einfach draußen Events

Biwak Camp Südtirol (Villanders/Latzfons bei Klausen)

Endlich ist es so weit!Zwei verrückte Schneehühner auf dem Weg zum Winterbiwak mit Schneeschuhwandern.

Die Anfahrt

Am Mittwochnachmittag gegen 15 Uhr ging es los und wir hatten durchweg Glück.
Trockene Witterung und null Stau. So konnten wir gut gelaunt und vorfreudig die knapp 500 km in ebenfalls knapp 5 Stunden zurücklegen.
Als wir um halb neun in Villanders zwischen Brixen und Bozen Nähe der Künstlerstädtchen Klausen ankamen, hatten wir mächtig Hunger. Unsere Unterkunft für diese Nacht, der Mittererhofer Hof in Villanders, Stofls, lag bereits auf 950 hm mitten am Berghang.
Nochmal zurück in den Ort fahren um dort zu Abend zu essen kam nicht in Betracht. Unsere sehr nette Wirtin half uns aus der Patsche und machte uns eine leckere heiße Eiersuppe. Gerettet!
Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer (typisch urige Unterkunft) kostete hier 72 €.

Das Tal

Das Eisacktal, die vale isarco, auch Tal der Wege genannt, bietet von Kultur bis Natur alles. Ob Klosteranlagen, Künstlerstädtchen, ob Wintersport oder sommerliche Wanderungen, hervorragendes Essen, Geschichte oder einfach die Seele baumeln lassen. Hier findet jeder etwas für sich und vor allem viel Platz für sich und Ruhe!
Weitere Infos gibt es unter www.klausen.it

Erreichbarkeit des Tals
Die Gegend um das Künstlerstädtchen Klausen ist ganz einfach von Stuttgart über die A 8, A7, A12 und A 13 dann Richtung Bozen zu erreichen. Direkt über die Autobahnausfahrt Klausen raus, dann abzweigen und schon ist man da – mitten in der Natur.

Zur Erinnerung: das Event

Wer einmal in einem Biwak Camp übernachten möchte, hat zwischen dem 6. Januar und dem 29. Januar 2018 auf der Villanderer/Latzfonser Alm die Möglichkeit dazu.
Infos gibt es unter www.biwakcamp.com

Das Biwak Camp Südtirol auf der Villanderer/Latzfonser Alm ist eine einzigartige Gelegenheit, die unberührte Natur sowie das faszinierende Panorama der Dolomiten zu genießen.
Außerdem stehen verschiedenste Schneeschuhwanderungen mit Gipfelerlebnissen am Programm.
Betreut wird das Camp von ausgebildeten Ski- bzw. Bergführern.
Verköstigt werden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in der nahe gelegenen urigen Stöfflhütte (2.057 m).
Kosten: 130 Euro inklusive aller angeführten Leistungen

Es geht los

Nachdem wir einen wunderschönen Sonnenaufgang vom Bett aus erleben durften, konnten wir uns bei einem guten zünftigen Frühstück stärken. Um halb zehn starteten wir dann, inzwischen doch ganz schön nervös, in unser Abenteuer. Das Wetter sollte ganz gut werden für heute und morgen dann Schnee. Also von allem etwas. Im Tal unten hatte es nahezu keinen Schnee, auf halber Höhe hatte es je nach Hanglage auch immer wieder grüne oder braune Flecken. Viel Schnee war das nicht für Mitte Januar. Wie es wohl oben ist?

Das Navi lotste uns zunächst in die falsche Richtung, deswegen kamen wir mit 15 Minuten Verspätung am Parkplatz “Gasserhütte” auf immerhin schon 1750 hm an. So langsam packte uns die Unruhe, dass wir zu spät kommen könnten. Wir hielten Ausschau nach unserer Gruppe für das Event während wir unseren Parkschein lösten. Vergeblich. Als wir dann den nächstbesten fragten, der aussah, als ob er hier zu irgendwas dazu gehörte, hatten wir sogar gleich unseren Guide, Matthias Hofer, erwischt.
Als wir nach dem Rest unserer Gruppe fragten war die Überraschung riesig, dass wir die einzigen Gäste heute seien. Am Wochenende seien die letzten Übernachtungen des Events, da sei die Gruppe nochmals 12 Mann groß, aber bei dieser Nacht seien wir alleine. Genial! Noch auf der Fahrt sprachen wir darüber, wie wohl die Gruppe sei und welche Auswirkungen das haben könne.
Gruppenerlebnisse haben ihren ganz eigenen Reiz – keine Frage – aber nur zu zweit mit Bergführer zu sein, eröffnete ganz neue Möglichkeiten. Dies merkte auch Matthias und bot uns an, das Tagesprogramm komplett über den Haufen zu werfen. Er schlug uns eine längere Tour mit mehr Höhenmetern vor, die allerdings nicht über Mittag an einer Hütte vorbeikäme. Wir verzichteten kurzerhand auf die Einkehr. Wasser und ein paar Schokoriegel mussten reichen und machten uns nun auf UNSERE Tour auf.
Die Eckdaten:

  • 14 km
  • Gute 6 Stunden Gehzeit
  • Ca. 1000 hm (inklusive aller Steigungen)
  • Gipfel Villanderer Berg

Ok. Damit und weil auf den Nachmittag und die Nacht Schneefall angesagt war, fiel die Nachtwanderung im allseitigen Einverständnis unter den Tisch.
Das Wetter war traumhaft! Sonne und blauer Himmel mit ein paar Schleierwolken und zumindest im Kessel um den Parkplatz kein Wind. Wir erhielten unsere Leihschneeschuhe, stellten sie und unsere Teleskopstöcke auf uns ein und schon ging es los.
Matthias ist nicht nur Bergführer, sondern auch bei der hiesigen Bergwacht und gab uns Entwarnung für die Lawinenlage, die ja in den vergangenen Tagen vor allem in den Nordalpen wirklich heikel war.

Wir starteten hoch motiviert und ordentlich flott zunächst auf einem mit der Pistenwalze präparierten Forstweg. Fast waren wir ein wenig enttäuscht über den zivilisierten Weg. Wir hatten es uns naturnaher vorgestellt. Aber das sollten wir noch bekommen – in Hülle und Fülle.

Bald schon zweigte der Weg ab und es ging über einen verschneiten Fußweg, wir also brav hintereinander. Hier oben hatte es ordentlich Schnee. Die Beschaffenheit war für unsere Unternehmung optimal. Die vergangenen Tage hatte es nicht neu geschneit, so dass der Schnee weder harschig, noch nass oder zu pulvrig war.
In den bereits vorhandenen Schneeschuhspuren war es griffig und wir kamen gut voran. Zunächst kamen wir an einer bewirtschafteten Hütte mit fröhlich rodelnden Kindern vorbei. Eine richtige Winteridylle, auch wenn wir hier natürlich eher auf der Suche nach einsamen Weiten waren.
Am südlichen Rand der Hochebene ging es dann in die Steigung über. Auf der Ebene sah man ab und an noch einen anderen Winterwanderer. Ab der Steigung waren wir aber allein.
Nachdem wir vorfreudig viel zu schnell gestartet waren, übernahm Matthias das Tempo. Er hielt es ganz konstant und machte zu unserer Freude trotz beachtlicher Größe moderate Schritte, so dass wir einträchtig hinter ihm her stapfen konnten. Aber auch jetzt waren wir immer noch flott unterwegs.

Es wurde stetig steiler und auf dem Bergkamm Richtung Gipfel machten wir eine erste Trinkpause und zogen uns an, den hier oben pustete der Wind ordentlich. Auf der anderen Seite, im Nachbartal zog Nebel auf, der das Tal wie ein Meer füllte. Ein wunderschöner Anblick! ….allerdings nur, wenn man oberhalb der Nebelgrenze bleibt.

