bequem sein.

Schlussbemerkung

Am Ende geht’s darum was ihr mit dem Schuh machen wollt. Für das Gleitschirmfliegen brauche ich z.B. Schuhe die mir am Startplatz mit starkem Profil auch bei abschüssigem, mal losem Gelände guten Halt bieten. Gleichzeitig soll der Schuh sehr leicht sein, damit er beim Fliegen bequem ist. Für das Landen wäre noch ein Schaft zur Stützfunktion für den Knöchel denkbar.
Ich könnte mir für den Zweck also einen Trailrunner mit gutem Profil oder auch einen (Leicht-) Wanderstiefel der A/B,5 oder B,4 Kategorie vorstellen. Für beides gibt es Argumente.

In dem Sinne hoffe ich, etwas Licht in das Wirrwarr des Schuhdschungels gebracht zu haben und wünsche Euch viel Erfolg beim nächsten Einkauf.

Bleibt gesund und genießt die Natur,

Andi

Kleiner Leitfaden zum Kauf von Outdoorschuhen Da wir schon die ein oder anderen Schuhe im Test hatten, könnt ihr hier in den verschiedenen Kategorien nachschauen, welche Schuhe wir schon an den Füßen hatten.
Trekkingschuhe: https://www.outdoortest.info/schuhe/outdoorschuhe/trekkingschuhe/
Wanderschuhe: https://www.outdoortest.info/schuhe/outdoorschuhe/wanderschuhe-stiefel/
Hikingschuhe: https://www.outdoortest.info/schuhe/outdoorschuhe/hikingschuhe/
Kleiner Leitfaden zum Kauf von Outdoorschuhen

Andreas

Zuständig für die Bereiche Wandern, Training, Camping, Kajak und Skifahren

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