Sonstiges Südtirol

Sabiona2019

Vom 21. bis 30. Juni 2019 fand in den malerischen Gassen der Altstadt von Klausen und Umgebung das Eisacktaler Weißweinfestival | Sabiona19 statt. Natürlich drehte sich auch in diesem Jahr alles um die typischen Weißweine aus den Weingärten zwischen Kloster Neustift über Klausen bis ins südliche Eisacktal. 

Im Jahre 2014 entstand die Sabiona in Allianz zwischen der Wirtschaftsgenossenschaft Klausen (WGK) und dem Tourismusverein (TV) sowie mehrerer Gastwirte von Klausen. Später kam dann noch die Genossenschaft Eisacktalwein dazu.
Im Jahr 2019 wurde die Veranstaltungsreihe neu ausgerichtet.
Wer die komplette Veranstaltung besuchen möchte, der kann den ALL INCLUSIVE PASS nutzen und somit an allen Programmpunkten teilnehmen. Diesen gibt es zu einem Vorzugspreis von 180 €.
Nähere Infos gibt es hierzu auf der Webseite der Tourismusgenossenschaft Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders unter https://www.klausen.it/de/

Wir haben nicht die komplette Veranstaltung besucht, sondern waren vom 27.06.2019 bis 30.06.2019 vor Ort um uns selber ein Bild davon zu machen.

Die knapp 4-Stündige Anfahrt am Donnerstag lief ohne Probleme und wir sind pünktlich vor Ort angekommen.
Als Unterkunft fiel unsere Wahl auf den Rierhof der Familie Schenk, welcher am Ortsende von Klausen gelegen ist.
Die Anlage ist großzügig ausgelegt und bietet im Grunde für jeden etwas um sich perfekt zu erholen.

Die Weinsorten im Eisacktal

Der Sylvaner ist die verbreitetste Sorte und gedeiht an windgeschützten Hängen zwischen 500 m und 700 m Meereshöhe.
Ebenfalls sehr stark vertreteten ist der Müller Thurgau. Er ist sozusagen der Bergsteiger unter den im Eisacktal angebauten Sorten und klettert bis auf 850 m Meereshöhe.
Die allerbesten und wärmsten Lagen beansprucht für sich der Gewürztraminer, während der Kerner hier noch eine aufstrebende Weinsorte ist, die mit konstant guten Jahrgängen überrascht.
Der Riesling hat eine lange Geschichte im Eisacktal, die bis ins 15. Und 16. Jahrhundert zurückreicht, er fasziniert durch seine charakteristische Säure.
Auch die anderen Weißweinsorten wie der fruchtige Veltliner oder der sehr elegante Pinot Grigio und der mineralische Riesling sind aufgrund dieses besonderen Standortes sehr eigenständige und beeindruckende Weine.

Zielgruppe und Hintergrundinfos zur Sabiona

Bei der Sabiona geht es um die Weinkultur sowie die Verbindung des Weines mit der Gastronomie, dem Bewusstsein, dass die Künstlerstadt Klausen auch eine Weinstadt ist und hier in der Wiege des Törggelen gerade auch tiefe Wurzeln der Weinkultur liegen.
Die Veranstaltung soll den Einheimischen die Weinkultur mehr in den Vordergrund bringen, so dass die diese die Weinkultur spüren, sehen und merken.
Aber auch den Gästen soll dadurch das Thema Wein, Weinkultur, Gastronomie im nördlichsten Weinanbaugebiet Italiens erlebbar gemacht werden.

In den letzten warmen Herbsttagen öffnen die Buschenschänken und Hofschänken ihre Tore den Freunden des Törggelens.
Hierunter versteht man die Tradition der Verkostung des jungen und noch nicht gegorenem Traubensaft, aber auch herzhafte Südtiroler Köstlichkeiten dürfen hier nicht fehlen. Also im Grunde ein gemütliches Beisammensein mit neuem Wein und leckerem Essen.
Der Name des Brauchs selber leitet sich von der Torggel (lat: torquere = pressen) ab, also der Traubenpresse im Kelterraum.
Aber zum Törggelen gehören nicht nur Wein und leckere, traditionelle Gerichte. Es gehört auch eine Wanderung durch die vielseitige und interessante Kulturlandschaft des Eisacktales dazu. Vorbei an den Weinbergen, alten Höfen und Kastanienhainen.