Von nun an ging es wieder weniger kräftezehrend über den Kamm, mit einigen Gefällestellen und Anstieg. Die Schrägpassagen waren dennoch anstrengend, weil man die Schneeschuhe waagerecht halten muss.
Um 13 Uhr erreichten wir den Gipfel des Villanderer Bergs auf 2509 hm. Was für ein Gefühl!
Uns war ordentlich warm, obwohl der Wind heftig blies. Die Sonne belohnte uns bei unserer 20-minütigen Gipfelrast mit wärmenden Strahlen trotz kaltem Wind und beschien die schneebedeckten Gipfel ringsum. Eine redlich verdiente und gemeinsam geteilte Tafel Schokolade stärkte uns für den Abstieg.
Ohne Bewegung wurde es dann doch ziemlich schnell kalt und die Sonne gab den Kampf gegen den Nebel nun doch auf.
Zunächst ging es dann um 13.20 Uhr wieder ein Stück weit über den Grat zurück. Nachdem wir uns mit unserem Bergführer beim Aufstieg über LVS (Lawinenverschüttetensuch)-Geräte und ein wenig Lawinenkunde unterhalten hatten, verteilte Matthias vor dem Aufbruch am Gipfel LVS-Geräte und wir aktivierten diese.
Er ging kurz nach dem Start auf die Gratkante zu, um zu sehen, wie weit der Schnee gut hält. Aber Matthias bog in den Steilhang ab. Hier wurde es dann wirklich anspruchsvoller. Teils war der Hang so steil, dass die Spikes der Schneeschuhe ins Rutschen gerieten. Ab hier hieß es, 10 Meter Abstand halten.

Wir stapften senkrecht abwärts den Hang entlang am Totensee vorbei bis wir am Totenkirchl (2.186m) ankamen. Nochmal eine kleine Rast und dann ging es über sanfte Hügel zwischen Latschenkiefern und Zirben entlang bis zur Stöfflhütte. Diese ist auf 2057 m gelegen und hat einen schönen Blick über die Hochebene.

Die Stöfflhütte

Unser Guide kündigte uns die Hütte als hübsche Hütte mit sehr netten Leuten an. Wir waren gespannt, aber in erster Linie waren wir jetzt doch ganz schön Ko. Nach nur 5 Stunden inklusive kurzer Pausen haben wir unsere Tour geschafft. Wir hätten ja nicht so rennen müssen, es war Zeit genug. Aber so sind wir verrückten Hühner eben. Jetzt freuten wir uns die Schneeschuhe endlich abschnallen zu können.
Als wir hörten, dass die Hütte über eine Sauna verfügt, konnten wir unser Glück nicht fassen! Nach so einer Tour, nicht nur raus aus den Bergstiefeln und den Klamotten, sondern in eine warme Sauna und danach frisch geduscht in warme und trockene Kleidung schlüpfen!!! Wir hatten noch nicht einmal mit einer Dusche gerechnet.
Die Wirtin entschuldigte sich noch, dass es eine dreiviertel Stunde dauere bis sie für uns die Sauna angeheizt habe und dass sie 10 Euro pro Person abrechnen müsse. Aber gerne doch!! Mit Bademantel sogar – was für ein Luxus!!!

Die Zeit nutzten wir, um unsere verschwitzten Sachen aufzuhängen und unserer “Schlafstätte” für die heutige Nacht in Augenschein zu nehmen. Wir hatten erfahren, dass wir nicht im Zelt sondern im Iglu schlafen dürften. Eine tolle Neuigkeit. Um genau zu sein, sprach Matthias von Schneehöhlen. Für mich war das das Gleiche. Es gab 6 Iglus. Allerdings nicht in der Luxusvariante, sondern von Hand geschaufelte 1-2 Mann-Schneehöhlen mit seeeehr kleinen Eingängen und nicht ganz Sitzhöhe. Wir hatten uns das mit dem höchsten Eingang ausgesucht.
Zur Größe: bäuchlings hindurchrobben und den Po unten behalten. Das kann ja lustig werden!
Aber natürlich werden auch entsprechende Biwak-Zelte vorgehalten, falls jemand nicht in den Iglus übernachten möchte.