Donnerstag 27.06.2019

Gleich nach der Ankunft im Hotel, mussten wir aber auch gleich schon los, so dass wir pünktlich unseren heutigen Themenabend “Wein & Bier” im Gassl Bräu starten konnten.
Von unserem Hotel war es nur ein Fußmarsch von knapp 10 Minuten, also ideal um das Fahrzeug stehen zu lassen.

Die Veranstaltung selbst fand in den Räumen der Hausbrauerei statt und wurde durch den Braumeister Norbert sowie dem Sommelier Rene begleitet und durchgeführt.
Insgesamt waren wir nur 8 Gäste, was aber für eine solche Veranstaltung eine sehr gute und angenehme Größe ist da man hier viel an Infos bekommt, aber auch selber einiges fragen kann.
Da sich ja immer Gerüchte und Mythen über das Thema Bier mit Wein oder Wein mit Bier ranken, wurde Rene direkt darauf angesprochen. Es stellte sich dann schnell heraus, dass Norbert und er sich im Vorfeld auch darüber Gedanken gemacht haben, da es auch für die Beiden Neuland war bzw ist. Aber man muss im Nachhinein sagen, es war ein sehr guter und interessanter Mix und es geht tatsächlich die Verkostung von Wein und Bier zu kombinieren.

Eine Weinverkostung bzw. eine Verkostung geht im Grunde immer nach den gleichen Kriterien von sich. Dies wären in der entsprechenden Reihenfolge:

  • Color (was man mit dem Auge sieht)
  • Odor (der Geruch)
  • Sapor (der Geschmack)

Während man unter dem Punkt Color, die Farbe an sich, die Klarheit und die Konsistenz unterscheidet, kommt es beim Odor auf die Qualität, die Komplexität und die Dauerhaftigkeit des Geruches an.
Und dann folgt natürlich der Geschmack mit seinen ganzen Aromen. Also im Grunde mit allen Sinnen genießen.

Bei der Bierdegustation geht es auch um die Farbe, die Klarheit, das Geruchsprofil sowie den Geschmack, also ähnlich wie beim Wein.
Norbert hat uns einiges über die unterschiedlichen Braustile berichtet und uns seinen Braukeller gezeigt. Hier werden neben den klassischen Sorten wie Hell, Dunkel und Hefe noch saisonale Biere gebraut, die sehr interessant sind.
Neben dem Pale Ale im Frühling, gibt es im Sommer dann ein frisches Basilikumbier gefolgt vom Kastanienbier im Herbst und dem Weihnachtsdoppelbock mit Zimtgeschmack im Winter.
Eine sehr interessante Auswahl, die es bei uns in Deutschland so nicht gibt, da hier bei uns die Biere nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut werden müssen. Lediglich private Brauer können hier ein wenig experimentieren.

Insgesamt kann man sagen, dass die Veranstaltung ihre 25 € Teilnahmegebühr definitiv wert ist. Neben einem Begrüßungssekt gab es zur Verkostung 3 Weinsorten sowie 3 Biersorten. Zudem wurde noch ein leckeres 3-Gänge Menü gereicht, das den Abend passend abgerundet hat.
Es war ein sehr informativer aber auch geselliger Abend mit netten Leuten, guten Getränken und einem leckeren Essen.

Freitag 28.06.2019

Unser heutiger Programmpunkt unter dem Namen “Berg&Wein” führte uns passend in die Berge. Genauer gesagt zum Fuß der Dolomiten. 
Am Dolomites Infopoint in Zans erwarteten uns insgesamt drei Verkostungsstationen mit Wein und Käse.
Das Infogebäude, welches architektonisch sehr interessant ist, erzählt dem Besucher die Entstehungsgeschichte der Dolomiten. Ein sehr interessanter Rahmen für eine Wein- und Käseverkostung.
Wir erfuhren dann, dass die Sabiona19 wohl zum ersten Mal diese Location mit eingebunden hat. Man hat im Vorfeld beschlossen zunächst mit 3 Verkostungsständen zu starten. Platzmäßig kann man hier locker das doppelte unterbringen, ist also ausbaufähig.

Folgende Winzer und Käsereien waren vor Ort

Im gemütlichen Rahmen gab es an jedem Stand neben diversen Weinsorten der Winzer auch leckeren Käse, gepaart mit vielen Infos vom Winzer über die verwendeten Rebsorten. Natürlich wurde auch der Käse entsprechend von den Verantwortlichen der Käserein vorgestellt und Fragen wurden beantwortet.
Das Publikum war bunt gemischt und die Veranstaltung war gut besucht. Vom persönlichen Eindruck her wurde das Konzept bzw. die Location gut angenommen.
Wer ein wenig abschalten wollte hat sich sein Weinglas geschnappt und ging vor die Tür wo man einen atemberaubenden Blick auf die Dolomiten hatte. Die untergehende Sonne hat das Bergmassiv dann zu später Stunde noch in ein unvergessliches Licht gesetzt.

Allerdings hatte der Veranstaltungsort aus unserer Sicht einen kleinen Haken. Die Location ist zwar grandios, aber man muss mit dem Fahrzeug oder dem Taxi anfahren. Es fährt zwar auch ein Bus, aber zu später Stunde dürfte dieser nicht mehr unterwegs sein.
So kann leider nicht jeder von den ganzen Weinsorten testen, da er wieder den Berg hinunter kommen muss.
Vielleicht wäre hier ein Busshuttle von zentralen Punkten aus praktikabel, der im Pendelverkehr ein paar Stationen anfährt und die Besucher aufliest. Es wird sich zeigen was die Winzer und Käsereien Im Nachhinein für ein Feedback geben.

Da wir mit dem Taxi unterwegs waren, fanden wir die Veranstaltung sehr gelungen, die Location einfach traumhaft und es war ein sehr schöner Abend mit interessanten Gesprächen, viel Wein und Käse.

Samstag 29.06.2019

Auch heute haben wir uns wieder vom Taxiunternehmen Torggler chauffieren lassen, da der heutige Veranstaltungsort nicht direkt in Klausen sondern in Feldthurns lag. Unser Treffpunkt für die “Weinwanderung Feldthurns” war das Schloss Velthurns.
Hier wurden wir vor dem Schloss von Josef Dorfmann empfangen und kurze Zeit später erschien dann auch der Önologe Thomas Dorfmann, welcher uns neben seinem eigenen Weingut noch das Weingut Garlider zeigen und vorstellen wollte.
Nachdem unsere Gruppe dann vollständig war, ging es zu Fuß durch Feldthurns den Berg hoch in Richtung des Feldthurnerhofs, wo wir unsere erste Weinverkostung und Fingerfood zu uns nehmen sollten.
Die Wanderung war kurzweilig, da Thomas immer wieder ein paar Infos zum Wein im Eisacktal von sich gab und zudem führte der Weg vorbei an wunderschönen und mächtigen, alten Kastanienbäumen, welche gerade in der Blüte standen, vorbei. Interessanterweise werden diese Bäume von den Bauern selbst gepflegt und die essbaren Kastanien nach der Ernte verkauft. So entsteht ein kleiner, wenn auch nicht großer Nebenverdienst und die Landschaftspflege kommt auch nicht zu kurz.
Angekommen auf dem Feldthurnerhof wurden wir vom Juniorchef in den Garten geführt, wo man schon alles für die Verkostung vorbereitet hat. Mit herrlichem Blick auf das Bergpanorama nahmen wir die ersten Weine von Thomas Dorfmann und dem Weingut Garlider zu uns.
Umrandet wurde die Verkostung mit einer Eisacktaler Silvaner Weinschaumsuppe vornweg, sowie leckerem Fingerfood. Sehr, sehr lecker.
Nachdem wir dann die ersten Weine gekostet und uns gestärkt hatten, ging es weiter in Richtung des Weingutes von Thomas Dorfmann.
Unterwegs erzählte Thomas, dass es hier im Eisacktal bzw. in Südtirol die sogenannten “Geschlossenen Höfe” gibt. Hierunter versteht man, dass ein Hof immer mit allen Ländereien an die Erben übergeht. Sprich der Hof wird nicht aufgeteilt oder in Einzelteilen verkauft. Natürlich kann auch ein Hof verkauft werden, aber hier auch nur zusammen mit den Ländereien dazu. Dies aber sehr selten in Südtirol.
Angekommen in seinen Weinbergen wurden uns noch weitere Sorten von seinem Wein zur Verkostung präsentiert. Nach weiteren Infos über Wein und Weinanbau, ging es dann durch den Weinberg weiter zum Weingut Garlider wo uns Christian Kerschbaumer bereits erwartete.
Dieser zeigte uns dann seinen Weinkeller, in welchem die Produktion stattfindet. Nach einer interessanten Führung wurden uns auch hier weitere Sorten des Weingutes zur Verkostung präsentiert. Hierzu gab es dann noch sehr leckeres Essen, so dass wir nicht hungern mussten.