© Tourismusverein Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders

Dann aber war erst einmal Saunazeit. Wir hatten schon mächtig Hunger nachdem wir uns ja tagsüber nur mit Schokolade über Wasser hielten. Da wir die Sauna ganz für uns hatten, nahmen wir noch unsere Sachen zum Trocknen in den Vorraum mit uns ließen es uns so richtig gut gehen. Es wurde uns sogar noch Schnee zum Einreiben und als Aufguss gebracht. Sehr aufmerksam.
Der Ruheraum war auch mit einem Lüfter vorgewärmt worden. Während zwei Saunagängen konnten wir unsere Tour nochmal richtig schön an uns vorüber ziehen lassen. Die beanspruchten Glieder konnten sich optimal entspannen und erholen. Nachdem wir uns dann wieder frisch gemacht hatten, ging es um 18 Uhr endlich zum Abendessen. Wir hatten Bärenhunger und waren gespannt, was uns erwartet. Egal was wir erwartet hatten, es wurde alles übertroffen.
Das beste Hüttendinner ever!
Es gab 4 Gänge, einer leckerer als der andere. Beginnend mit einer Speckknödelsuppe, die so schmackhaft war, dass wir auch gut einfach noch zwei Teller Suppe hätten essen können, ging es genau so weiter. Ein gemischter, sehr knackiger Salat war der zweite Gang. Dem folgten Kartoffeln-Frischkäse-Taschen in zerlassener Butter. Auch hiervon hätten wir gerne mehr gegessen. Aber dann kam die Hauptspeise. Kalbssteak mit selbstgemachten Schupfnudeln und Gemüsesticks. So unglaublich gut.
Als Abschluss gab es noch Apfelstrudel mit Vanillesoße.

Wir waren dermaßen satt. Dazu tranken wir ein Glas Wein.
Jetzt sahen wir uns dem Problem gegenüber, dass wir satt und wirklich müde waren, aber es erst 20 Uhr war. Viel zu früh, um ins Iglu zu schlüpfen. Wir spielten noch eine Runde Würfel. Dann stieß unser Guide wieder zu uns und so schafften wir es noch bis 22 Uhr.

Ab ins Nachtlager

Nun statteten wir uns mit Isomatte, Plane, Daunenschlafsack und Kissen aus. Zudem bekamen wir noch eine dünne Matte, um sie vor das Eingangsloch zu stellen, damit es nicht zieht. Bis wir uns eingerichtet hatten, war uns ordentlich warm. Zwischenzeitlich hatte es sich eingeschneit und es war sehr winterlich idyllisch. Mit der niedrigen Deckenhöhe, war das Umziehen und Einrichten gar nicht so einfach. In unserer Schneehöhle war es absolut still und nachdem wir die Stirnlampen ausgeschaltet hatten auch stockdunkel. Das war schon erst einmal gewöhnungsbedürftig. In unseren dicken Daunenschlafsäcken war es aber angenehm warm und so starteten wir in unsere Winternacht. Für Menschen mit empfindlichem Rücken ist das nicht gerade eine erholsame Nacht. Die Isomatte war doch recht hart und so wurde es eine unruhige aber dennoch unvergessliche Nacht. Sie endete recht früh, dank Schneefall leider ohne Sonnenaufgang aber mit knackig kalten -5 Grad.

Um acht Uhr gab es dann ein reichhaltiges Frühstück. Wir ließen uns (schon wieder) kulinarisch verwöhnen und starteten dann auf dem pistenwalzengeräumten Weg zum Parkplatz zurück. Dieses Mal waren es nur wir zwei. Matthias verabschiedete sich und so genossen wir diesen ungefährlichen Abschnitt auch mal ganz alleine.
Ca. 1 Stunde dauerte der Abstieg und wir kamen gut gelaunt am Auto an. Allerdings merkten wir deutlich die Anstrengung des gestrigen Tages. Die eine bergab, die andere bergauf. Wir waren uns einig, dass bei dem Tempo, das wir vorgelegt hatten, es doch ganz gut war, dass heute kein Gipfel mehr auf dem Programm stand.

Leider schon wieder zu Ende

Die Heimfahrt, bei der wir wieder ohne Stau durchkamen, ließ uns den Kurzurlaub bis zum Schluss genießen.

Natürlich würde sich dieses Erlebnis am besten in einen Urlaub in Südtirol einbinden lassen. Aber auch bei einer weiteren Anreise ist dieser Ausflug raus aus dem Alltag und rein in die Berge, in die Sauna und in eine Schneehöhle durch unberührte Natur auf jeden Fall jeden Euro wert.

Was für ein Erlebnis!

Kontaktdaten für alle Interessierte:
Tourismusverein Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders
Marktplatz 1 |I-39043 Klausen/Chiusa
Tel. +39 0472 847 424 | Fax +39 0472 847 244
info@klausen.it | www.klausen.it


Marion

Zuständig für die Bereiche Campen, Wandern, Klettern, Reiten und Laufen

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Biwak Camp Südtirol (Villanders/Latzfons bei Klausen)

by Marion Lesezeit: 9 min
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