Die Stimmung war die ganze Zeit über sehr ausgelassen. Fragen konnten jederzeit gestellt werden, viele interessante Gespräche fanden statt und die zur Verkostung gereichten Weine waren je nach Geschmack sehr lecker.

Sonntag 30.06.2019

Unser letzter Programmpunkt und auch gleichzeitig der Abschluss des Sabiona19 fand unter dem Namen “Wine & Jazz” in der Eisacktaler Kellerei in Zusammenarbeit mit dem Südtirol Jazzfestival statt.
Der Termin kollidierte allerdings in diesem Jahr mit dem traditionellen Herz-Jesu Feuer. Dieses findet immer am 3. Sonntag nach Pfingsten des entsprechenden Jahres statt.
Dennoch fanden sich zum Start gegen 18 Uhr bereits viele Interessierte bei bestem Wetter auf dem Hof der Kellerei ein. Gegen 19 Uhr startete dann die Kellerführung durch den Kellermeister Hannes Munter.
Nachdem wir in den Tagen davor ja schon die ein oder andere kleinere Weinkellerei besichtigt haben, waren hier die Ausmaße natürlich schon bedeutend größer. Klar, so eine Genossenschaft bezieht ja die Trauben nicht nur von einem Weingut. Die Kellerei besteht aus ca. 130 Mitgliedern aus 11 Gemeinden.
Mit knapp 1 Million Flaschen pro Jahr, hat man aber auch eine gewisse Verantwortung seinen Mitgliedern und natürlich dem Kunden gegenüber.
Nach der kurzweilige Führung startet dann kurz nach 20 Uhr das Jazzkonzert mit dem Xan Campos Trio.
Geleitet wird die Formation von Xan Campos, und durch Horacio García sowie Iago Fernández komplettiert. Zu diversen Weinen die zur Verkostung gereicht wurden, spielten die 3 aus ihrem Repertoire und die Nacht brach langsam und beschwingt herein. Das Gastspiel der 3 Jungs war kurzweilig und nach entsprechenden Zugaben ließen wir bei interessanten und unterhaltsamen Gesprächen mit anderen Gästen, aber auch den Verantwortlichen der Eisacktaler Kellerei, den Abend ausklingen.

Fazit

Wer gerne Wein trinkt und auch mal das Eisacktal und Klausen genauer unter die Lupe nehmen will, der kann bei der Sabiona zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Interessante Veranstaltungen nicht nur für Einheimische sondern auch für Touristen, bringen einem den Weinbau im Eisacktal näher.


Hinterlasse einen Kommentar